Frauen, die Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt wurden, können sich in Rheinland-Pfalz ab sofort in zwölf Kliniken kostenlos und vertraulich untersuchen lassen. Auch in Mainz und Worms wird das Angebot „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ zur Verfügung stehen, wie der SWR zuerst berichtete.
Immer mehr Frauen werden Opfer von Gewalt. Viele trauen sich aus Angst und Scham nicht, Anzeige zu erstatten oder sich medizinisch untersuchen zu lassen. Genau hier setzt das neue Angebot an: In den teilnehmenden Kliniken können sich Frauen rund um die Uhr ohne Anmeldung untersuchen lassen. Mit dabei sind unter anderem die Unimedizin in Mainz und das Klinikum Worms.
Neben der medizinischen Versorgung können auf Wunsch auch Spuren gesichert werden, die für ein mögliches Gerichtsverfahren wichtig sein können. Denn körperliche Verletzungen wie blaue Flecken verheilen oft schnell und DNA-Spuren könnten durch Waschen verloren gehen, so das rheinland-pfälzische Frauenministerium.
Auch Männer und Jugendliche können Hilfe in Anspruch nehmen
Das Angebot richtet sich zwar in erster Linie an Frauen, steht aber auch Männern offen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden. Jugendliche ab 14 Jahren können die Untersuchungen auch ohne Wissen der Eltern in Anspruch nehmen. Die Ärzte unterliegen der Schweigepflicht und dürfen nur mit Einwilligung der Patienten Auskunft geben, zum Beispiel an die Polizei.
Die gesicherten Beweise werden zunächst in der Rechtsmedizin in Mainz aufbewahrt. Nur wenn die Frauen einer Weitergabe an die Staatsanwaltschaft zustimmen, werden sie für ein mögliches Verfahren zur Verfügung gestellt. Das Projekt "Vertrauliche Hilfe nach Gewalt" wird vom Land mit rund 280.000 Euro pro Jahr gefördert.