Wie Wiesbadener während der Coronakrise anderen helfen können

Immer mehr Wiesbadener wollen sich während der Coronakrise ehrenamtlich engagieren. Die Bereitschaft ist inzwischen in vielen Bereichen größer als der Bedarf.

Wie Wiesbadener während der Coronakrise anderen helfen können

„Mehl, Eier, Getränke und Seife“ — Mit solchen Einkaufslisten machen sich seit einigen Tagen viele Wiesbadener auf den Weg in die Geschäfte. Dabei kaufen sie einiges doppelt - nicht, weil sie hamstern, sondern weil sie für die Nachbarn den Einkauf gleich miterledigen. Zu ihnen zählt auch Edis Mehmedovic von der Gruppe „Coronasolidaritätwiesbaden“. Rund 15 Leute zählt die Initiative inzwischen. Bei Bäckereien und Supermärkten in vielen Stadtteilen sind sie schon bekannt. Dort bekommen sie zum Teil fertig gepackte Tüten ausgehändigt, die sie dann an ältere Nachbarn oder Risikopatienten weitergeben können.

Hohe Hilfsbereitschaft

„Auch wir müssen uns schützen, wenn wir rausgehen“, sagt der Ehrenamtler. Gute Organisation sei bei der Einkaufshilfe wichtig, genauso wie ein offenes Ohr für die, die sie beliefern. „Gerade Senioren trauen sich nicht immer Hilfe anzunehmen. Etwa aus Scham oder weil das Vertrauen zu Fremden in diesen Zeiten besonders fehlt“, berichtet er. Nicht zuletzt deshalb seien die Kapazitäten der Gruppe derzeit höher als der Bedarf.

„Im Moment gibt es besonders viele Baustellen für uns.“ - Angsar Robel, Lebenswertes Westend

Anders sieht es im Westend aus. Dort hat die Initiative „Lebenswertes Westend“ gerade alle Hände voll zu tun, wie Mitglied Ansgar Robel berichtet. „Wir haben uns schon seit der Gründung Ende 2010 für sozial schwächere im Stadtteil eingesetzt. Im Moment gibt es besonders viele Baustellen für uns.“ Weil die Mitgliederzahl der Initiative stark schwankt, sei die Gruppe auf der Suche nach Unterstützung. „Bei uns kann sich generell jeder melden, der mit anpacken will. Von der Einkaufshilfe über Leute mit Talent zum telefonieren bis zu Papierkram ist die Liste an Aufgaben lang“, sagt er. dabei wolle sich der Verein vor allem für die Versorgung von Obdachlosen einsetzen, aber auch denen ein offenes Ohr bieten, die wegen der Krise alleine zu hause sitzen. „Über ein Gespräch - auch am Telefon - freuen sich viele Senioren im Moment.“

Zentrale Anlaufstelle

Auch das Freiwilligenzentrum Wiesbaden (FWZ) sucht noch nach Ehrenamtlern, die jetzt anpacken wollen. Einkaufshilfen werden dort im Moment nicht gebraucht, aber Freiwillige, die bei der Obdachlosenhilfe mit anpacken und Musiker für kleine Konzerte vor einem Altenheim. Speziell für die Coronakrise hat das Zentrum eine Online-Plattform eingerichtet, bei sich sowohl Helfer, als auch Hilfesuchenden in Listen eintragen können. Das FWZ vermittelt dann, so dass die Hilfe passgenau ankommt. Zudem bietet die Plattform viele Links zu Einrichtungen in allen Stadtteilen, die ebenfalls Hilfe in ganz unterschiedlichen Bereichen suchen. Interessierte können so direkt anmelden und in ihrer Nachbarschaft tätig werden. (nl/ab)

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