Fahren durch die Brückensperrung mehr Menschen Bus, Rad und E-Scooter?

Seitdem die Theodor-Heuss-Brücke gesperrt ist, gibt es neue Angebote für Bus-, Rad- und E-Scooter-Fahrer. Zur Halbzeit der Sperrung ziehen die Anbieter eine gute Bilanz.

Fahren durch die Brückensperrung mehr Menschen Bus, Rad und E-Scooter?

Seit etwas mehr als zwei Wochen ist die Theodor-Heuss-Brücke für den Autoverkehr gesperrt. Um den Wiesbadenern und Mainzern Alternativen zum Auto zu bieten, haben sich mehrere Unternehmen und Organisationen Aktionen einfallen lassen.

Die Verkehrsunternehmen der beiden Städte bieten ein Brückenticket und „meinRad“-Rabatte an und der E-Scooter-Verleih „Lime“ lockt mit kostenlosen Entsperrungen und Freiminuten. Fahrradfahrer wurden mit einem Frühstück belohnt und für Fußgänger gibt es eine Rikscha, die sie kostenlos über die Brücke fährt. Bei all den Angeboten fragt sich Merkurist-Leser Michael, ob seit der Sperrung mehr Menschen auf andere Verkehrsmittel umgestiegen sind.

Busse gut gefüllt, aber nicht überfüllt

Merkurist-Leserin Nadine ist wegen der Sperrung tatsächlich auf den Bus umgestiegen und damit zufrieden:

Darüber, dass die Busfahrt jetzt umso schneller geht, freuen sich die Verkehrsunternehmen der beiden Städte. „Unser Fahrpersonal schwärmt aktuell häufiger davon, wie problemfrei die Anfahrt mit dem Bus zum Kasteler Hochkreisel läuft, da es dort ja praktisch keinen Verkehr gibt“, erzählt Christian Giesen, Sprecher der Wiesbadener Verkehrsgesellschaft ESWE Verkehr. Auch die Fahrt über die Brücke sei staufrei möglich und die Busse kämen schneller auf die andere Seite, als ohne Sperrung.

„Die Busse über die Brücke selbst sind gut gefüllt, aber meist nicht überfüllt.“ - Michael Theurer, MVG

Ganz genau sagen, wie viele Pendler tatsächlich wegen der Sperrung auf den Bus umgestiegen sind, können die Verkehrsunternehmen allerdings nicht. Einige Beobachtungen konnte Michael Theurer, Sprecher der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG), aber schon anstellen: „Die Busse über die Brücke selbst sind gut gefüllt, aber meist nicht überfüllt“, so der Sprecher. Die zusätzlichen Busse der Linie 56, die morgens als Verstärkung eingesetzt werden, würden die Fahrgäste eher mäßig annehmen. Ähnlich sieht das auch ESWE Verkehr. Die Linien 6, 9 und 28 seien gut ausgelastet, so Sprecher Christian Giesen. Zusätzliche Einsatzwagen wurden aber noch nicht gebraucht.

„Wir haben gut 1000 Brückentickets/Monatskarten mehr verkauft als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.“ - Michael Theurer

Die Brückentickets kämen auf beiden Seiten des Rheins gut an, so die beiden Sprecher. Ob das an der Sperrung liegt, oder daran, dass durch die Aktion Monatstickets sechs statt vier Wochen lang gültig sind, weiß Michael Theurer von der MVG aber nicht. Viele Pendler hätten sich wahrscheinlich auch ohne Sperrung ein Monatsticket gekauft und profitieren jetzt von dem Rabatt. Im Vergleich zum letzten Jahr lässt sich aber eine Tendenz feststellen: „Wir haben gut 1000 Brückentickets/Monatskarten mehr verkauft als im gleichen Zeitraum des Vorjahres“, so Theurer. In Wiesbaden fällt die Zahl mit nur 207 Karten mehr als im Vorjahr geringer aus. Das liege daran, dass es mehr Pendler aus Mainz in Richtung Wiesbaden als umgekehrt gebe.

Mehr „meinRad“-Nutzer verzeichnet

In Bezug auf die Leihräder von „meinRad“ können die Verkehrsunternehmen zwei konkrete Zahlen liefern: „Närrische 1.111 mal wurde unser Brückengutschein eingelöst. Und wir konnten über 50 Prozent mehr Fahrten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum für die Stationen in Kastel verzeichnen.“ Allerdings sei auch in diesem Fall nicht ganz klar, ob das an der Sperrung oder doch lediglich an schlechterem Wetter im Vorjahr liegt.

Mehr Fahrradfahrer und Rikscha-Nutzer

Besonders entspannt ist der Weg über die Brücke derzeit für Fahrradfahrer und Fußgänger. Sie müssen sich die Rheinbrücke nicht mehr mit Autos teilen und das kommt gut an. „Die Anzahl von Radfahrenden ist, wie bereits bei der Sperrung der Schiersteiner Brücke zu beobachten war, gestiegen“, sagt Günni Langer vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) Wiesbaden und Rheingau-Taunus. „Viele Berufspendler setzen auf das Fahrrad um ihre Fahrzeiten zu minimieren.“ Um vor allem solchen Umsteigern zu danken, hat der ADFC Radfahrer erst vor Kurzem mit „Kreppeln und Äppeln“ auf der Brücke versorgt. Am 5. Februar wollen die Clubs aus Wiesbaden und Mainz die Aktion wiederholen, „um zu untermauern, dass das Engagement stetig ist.“

E-Scooter werden häufiger genutzt

Merkurist-Leser Michael beobachtet vor allem viele E-Scooter-Fahrer, seitdem die Brücke für den Autoverkehr gesperrt ist:

Die beiden E-Scooter-Verleiher „Lime“ und „Tier“ können das bestätigen. „Gerade zu Berufsverkehrszeiten am Morgen und späten Nachmittag verzeichnen wir mehr Fahrten über die Theodor-Heuss-Brücke“, so ein „Lime“-Sprecher. Die Rabatt-Aktion käme ebenfalls gut an. Beim Hersteller „Tier“ sieht es ähnlich aus. Auch dort habe man seit der Sperrung überdurchschnittlich viele Fahrten über die Brücke registriert, so ein Sprecher gegenüber Merkurist.

Welche Erfahrungen habt Ihr bisher mit der Brückensperrung gemacht? Seid Ihr auf ein anderes Verkehrsmittel umgestiegen? Erzählt uns in den Kommentaren von Euren Erfahrungen. (nl)

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