Wie die Umweltspur den Verkehr auf dem 1. Ring verändert hat

Anwohner und Verkehrsteilnehmer beobachten, dass die neue Umweltspur auf dem ersten Ring Auswirkungen auf das tägliche Fahrverhalten hat. Dennoch wird die Strecke an vielen Stellen noch nachgebessert.

Wie die Umweltspur den Verkehr auf dem 1. Ring verändert hat

Mit einer Breite von drei Metern ist die Umweltspur am ersten Ring etwa doppelt so breit wie ein gewöhnlicher Radweg. Seit etwa einem halben Jahr ist sie befahrbar, und zeigt erste Auswirkungen auf den Verkehr.

Neue Bedingungen für Autofahrer

In einem Mehrparteienhaus direkt am ersten Ring, haben die Bewohner schnell Veränderungen gespürt, wie einer von ihnen erzählt. Parkplätze, die von den drei Parteien zuvor oft genutzt wurden, seien weggefallen. „Eine Hausbewohnerin ist als Pendlerin auf ihr Auto angewiesen“, erzählt der Anwohner. Für die Frau ende mancher Arbeitstag jetzt mit einer längeren Parkplatzsuche, denn in den Bereichen, in denen ihr Anwohnerparkausweis gilt, sei es jetzt schwer geworden, einen Stellplatz zu finden.

„Es sind inzwischen wirklich mehr Radfahrer zu sehen.“ - Anwohner der Umweltspur

In einer anderen Wohnung habe man nach einigen Wochen gemerkt, dass ein statt zwei Autos ausreichen. Die Familie habe sich verkleinert. Einen anderen Anwohner hat die neue Verkehrsführung auf eine Idee gebracht: er hat sich einen Elektro-Roller zugelegt. Vom Fenster des Hauses aus, können die Bewohner aber auch andere Veränderungen beobachten: „Es sind inzwischen wirklich mehr Radfahrer zu sehen. Vor dem Einrichten der Umweltspur, sind sie wahrscheinlich durch die Innenstadt gefahren, jetzt nutzen sie den ersten Ring, der für sie komfortabler geworden ist“, so der Anwohner.

Bessere Umstände für Busse und Fahrräder

„Auf der neuen Spur fährt man entspannter.“ - Günni Langer, ADFC Wiesbaden

Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) Wiesbaden bestätigt, dass die neue Spur gut bei seinen Mitgliedern ankommt. „Auf der neuen Spur fährt man entspannter“, fasst Sprecher Günni Langer zusammen. „Dadurch, dass man mehr Platz hat, muss man keine Angst mehr vor überholenden Autos haben“, sagt er über die Spur, die nur noch von Bussen und Fahrrädern genutzt werden darf. Nur selten käme es vor, dass Busse den Radfahrern dicht auffahren, „doch das wird immer seltener“, so Langer.

Aber auch bei Radfahrern beobachte er immer wieder, dass die Spur noch nicht richtig genutzt wird. „Wenn Busse an Haltestellen stehen, wird immer mal wieder von rechts über den Gehweg überholt“, kritisiert Langer und mahnt „Sowohl Busse als auch Radfahrer müssen lernen, dass sie auf der Umweltspur immer noch schnell genug unterwegs sind, auch wenn sie mal warten müssen.“

Dass Busse auf dem ersten Ring jetzt schneller unterwegs sind als zuvor, kann ESWE Verkehr-Sprecher Christian Giesen bestätigen. „Die Pünktlichkeit der Busse und somit die Fahrplanstabilität hat sich verbessert“, sagt er und erklärt, „die Berechnung eines Fahrplans oder einer einzelnen Linie ist meist eine knappe Kalkulation. Durch die neue und zusätzliche Spur auch speziell für die Busse, gewinnen diese etwas Zeit und das Fahrpersonal hat weniger Stress.“ Rückmeldungen von Fahrgästen zufolge käme es außerdem zu weniger Schwierigkeiten beim Umsteigen. „Wir bekommen viele Rückmeldungen, dass die Menschen jetzt seltener ihre Züge, zum Beispiel nach Frankfurt, verpassen.“

Ständige Weiterentwicklung

„Die Feineinstellung wird immer wieder geprüft.“ - Christian Giesen, ESWE Verkehr

Mit weiteren Verbesserungen rechnet Giesen im kommenden Jahr, wenn die neue digitale Verkehrssteuerung auf der Strecke greift. „Der Um- und Ausbau zur Umweltspur ist ein fortschreitender Prozess und noch nicht abgeschlossen. Die Feineinstellung, zum Beispiel auch der Ampelschaltungen, wird immer wieder geprüft und optimiert.“

Neben neuen Ampeln für Busse, Autos und Radfahrer, gab es aber auch schon weitere Nachbesserungen am ersten Ring. So wird derzeit die Rechtsabbiegerspur an der Kreuzung zur Biebricher Allee umgebaut (wir berichteten). Langer begrüßt die Nachbesserung, denn „die Stelle hat sich als Unfallschwerpunkt herausgestellt.“ Gründe dafür seien, dass Radfahrer durch die leichte Neigung der Straße an der Stelle oft hohe Geschwindigkeiten erreichen, Fahrräder und Busse für Autofahrer aber oft erst spät zu sehen sind. In diesem Zuge soll außerdem ein neuer Fußgängerüberweg geschaffen werden. (ms)

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