Warum in Wiesbaden Storchennester von Strommasten entfernt werden

Nach vielen Jahren der Abwesenheit siedeln sich in Wiesbaden immer mehr Storche an. Einige ihrer Nester sind aber plötzlich verschwunden.

Warum in Wiesbaden Storchennester von Strommasten entfernt werden

Noch sind die vielen Weißstörche, die in den warmen Monaten in Wiesbaden und Umgebung zu Hause sind, nicht zu sehen. Aber schon bald kehren die Vögel aus ihren Winterquartieren in Afrika zurück. Dann steuern sie auch wieder eine ihrer vielen Brutplätze in der Region an, etwa auf Hochspannungsleitungen.

Einige dieser Nester in den östlichen Stadtteilen Wiesbadens sind aber plötzlich nicht mehr da, wie Merkurist-Leser Michael bemerkte:

Stromausfälle

Dahinter steckt jedoch kein Sturm oder ein anderer natürlicher Grund. Die Nester wurden von menschlicher Hand entfernt. Warum das so ist, weiß Bernd Petri vom NABU Hessen, der sich seit vielen Jahren mit Weißstörchen in der Region befasst: „Die Nester können zu einem großen Problem für die Strommasten werden.“ Da diese nicht dazu konzipiert seien, Storchennester auszuhalten, können die Gebilde zu Beschädigungen führen. „Da die Störche für ihren Nestbau zum Teil Äste von bis zu zwei Metern Länge verwenden, können diese bei Kontakt mit den Leitungen zu Leistungsabfällen und Stromausfällen führen“, erklärt Petri.

Das kann dann fatale Folgen haben. Neben Privathaushalten, die längere Zeit ohne Strom auskommen mussten, betrafen die Ausfälle in der Vergangenheit auch medizinische Einrichtungen, wie das Fraunhofer Institut in Mainz. Dort sprang bei einem Ausfall sofort die Notstromversorgung an, was die Arbeit einer ganzen Forschung zerstörte. Ein weiteres Problem für die Strommasten ist das enorme Gewicht der Vogelnester. „So ein Nest wird von den Störchen über Jahre hinweg ausgebaut. Dann können diese schon mal über eine Tonne wiegen“, sagt Petri. Das enorme Gewicht kann die Statik beeinflussen und Masten sogar umknicken lassen. Auch können die Nester bei einem Blitzeinschlag Feuer fangen, was den Stahl der Masten beschädigt, erklärt Petri.

Maßnahmen einführen

Um solche Unfälle möglichst zu vermeiden, arbeitet der NABU gemeinsam mit Betreibern der Kraftwerke daran, die Störche am Nestbau auf Hochspannungsmasten zu hindern. „Es gibt leider zu wenig natürliche Nistplätze, wie etwa alte, große Bäume, im Rhein-Main Gebiet“, so Petri. Wie früher auf Hausdächern würden Störche auch nur noch selten nisten. Um Brutplätze zu schaffen, wurden in der Region mehrere Storchenhorste aufgebaut. Diese haben auch langfristige Wirkung auf die Tiere, erklärt Petri: „Ein Storch, der in einem Nest auf einem Horst oder Baum zu Welt kommt, wird sein Nest später auch eher dort errichten. Diejenigen die auf Strommasten aufwachsen, eher dort.“

Zusätzlich sollen an den Strommasten Abwehrmaßnahmen angebaut werden, die die Vögel vom Nestbau abhalten sollen. Dies sei auch nötig, wie Petri erklärt: „Die Storchpopulation in der Region wächst kontinuierlich. Das freut mich als Vogelfreund natürlich, aber ohne Gegenmaßnahmen wird es immer wieder zu Stromausfällen im Rhein-Main Gebiet kommen.“ Falls ein Storch doch sein Nest auf einem Strommast baut, wird dieses aber nicht gleich entfernt. Erst nach der Brutzeit, im Herbst, werden diese schrittweise abgebaut.

(js/ts)

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