Wohnungslos, arbeitslos oder Probleme mit den Eltern: Die Herausforderungen für junge Menschen auf der Straße sind vielfältig. Eine neue ZDF-Reportage gibt Einblicke in den Alltag der beiden Streetworkerinnen Anna Lena und Trucy aus Wiesbaden und zeigt, wie sie Jugendlichen in Not helfen, zurück in ein selbstbestimmtes Leben zu finden.
Buntes Wohnmobil als sicherer Hafen
Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht das Projekt „upstairs“: ein bunt bemaltes Wohnmobil, das dauerhaft direkt am Wiesbadener Hauptbahnhof steht. Wie die Reportage zeigt, ist es an vier Nachmittagen pro Woche geöffnet und dient als Anlaufstelle und geschützter Raum. Dort erhalten die jungen Menschen nicht nur Lebensmittel, Kleidung oder Fahrkarten, sondern vor allem Zeit für Gespräche und Unterstützung bei Behördengängen, Arztterminen oder Bewerbungen. Zusätzlich ist das Team über eine 24-Stunden-Hotline erreichbar.
Betreut wird das Projekt von der 26-jährigen Anna Lena und ihrer Teamleiterin Trucy. Obwohl beide den gleichen Job machen, kommen sie aus unterschiedlichen Lebenswelten. Trucy weiß aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, früh auf sich allein gestellt zu sein: Mit 13 Jahren verließ sie ihr Elternhaus und fand in einer Wohngruppe Sicherheit. Anna Lena hingegen stammt aus einem behüteten Umfeld. „Ich komme aus einer anderen Welt und gehe auch jeden Abend in eine andere Welt“, sagt sie in der ZDF-Reportage. „Aber ich finde es wichtig, den Jugendlichen etwas aus meiner Welt mitzugeben.“
Ihr Ansatz sei es, den jungen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, ihnen zuzuhören und nicht zu verurteilen. Gemeinsam schaffen sie klare Strukturen und entwickeln individuelle Ziele, die erreichbar sind und motivieren. Der Film verdeutlicht, wie Vertrauen und Ausdauer dabei helfen können, eine neue Lebensperspektive zu eröffnen.
Zuhören, ohne zu verurteilen
Dass solche Angebote dringend nötig sind, zeigen die Zahlen: In Deutschland haben fast 400.000 junge Menschen unter 25 Jahren zeitweise kein Zuhause. Die Ursachen für die oft unsichtbare Wohnungslosigkeit sind laut der Dokumentation vielfältig und reichen von familiären Konflikten über Gewalt und Armut bis hin zu Perspektivlosigkeit.
Die ZDF-Reportage will zeigen, dass niemand die Obdachlosigkeit freiwillig wählt und hinter jedem Schicksal eine persönliche Geschichte steht. Mit Empathie und Engagement wollen die beiden Wiesbadener Streetworkerinnen den Jugendlichen die Tür zu einem neuen Leben öffnen.
Die ZDF-Reportage „Streetworker – Zwischen Asphalt und Hoffnung“ aus der Reihe „37 Grad“ ist jetzt in der ZDF-Mediathek abrufbar.