Immer mehr Nilgänse in Wiesbadener Parkanlagen?

Den vielen Dreck, den Nilgänse in Parkanlagen hinterlassen, ist einer jungen Mutter aus Wiesbaden ein Dorn im Auge. Doch bevor die Stadt härtere Maßnahmen gegen die Tiere ergreifen kann, müssen diese erst geprüft werden.

Immer mehr Nilgänse in Wiesbadener Parkanlagen?

Eigentlich lebt Merkurist-Leserin Joline gerne in Wiesbaden. Vor allem die vielen Parkanlagen schätzt sie sehr. Jetzt im Sommer ist sie mit ihrem acht Monate alten Baby gerne draußen im Freien. Fast täglich läuft sie mit ihrem Kind die Wilhelmstraße entlang. Doch auf den Wiesen in den Parks angekommen, kippt die Stimmung der 36-Jährigen regelmäßig.

Angst um die Kinder

„Kinder können dort nicht mehr spielen.“ - Merkurist-Leserin Joline

„Am Warmen Damm ist es seit diesem Jahr nicht einmal mehr möglich, auf den Grünflächen zu liegen“, sagt sie. Grund dafür seien die vielen Nilgänse, die sich rund um den Weiher eingelebt haben. Dabei störe Joline vor allem der Dreck, den die Tiere hinterlassen. Weil dieser giftig ist, hält sie die Tiere vor allem für ihr Baby für gefährlich. „Kinder können dort nicht mehr spielen“, sagt sie. Besonders problematisch findet die Wiesbadenerin, dass die Tiere von Jahr zu Jahr mehr zu werden scheinen.

Wie viele Nilgänse genau in Wiesbaden leben, weiß im Moment aber niemand. „Für das Jahr 2019 wird in Zusammenarbeit mit der Vogelschutzwarte Frankfurt und einem bestellten Vogelschutzbeauftragten eine genaue Erfassung der Nilganspopulationen in Grünanlagen durchgeführt. Die Daten liegen erst im Herbst vor“, erklärte ein Sprecher des Umweltamtes zu Beginn des Sommers auf Anfrage von Merkurist. Fakt sei aber, je wohler sich die Tiere fühlen, desto weiter breiten sie sich aus. Deshalb gelte schon lange ein Fütterungsverbot für die Tiere in der ganzen Stadt, Schilder weisen in öffentlichen Grünanlagen darauf hin.

Suche nach Lösungen

Joline sieht in dieser Maßnahme bisher keine große Wirkung. Sie fragt sich, warum die Tiere nicht kontrolliert getötet werden können. In anderen Städten ist das bereits der Fall - jedoch entscheiden auch dort Veterinäramt und Jagdbehörden über die Bereiche und Anzahl von Tieren, denen es an den Kragen geht.

„Störungen, Tötungen oder Maßnahmen zur Eindämmung sind nicht Aufgabe des Einzelnen.“ - Sprecher Umweltamt

Die Entscheidung, welche Maßnahmen gegen sogenannte invasive, also nicht heimische Tiere ergriffen werden, fällt für Wiesbaden das Regierungspräsidium Darmstadt. Die dortige Obere Naturschutzbehörde hat zwar seit 2004 nach einer EU-Verordnung die Pflicht, Maßnahmen für die Eindämmung solcher Arten zu ergreifen, dennoch genießen die Vögel - wie viele andere Tiere auch - einen Schutz. „Störungen, Tötungen oder Maßnahmen zur Eindämmung sind nicht Aufgabe des Einzelnen und verboten und sind damit eine strafbare Handlung“, warnt das Umweltamt. Erst im vergangenen Sommer sorgte ein Fall von getöteten Küken in Wiesbaden für großes Aufsehen in der ganzen Region (wir berichteten).

Mit den Daten, die mit der derzeitigen Zählung erhoben werden, soll bald ein langfristiges Konzept erarbeitet werden. Bis dahin will die Stadt zusätzliche Maßnahmen umsetzen, um es den Vögeln in den Parkanlagen etwas unbequem zu machen. So sollen etwa Uferzonen an Teichen umgestaltet werden. Inspiration holt sich die Stadt dabei aus anderen Städten, wo erste Erfolge mit solchen Maßnahmen erzielt werden konnten. (mm)

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