Der Wormser Veranstaltungskalender ist voller verschiedener Stadtfeste und Brauchtümer: ob das Backfischfest, das Turmblasen, der Pfingstmarkt oder das einstige Starefest. Stadtarchivar Dr. Gerold Bönnen brachte in der Oktober-Ausgabe des „Historischen Mittwochs“ in der Stadtbibliothek ein paar Einblicke in die letzten Festjahrzehnte mit und sprach ebenfalls von Festen, die heute nicht mehr in Worms gefeiert werden.
Kuriose Pfingstmarkt-Schausteller
Der Pfingstmarkt gilt unangefochten als ältestes Wormser Fest. 1243 hat Kaiser Friedrich II. der Stadt erlaubt, nach Ostern für die Dauer von zwei Wochen einen Messe bzw. einen Markt abzuhalten. Der Charakter der „Frühjahrsmesse“ hat sich aber immer wieder verändert, wie der Stadtarchivsleiter erklärt: Namen, Schauplatz und Konzept haben im Laufe der Jahrhunderte öfter gewechselt und „der Pfingstmarkt einen tiefen Wandel erfahren“.
Besonders interessant seien die Bewerbungsanschreiben der Pfingstmarkt-Schausteller an die Stadtverwaltung, mit denen sich die Schausteller um einen Schauplatz bewerben und die dem Stadtarchiv seit 1850 vorlägen. Laut Dr. Bönnen zeigen sie, welche Attraktionen einst populär oder auch kurios waren. Unter den Beispielen: ein „orientalischer Irrgarten“ und die Gruppe „Todesverächter“, welche eine Motorradshow mit Stunts anbiete. Es fänden sich aber auch Attraktionen, die heute als moralisch verwerflich gelten. So wurden unter anderem eine Dressurschau mit über 100 exotischen Tieren oder eine Völkerschau angeboten.
Was Allerheiligenmarkt und Backfischfest eint
Der Allerheiligenmarkt reiht sich ab 1567 zum Pfingstmarkt. Doch laut dem Stadtarchivsleiter habe es bereits vorher Vorläufer einer Herbstmesse in Worms gegeben. Der verkaufsoffene Sonntag sei seit jeher mit dem Allerheiligenmarkt eng verwoben. Der Gesellentanz als fester Bestandteil des Backfischfestes, fand jedoch seinen Ursprung auf der Herbstmesse, wie der Stadtarchivar aufklärt. Dort ist der Tanz 1926 angelehnt an die Ursprungsversion von 1483 erstmals wieder aufgeführt worden, vor fast 100 Jahren.
Dagegen existierte das Starefest nur 15 Jahre lang als Innenstadtfest, von 1988 bis 2003. Es war ein Versuch, mit dem die Stadtverwaltung, der Verkehrsverein und die Werbegemeinschaft den Einzelhandel beleben wollten – mit kulturellen, musikalischen und kulinarischen Angeboten in der Fußgängerzone und auf Straßen und Plätzen der Innenstadt. Vorführungen, Tanz, Musik, Spiele und Handwerk wurden präsentiert, so Dr. Bönnen. Auffallend am Starefest war laut dem Stadtarchivsleiter, dass viele verschiedene Akteure beteiligt waren, ebenfalls die Partnerstädte. Doch mit dem Ende der Werbegemeinschaft und dem Rückzug weiterer Akteure endete die kurze Ära dieses Innenstadtfestes.
Wormser Rosenfest und Freundschaftsfest
Zeitweise waren in Worms Bönnen zufolge nur zwei Feste nennenswert: der Pfingstmarkt und der Allerheiligenmarkt. Denn nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Sedantag als Nationalfeiertag des Deutschen Kaiserreichs (1871–1918) nicht mehr gefeiert. Aus diesem Grund wurde sich in Worms an einem jährlichen Rosenfest versucht, wie Dr. Bönnen an mehreren Archivfotos zeigte: Im Festspielhaus gab es mehrere Aufführungen, während die ganze Innenstadt voller Rosen geschmückt wurde. Doch der Versuch bestand nur vier Jahre, von 1903 bis 1907. Dabei haben das Rosenfest und das Backfischfest gemeinsam, beide vom ehemaligen Wormser Konrad Fischer begründet zu sein.
Auch das deutsch-amerikanische Freundschaftsfest im Westend wird nicht mehr veranstaltet: Es bestand laut dem Stadtarchivsleiter bis in die 1970er-Jahre hinein, markant mit einem Riesenkarussell. Dafür sind um die Jahrhundertwende neue Highlights hinzugekommen: Jazz & Joy (seit 1991), die Nibelungenfestspiele (seit 2002) und das Spectaculum (seit 2002).
Weinfeste in Worms und Umland
Die Weinmeile und „Musik am Gammi“ (jeweils seit 2023) sind zwei der neuen Innenstadt-Events, mit denen der heutige Stadtmarketingverein den Einzelhandel stärken will. Weinfeste haben seit jeher auch im Wormser Umland Tradition: Sei es das Traubenblütenfest in Westhofen (seit 1951) mit dem Winzerumzug oder das Rheinperlenfest in Rheindürkheim (seit 1953), hier mit der Krönung Rheinperlenkönigin als besondere Tradition.
Auf das größte der Wormser Feste, das Backfischfest (seit 1933), ist Dr. Bönnen im Vortrag nicht näher eingegangen. „Dies würde Abende füllen“, erklärte der Stadtarchivsleiter direkt zu Beginn und blickt dafür auf (mindestens) einen anderen „Historischen Mittwoch“.