Heuchelheim war jüngst Turnierstätte für zwei außergewöhnliche Sportarten: Der Allgemeine Turnerbund Heuchelheim (ATB) hat im September die Deutschen Meisterschaften in Schleuderballwerfen und im Dreikampf-Steinstoßen ausgerichtet. Mit dabei war der dazugehörige LSW-Spezialsportverband.
In Vergessenheit geratene Sportarten im Fokus
LSW steht für Laufen, Springen und Werfen, erklärt der Verbandsvorsitzende Christian Tauscher im Gespräch mit Merkurist. Der Verband wolle antike und lang praktizierte, aber in Vergessenheit geratene Sportarten mit neuem Leben füllen. Initiert habe das in den 80er-Jahren der sogenannte Allroundwerfer Erwinn Kollmar (1946-2003).
Rund 20 Disziplinen finden laut Tauscher heute einen Platz im Verband. Dazu zählen außer Schleuderballwerfen und Steinstoßen unter anderem Keulenwurf, Diskurswerfen, Hammerwurf, Zweisprung und Ultra-Steinstoß. Mit der Zeit habe sich das Angebot stetig erweitert, zudem würden regelmäßig internationale Wettkämpfe und Europameisterschaften ausgerichtet. Die Wettkämpfe des LSW würden in der Regel rund 80 Teilnehmende anziehen, so soll es auch in Heuchelheim jüngst gewesen sein.
„Das Schöne an unseren Sportarten ist, dass man fast alle aus dem Stand oder mit wenig Anlauf schaffen kann“, sagt Tauscher. Damit sei der Spezialsportverband gerade für Senioren ansprechend, die sich fit halten wollen, aber auch für Menschen, die Kraftsport mögen oder turnen. Im Verband zähle man dem Vorsitzenden zufolge rund 400 Mitglieder und 15 Vereine. Dabei seien die Senioren von 65 bis 70 Jahren die größte Teilnehmergruppe.
„Bei unseren Wettkämpfen sind auch 90-Jährige dabei, die zum Beispiel Schleuderbälle mit ein bis zwei Umdrehungen aus dem Stand werfen“, erzählt Tauscher. Ob man mit oder ohne Anlauf wirft, sollte man laut ihm vom Alter abhängig machen.
Schleuderball-Wettkampf
Schleuderball gehört zu den Turnspielen, die teilweise noch an Schulen gespielt würden. Beim LSW-Wettkampf gibt es feste Regeln. Hier werden je nach Alter und Geschlecht Bälle von einem oder 1,5 Kilogramm geworfen, wobei laut dem LSW-Regelwerk Männer von 18 bis 59 Jahren die 1,5 Kilo benutzen. Vorteilhaft ist Tauscher zufolge, wenn man beidhändig stark ist. Insgesamt könnten Schleuderbälle bis zu 70 Meter weit fliegen.
Steinstoßen gilt als eine der ältesten Sportarten, die im Gegensatz zum Schleuderball als Kraftdisziplin zählt. Bei Wettkämpfen kommen auch eigens dafür hergestellte Kunststeine in Form eines Quaders zum Einsatz, die das Wettbewerbsgewicht erfüllen, das zwischen drei und 15 Kilo liegt. Mit einem Anlauf von zehn bis 15 Metern soll man den Stein vor einem Abstoßbalken mit einem Arm hinausstoßen. Beim Turnier in Heuchelheim werden im Dreikampf von Einzelpersonen oder Teams immer drei unterschiedliche Steingewichte gestoßen.
Duathlon im Ultra-Steinstoß
Vereinzelt gebe es auch Wettkämpfe mit höheren Steingewichten bis zu 80 Kilo. Bei den Europameisterschaften im Ultra-Steinstoßen kommen laut Tauscher bis zu zwölf Länder zusammen. In Heuchelheim wurden beim „Ultra-Steinstoß Duathlon“ bis zu 50 Kilo schwere Steine gestoßen, allerdings fand hier kein Turnier statt. So hätten auch natürliche Findlinge zum Einsatz kommen können. Frauen, Männer unter 20 sowie Männer ab 50 Jahren stoßen 12,5 und 25 Kilo schwere Steine, während bei Männern ab 20 Jahren 25 und 50 Kilo auf dem Plan stehen.