Vor 75 Jahren starben in Wiesbaden über 500 Menschen bei einem Bombenangriff

In der Nacht vom zweiten auf den dritten Februar 1945 sind über 500 Menschen bei einem Bombenangriff auf Wiesbaden getötet worden, Tausende wurden obdachlos. In diesem Jahr veranstaltet die Stadt eine Gedenkveranstaltung, um daran zu erinnern.

Vor 75 Jahren starben in Wiesbaden über 500 Menschen bei einem Bombenangriff

Immer weniger Zeitzeugen können von den Schrecken erzählen, die sie im Zweiten Weltkrieg erlebt haben. So auch von der Nacht auf den 3. Februar 1945, als bei einem großen Bombenangriff Häuser, Familien und Leben zerstört wurden. 516 Menschen starben bei dem Angriff, 28.000 wurden obdachlos. Um an diese Nacht vor 75 Jahren und die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern, veranstaltet die Stadt am 2. Februar eine stille Gedenkveranstaltung.

Kurviertel wurde zu großen Teilen zerstört

Der Angriff dauerte kaum eine Stunde. Um 22:45 Uhr wurden die Wiesbadener von den Sirenen des Luftalarms aus dem Schlaf gerissen. Die Alliierten warfen 889 schwerste Bomben, 29 Minenbomben und 26.500 Stabbrandbomben auf die Stadt. Vor allem das Kurviertel traf dieser und zahlreiche kleineren Luftangriffe hart. Das historische Hotel „Vier Jahreszeiten“ in der Wilhelmstraße wurde fast vollkommen zerstört — lediglich die Säulen der Eingangshalle blieben stehen. Auch das Theater, das Rathaus, das Stadtschloss und das Kurhaus wurden von Bomben getroffen. Eine Luftmine schlug direkt in das Lyzeum neben der Marktkirche am Schlossplatz ein, brachte das Bauwerk zum Einsturz und begrub viele Wiesbadener, die in dem als Luftschutzbunker dienenden Keller Schutz gesucht hatten, unter sich.

Die historischen Gebäude wie das Theater oder das Rathaus versetzte man nach dem Krieg wieder in ihren ursprünglichen Zustand. Für die vielen zerstörten Wohnbauten fehlte der jungen Bundesrepublik aber das Geld. Wer heute genau hinsieht, erkennt in vielen Straßen einzelne, schlichtere Gebäude, die als Ersatz für die im Krieg zerstörten Häuser gebaut wurden. Einen Ersatz für die Menschen, die in dieser Nacht ihre Familien oder ihr Leben verloren, gibt es nicht. Deshalb will die Stadt an sie erinnern.

Gedenkveranstaltung soll an Grauen erinnern

„Intoleranz, Hass und Gewalt waren die Ursachen für diesen Krieg, der nicht nur Städte zerstört, sondern auch zu millionenfachem Mord in deutschen Vernichtungslagern geführt hat.“ - Gert-Uwe Mende, Oberbürgermeister

„Wir wollen der Opfer dieser Nacht gedenken“, sagt Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende zu der geplanten Gedenkveranstaltung am Sonntag. „Intoleranz, Hass und Gewalt waren die Ursachen für diesen Krieg, der nicht nur Städte zerstört, sondern auch zu millionenfachem Mord in deutschen Vernichtungslagern geführt hat. Wir sind in der Pflicht, dieses Grauen nie zu vergessen.“ Dr. Thomas Weichel von der Stabsstelle Wiesbadener Identität und Michel Stein von Palast Promotion werden an diesem Abend Erinnerungen von Zeitzeugen vorlesen. Im Anschluss werden Bilder des zerstörten Wiesbadens auf die Fassade des Landtags projiziert.

Die Gedenkveranstaltung startet am 2. Februar um 18 Uhr vor dem Rathaus. Die Projektionen werden bis 22:45 Uhr gezeigt, dem Beginn des damaligen Vor-Alarms. Zeitgleich werden die Glocken der Marktkirche läuten. (ts)

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