Stadt Wiesbaden verteidigt Bewässerung der Reisinger Anlagen

Seit Juni erlebt Wiesbaden eine historische Hitzewelle. Besonders am Rhein wird sichtbar, dass der Natur das Wasser ausgeht. Merkurist-Leser wundern sich, wieso die Stadt trotzdem weiter Grünanlagen bewässert.

Stadt Wiesbaden verteidigt Bewässerung der Reisinger Anlagen

Seit verganener Woche ruft Hessenwasser zu einem bewussteren Umgang mit Trinkwasser auf (wir berichteten). Das Unternehmen beliefert auch Wiesbaden. Der Verbrauch sei seit Monaten auf einem sehr hohen Niveau. Während der Hitzewelle Ende Juni habe das Unternehmen an sechs Tagen in Folge gar mehr als 400.000 Kubikmeter Trinkwasser pro Tag an die Kommunen im Rhein-Main-Gebiet abgegeben – nie zuvor sei der Verbrauch so hoch gewesen. Solche langanhaltenden Verbrauchsspitzen würden vor allem die technische Infrastruktur – also Wasserwerke, Pumpwerke, Speicher und Transportleitungen – vor hohe Anforderungen stellen. Gleichzeitig hat es kaum geregnet.

Noch sei der Aufruf lediglich als vorsorgliche Maßnahme zu verstehen. Eine Einschränkung der Trinkwasserversorgung bestehe derzeit nicht. Damit steht Wiesbaden im hessichen Vergleich noch sehr glücklich da. Die Stadt Fulda rief vergangene Woche den Wassernotstand aus. Im Rheingau sprang die „Wasserampel“ unter anderem in Eltville auf Rot. Die Ampel soll die Bürger im Umgang mit Trinkwasser sensibilisieren und dadurch einen Wassernotstand möglichst abwenden. Wiesbaden hat eine solche Ampel noch nicht eingeführt.

Wie ein Pressesprecher der Stadt mitteilt, zeige sich in Wiesbaden lediglich bei den natürlichen Oberflächengewässern eine Knappheit – nicht bei der Trinkwasserversorgung. Die Wasserentnahme an Bächen oder Teichen wurde daher bis zum 30. November untersagt. Diese Maßnahme diene allein dem Schutz der Gewässer und ihrer Ökosysteme.

Technische Ausfälle könnten zur Gefahr werden

Gleichzeitig zeige der Sommer, dass die Wasserversorgung auf längere Hitzeperioden und immer ausgeprägtere Verbrauchsspitzen vorbereitet werden muss, so die Stadt. Der Ausfall einer größeren Gewinnungsanlage oder ein Wasserohrbruch in einer solch angespannten Situation könne zu einem Trinkwassernotstand mit entsprechenden Aufforderungen zum Wassersparen führen. Laut Stadt investiere man daher großflächig in neue Leitungen und Trinkwasserbecken. Darüber hinaus soll die Wassergewinnung im Hessischen Ried solle ausgebaut werden.

Während sich der Appell zum Wassersparen vor allem an Privathaushalte richtet, wundern sich Leser von Merkurist, warum die Stadt öffentliche Parkflächen wie etwa die Reisinger Anlagen auch im Hochsommer bewässert. Ein Stadt-Pressesprecher erklärt dazu, dass in Wiesbaden nur etwa zehn Prozent des Wasserverbrauchs staatlichen Einrichtungen und einzelnen Industriebetrieben zuzuordnen sei. 90 Prozent des Wassers würde durch Haushalte und Kleingewerbe verbraucht. Daher sei das städtische Sparpotenzial nicht so groß, wie viele erwarten.

Reisinger Anlagen eine Ausnahme

Dennoch versuche man, auch den eigenen Verbrauch zu senken. Es finde keine flächendeckene Bewässerung durch das Grünflächenamt statt. Lediglich neu angelegten Grünflächen würden regelmäßig gegossen, um den erfolgreichen Anwuchs der Vegetation sicherzustellen. Blumenbeete versorge man, sofern erforderlich, über Tröpfchenbewässerung.

Die Reisinger Anlagen seien tatsächlich eine Ausnahme, gemeinsam mit dem Kulturpark hinter dem Schlachthof. Diese Flächen würden vor Veranstaltungen gezielt bewässert, damit sie dem hohen Belastungsdruck standhalten können. In der Reisingeranlage sei die Bewässerung nach Abschluss der „Sommerwiese“ schrittweise zurückgefahren und mittlerweile eingestellt worden. Dieses Vorgehen entspreche der Praxis der vergangenen Jahre. Wie viel Wasser dabei genau verbraucht wird, wisse die Stadt nicht.