Erstmals Streik bei Amazon in Frankenthal

Zum umsatzstarken Black Friday legen die Beschäftigten bei Amazon in Frankenthal erstmals die Arbeit nieder. Die Gewerkschaft ver.di fordert Tarifverträge und gesündere Arbeitsbedingungen.

Erstmals Streik bei Amazon in Frankenthal

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat die Beschäftigten am Amazon-Standort in Frankenthal zum Streik aufgerufen. Wie die Gewerkschaft mitteilt, beginnt der Arbeitskampf mit der Spätschicht am Freitag (28. November) und fällt damit bewusst auf einen der umsatzstärksten Tage des Jahres, den Black Friday.

Für die rund 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Frankenthal ist es die erste aktive Teilnahme an dem bundesweiten Arbeitskampf. Ver.di fordert die Anerkennung der Einzelhandelstarifverträge sowie einen Tarifvertrag für „Gute und Gesunde Arbeit“. Der Onlinehändler Amazon verweigere seit über zehn Jahren jegliche Gesprächsbereitschaft. Gewerkschafter haben den Black Friday zum „Make Amazon Pay-Day“ erklärt, um auf die Auseinandersetzung aufmerksam zu machen.

„Enorme Zusatzbelastung“ für Beschäftigte

„Das erhöhte Bestellvolumen am Black Friday bedeutet für die Kolleginnen und Kollegen eine enorme Zusatzbelastung. Sie verdienen dafür besondere Wertschätzung“, erklärt Monika Di Silvestre, Landesfachbereichsleiterin Handel bei ver.di Rheinland-Pfalz-Saarland. „Amazon entzieht sich seiner Verantwortung für faire Arbeitsbedingungen und gesunde Arbeitsverhältnisse.“

Jürgen Knoll, Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Pfalz, ergänzt, dass die Beschäftigten maßgeblich zum Erfolg des Unternehmens beitragen. „Sie fordern zu Recht einen Tarifvertrag für die 20.000 Beschäftigten in Deutschland, davon etwa 2000 in Frankenthal“, so Knoll. Zeitdruck, monotone Tätigkeiten und Hetze würden die Gesundheit gefährden. Der Amazon-Standort in Frankenthal ist seit Herbst 2018 in Betrieb.

+++Update von 16:30 Uhr+++

Inzwischen hat Amazon auf unseren Artikel mit einer Stellungnahme reagiert: „Noch nie waren wir so gut auf das Weihnachtsgeschäft vorbereitet: Kunden können sich wie immer auf eine schnelle und zuverlässige Lieferung ihrer Bestellungen verlassen. Die Kollegen profitieren von fairen Löhnen und guten Zusatzleistungen. Der Einstiegslohn bei Amazon in Deutschland liegt bei 15,65 Euro brutto pro Stunde aufwärts. Über 50 Standorte zahlen schon heute Einstiegslöhne von 16,00 Euro und mehr. Dazu gibt es viele Extras, wie die Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen mit bis zu 4500 Euro pro Jahr, die Kostenübernahme des Deutschlandtickets, die betriebliche Altersvorsorge und Familienboni. Nicht umsonst ist die Hälfte der Kollegen schon seit über fünf Jahren bei uns“, teilt das Unternehmen mit.

Des Weiteren habe der Streikaufruf aus Sicht des Online-Händlers keine Auswirkungen auf die Kundenbestellungen, da er sich nur auf eine begrenzte Anzahl von Standorten konzentriere. Zu den Forderungen selbst sagt Amazon, der konzern arbeite eng mit seinen Mitarbeiter zusammen, um die Arbeitszufriedenheit weiter zu verbessern. In Deutschland gebe es auch immer wieder Mitarbeiter, die von einer Teilnahme am Streikgeschehen Abstand nähmen.

Zudem gebe es bei Amazon in Deutschland bereits seit über 20 Jahren Betriebsräte. Hunderte gewählte Mitglieder würden an zahlreichen Amazon-Standorten die Interessen der jeweiligen Mitarbeitenden vertreten und Vereinbarungen mit den Geschäftsleitungen abschließen. Beispiele seien Vereinbarungen zur Arbeitssicherheit, zu Schichtmodellen oder Zulagen.

Amazon respektiere die individuellen Rechte seiner Mitarbeiter und lebe eine Politik der offenen Tür, die die direkte Kommunikation mit dem Management-Team fördere. Man sei fest davon überzeugt, dass diese Art der direkten Kommunikation und die Zusammenarbeit mit den Betriebsräten an den Standorten der effektivste Weg sei, um die Belange der Belegschaft zu verstehen und auf sie zu reagieren. Man lege Wert auf die Zusammenarbeit mit allen itarbeitern sowie auf die Schaffung eines positiven und sicheren Arbeitsumfeldes.