Worms muss Grundsteuer erhöhen – sonst droht Haushaltssperre

Entgegen vorheriger Ansagen muss die Stadt Worms nun wohl doch ihre Grundsteuer erhöhen. Der Grund: Die Aufsichtsbehörde ADD hat den Haushalt nicht genehmigt. Jetzt liegen vier Varianten auf dem Tisch.

Worms muss Grundsteuer erhöhen – sonst droht Haushaltssperre

Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) hat den Wormser Haushalt für 2025 nicht genehmigt. Um das Defizit von rund 70 Millionen Euro zu verringern, muss die Stadt nun nicht nur sparen (wir berichteten), sondern auch ihre Einnahmen erhöhen. Der Haupt- und Finanzausschuss berät am Mittwoch über vier mögliche Varianten für eine Anhebung der Grundsteuer.

Bisher hatte sich der Stadtrat gegen eine Anpassung der Grundsteuer im Rahmen der Grundsteuerreform ausgesprochen. Das kritisiert die ADD – der Stadt würden dadurch etwa fünf Millionen Euro an Einnahmen fehlen.

Das sind die vier Varianten

Variante 1: Einheitliche Erhöhung

Die Grundsteuer B steigt für alle Grundstücke von 633 auf 800 Prozent. Das würde der Stadt etwa 4,6 Millionen Euro mehr bringen.

Variante 2: Differenzierte Erhöhung

  • Nichtwohngrundstücke: Anstieg von 633 auf 1248 Prozent

  • Wohngrundstücke: Anstieg von 633 auf 684 Prozent

  • Unbebaute Grundstücke: Anstieg von 633 auf 684 Prozent

Diese Variante würde etwa 4,9 Millionen Euro mehr einbringen.

Variante 3: Nur Gewerbe zahlt mehr

  • Nichtwohngrundstücke: Anstieg auf 1248 Prozent

  • Wohngrundstücke bleiben bei 633 Prozent

  • Unbebaute Grundstücke bleiben bei 633 Prozent

Bei dieser Variante rechnet die Stadt mit Mehreinnahmen von etwa 3,8 Millionen Euro.

Variante 4: Schonung von Wohngrundstücken

  • Nichtwohngrundstücke: Anstieg auf 1248 Prozent

  • Unbebaute Grundstücke: Anstieg auf 1248 Prozent

  • Wohngrundstücke bleiben bei 633 Prozent

Hier sollen die Mehreinnahmen bei etwa 4,4 Millionen Euro liegen. Möglich wäre zudem laut Stadt eine Art Stufenmodell. Dabei sollen die Hebesätze für unbebaute und Nichtwohngrundstücke ab 1. Januar 2026 auf 1248 Prozent steigen. Für Wohngrundstücke gäbe es dann ab dem 1. Januar 2027 eine Erhöhung des Hebesatzes auf 684 Prozent.

Ohne Einigung droht Haushaltssperre

„Wir müssen leider davon ausgehen, dass die ADD uns den diesjährigen Haushalt nicht freigeben wird, sollte der Stadtrat zu keiner Einigung kommen“, sagt Oberbürgermeister Adolf Kessel (CDU). Eine mögliche ganzjährige Haushaltssperre würde „Auswirkungen auf alle Bürger unserer Stadt haben“.

Worms ist nicht die einzige betroffene Kommune: Auch Frankenthal und Mainz müssen derzeit nach Lösungen für nicht genehmigte Haushalte suchen. In Koblenz wurde die Erhöhung der Grundsteuer bereits beschlossen, in Kaiserslautern und Frankenthal hat man sich auf differenzierte Hebesätze geeinigt. Mehrere Kommunen würden inzwischen auch juristisch gegen die „chronische Unterfinanzierung“ vorgehen, so die Stadt Worms.