Nach Hanau: Wiesbadener Shishabars ohne Angst

Der Täter des rassistischen Anschlags von Hanau suchte sich bewusst Shishabars als Ziele seiner Angriffe aus. Herrscht nun in Wiesbadener Bars Unsicherheit oder kommen weniger Besucher?

Nach Hanau: Wiesbadener Shishabars ohne Angst

Am 19. Februar starben in Hanau 11 Menschen, es gab viele Verletzte. Aus rassistischen Tatmotiven schoss ein Mann auf der Straße, in einem Kiosk sowie vor zwei Shishabars um sich. Ziele, die er sich bewusst ausgesucht hatte. Ausgesucht, um Menschen mit Migrationshintergrund zu töten. Später tötete er seine Mutter und richtete sich anschließend selbst. Eine Tat, die die Menschen noch immer schockiert.

Auch in Wiesbaden zeigten sich viele Bürger betroffen, organisierten Mahnwachen und solidarisierten sich mit den Opfern und deren Angehörigen. Doch wie geht es den Betreibern der Shishabars in Wiesbaden? Leben sie in Angst, etwas ähnliches könnte sich auch in der Landeshauptstadt abspielen?

Wiesbadener Shishabars weiterhin gut besucht

Die Wiesbadener Dario und Ercihan haben ihre Shishabar „Cream“ nur drei Tage nach dem rechtsterroristischen Anschlag in Hanau eröffnet. Eingeschränkt habe sie die Tat nicht, doch auch sie lassen Vorsicht walten. „Wir haben extra einen Türsteher engagiert“, berichten sie. „Der schaut sich die Leute genau an, spricht mit ihnen, guckt nach Auffälligkeiten“, sagen die beiden. Besucher würden auch abgetastet. „Wir wollen einfach, dass sich die Gäste wohl fühlen bei uns.“

Ihre Mienen verraten, dass auch ihnen unwohl wird, bei dem Gedanken an den Anschlag. Darüber reden oder die Sache zu nah an sich heranlassen, wollen sie aber nicht: weiter machen, nach vorne blicken als oberstes Gebot.

„Unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Familien und Freunden.“ - Betreiber Enjoy

Das geht auch dem Betreiber der „Enjoy Shisha Lounge“ in der Rheinstraße so. „Wir bedauern die Vorfälle in Hanau zutiefst“, sagt er. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Familien und Freunden.“ Man sei noch immer erschüttert über „diesen grausamen Vorfall.“ Er habe ihn und das Team aufmerksamer und auch ein Stück weit vorsichtiger werden lassen. Doch auch im „Enjoy“ widmet man sich lieber anderen Dingen. „Bei uns stehen die Kunden im Vordergrund“, sagt der Betreiber.

Bezüglich der Kundschaft habe man keinen Rückgang bemerkt, die Gästezahlen seien unverändert und hätten unter dem Anschlag nicht gelitten. „Unser Kundenstamm ist nach wie vor konstant, wie vor dem Vorfall“, so der Betreiber. Einbußen bezüglich der Gästezahlen hat auch das „Cream“-Team nicht hinnehmen müssen. „Wir waren die vergangenen Wochenenden komplett ausgebucht“, sagen die Inhaber.

„Ich vertraue auf unsere lokalen Polizeikräfte.“ - Betreiber Enjoy

Der Betreiber des „Enjoy“ fühlt sich in Wiesbaden sicher. „Ich vertraue auf unsere lokalen Polizeikräfte“, sagt er. Man stehe im engen Austausch mit den Beamten, die Kooperation laufe gut. „Auffällige Situationen werden wir somit auch umgehend melden.“

Obwohl es viele Shishabars in Wiesbaden gibt, halten sich auch noch immer Vorurteile gegenüber den Lokalen. Oftmals wissen Außenstehende auch gar nicht, was sie in einer solchen Bar erwartet. Auch Leser Michael hat bisher noch keine Erfahrungen gemacht, interessiert sich aber für das Thema.

Getränke, Snacks und Pfeifen

Dabei unterscheiden sich die Lounges und Bars nicht sonderlich von „normalen“ Lokalen. Einziger Unterschied: Neben Getränken, manchmal auch kleinen Speisen, stehen auch Wasserpfeifen auf der Karte. Diese können sich mehrere Personen teilen. Ein Mitarbeiter bringt die Shishas und sorgt dafür, dass regelmäßig heiße Kohlen nachgelegt werden. Karten bilden verschiedene Modelle und Tabaksorten ab.

Dass man auch völlig ohne Vorerfahrungen dort zu Gast sein kann, zeigte jüngst die Biebricher CDU. Nach dem Anschlag in Hanau entschlossen sich mehrere Vorstandsmitglieder kurzerhand dazu, zwei Bars am Rheinufer zu besuchen. Man wollte Solidarität bekunden und Vorurteile abbauen, was sowohl nach den Aussagen der Politiker als auch der Betreiber durchaus gelang.

„Diese Art von Kommunikation kann einer Menge von Missverständnissen zuvorkommen.“ - Maymun-Lounge

„Diese Art von Kommunikation kann gewiss einer Menge von Missverständnissen zuvorkommen oder sogar ganz aufheben. Das ist die Verhaltensweise die wir uns wünschen“, erklärte die „Maymun“-Lounge im Anschluss. Und vielleicht geht Leser Michael ja auch auf das Angebot eines anderen Lesers ein, der schreibt: „Ich würde wirklich gerne ihnen und anderen Mitmenschen die Furcht vor einer Shisha Bar haben, die Chance geben mal mit an einem relaxten Abend in einer Bar teilzunehmen.“ Denn eigene Erfahrungen zu machen ist der erste Schritt, Vorurteile abzubauen und Missverständnissen vorzubeugen. (js)

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