Wiesbaden unter Feuer: So sah die Stadt nach der Bombennacht aus

Vergleichbar wenige, aber doch erhebliche Schäden an Mensch und Architektur - das ist die Bilanz der Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs auf die Stadt.

Wiesbaden unter Feuer: So sah die Stadt nach der Bombennacht aus

Das Haus, die Nachbarschaft, womöglich auch die eigenen Liebsten - Die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstörten in vielen deutschen Großstädten nicht nur Gebäude, sondern auch Menschenleben. Im Vergleich zu Mainz ist Wiesbaden glimpflich weggekommen: Während auf der anderen Rheinseite 80 Prozent der Innenstadt dem Erdboden gleichgemacht wurden, blieben in Wiesbaden mehr als zwei Drittel der Stadt unversehrt.

Industrie am Rhein als Ziel für alliierte Bomber

Die Luftangriffe sollten die Industrieanlagen und Verkehrswege des Feindes zerstören und ihn dadurch kampfunfähig machen. Das machte Mainz als wichtigen Eisenbahnknotenpunkt zum Ziel.

„Allein auf das Werksgelände der Firma Albert fielen bei diesem Angriff, der nur eine halbe Minute dauerte, 400 Bomben, die das Werk zu 90 Prozent beschädigten.“ - Richard Rudolph

Aber auch Wiesbaden blieb nicht verschont: „Allein auf das Werksgelände der Firma Albert fielen bei diesem Angriff, der nur eine halbe Minute dauerte, 400 Bomben, die das Werk zu 90 Prozent beschädigten“, schreibt Richard Rudolph in seinem Buch Wiesbaden Damals. Betroffen waren auch die Chemie-Fabrik Kalle und die Zementfabrik Dyckerhoff. Auch das Biebricher Schloss wurde bei diesen Angriffen schwer beschädigt.

Schwere Bombennacht im Februar 1945 traf auch die Innenstadt

In der Nacht vom 2. auf den 3. Februar 1945 wurden die Wiesbadener um 23.30 Uhr von den Sirenen des Luftalarms aus dem Schlaf gerissen. Der Angriff dauerte kaum eine Stunde, richtete aber großen Schaden an.

"Oft entscheidet der Zufall, welches Gebäude getroffen wird." – Siegmund Dieser

Dabei warfen die Alliierten 889 schwerste Bomben, 29 Minenbomben und 26.500 Stabbrandbomben. 516 Wiesbadener verloren allein in dieser Nacht ihr Leben, 28.000 wurden obdachlos, schreibt Herbert Müller-Werth in Geschichte und Kommunalpolitik der Stadt Wiesbaden. „Oft entscheidet der Zufall, welches Gebäude getroffen wird“, meint Siegmund Dieser vom Wiesbadener Stadtarchiv. Genau zu zielen war gerade in der Nacht nicht möglich, dazu waren die Flugzeuge technisch nicht in der Lage.

Spürbar im Stadtbild

Vor allem das Kurviertel traf es bei diesem und zahlreichen kleineren Luftangriffen. Vom historischen Hotel „Vier Jahreszeiten“, in der Wilhelmstraße schräg gegenüber dem Kurhaus, blieben nur die Säulen der Eingangshalle stehen. Heute steht dort der so gar nicht zur „Rue“ passende Wohn- und Geschäftsbau gleichen Namens. Auch das Theatergebäude hat schwere Bombentreffer einstecken müssen, ebenso das Rathaus, das Stadtschloss und das Kurhaus. Kurz vor Kriegsende zerstörten Fliegerbomben das außerhalb der Stadt gelegene Jagdschloss Platte, das noch jahrzehntelang als Ruine stehenblieb.

Wohin mit den Steinen?

Zurück blieb in der Innenstadt ein riesiger Schuttberg, durch den es kaum ein Durchkommen gab. Für mehrere Jahre prägte deshalb die Trümmerbahn das Stadtbild, um die Überreste der zerstörten Gebäude abzutransportieren. Mehr als 600.000 Kubikmeter Steine wurden recycelt - sie wurden dringend für den Wiederaufbau benötigt.

Wiederaufbau des Zerstörten

Die historischen Gebäude wie das Theater oder das Rathaus versetzte man nach 1945 wieder in den ursprünglichen Zustand. Für die vielen zerstörten Wohnbauten fehlte der jungen Bundesrepublik aber das Geld. In vielen Straßenzügen der Stadt fällt dem aufmerksamen Betrachter deshalb heute immer wieder ein einzelner, wesentlich schlichterer Bau, zwischen den reich verzierten Nachbarfassaden auf. Ein Ersatz für das im Krieg zerstörte, ursprüngliche Haus, das sich mal mehr, mal weniger gelungen in die Gesamtoptik der Straße einfügt.

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