Große Portionen zum kleinen Preis - Ein Auslaufmodell?

Große Portionen, exotische Gerichte, oder hohe Qualität. Beim Restaurantbesuch hat jeder eine andere Erwartung. Dabei geht in Wiesbaden der Trend weg vom XXL-Konzept. Warum das so ist, erklärt Gastro-Experte Bernd Zehner.

Große Portionen zum kleinen Preis - Ein Auslaufmodell?

Die Gastronomieszene in Wiesbaden wird immer vielfältiger. Wer etwa einen Klassiker wie Burger oder Pizza essen möchte, hat mittlerweile eine riesige Auswahl an Restaurants in der ganzen Stadt. Und wer es etwas exotischer mag, findet aus allen Erdteilen etwas für sich. Während sich viele über die kulinarische Vielfalt freuen, vermissen andere Wiesbadener günstige und gutbürgerliche Alternativen, wie etwa Merkurist-Leser Michael.

Heftige Diskussionen

Er meint, dass das klassische „Jägerschnitzel mit Pommes für acht Euro“ immer mehr verschwinden würde und auch alteingesessene Restaurants immer öfter die Preise anheben würden. Das Thema sorgte unter den Merkurist-Lesern für großen Diskussionsstoff. Einige Leser gaben Michael Tipps. Sie nannten Restaurants, die zwar nicht immer mit XXL-Portionen werben, bei denen aber typische Gerichte aus der gutbürgerlichen Küche auf der Karte stehen, und in denen sie bisher immer satt wurden. Dabei fielen unter anderem die Restaurantnamen „Waldgeist“, „Apfelweinstube Im Himmelreich“ und „Gasthaus zum Taunusblick“.

Das klassische XXL-Modell hingegen lehnten viele Leser in der Diskussion ab. „Die Kriegszeit ist schon lange vorbei, da vergeht einem der Appetit !!“, meint ein Leser auf Facebook. „Wer solche Portionen isst und meint, dass das normal ist, hat keine Esskultur“, meint ein anderer und bezieht sich dabei vor allem auf die Art von Gaststätten, wo auf Masse mehr Wert gelegt wird, als auf Qualität.

XXL ein Auslaufmodell

Bernd Zehner, Betreiber der Kochwerkstatt Wiesbaden, kennt die Gastronomieszene rund um Wiesbaden schon lange. Für ihn ist der XXL-Trend ein Auslaufmodell: „Wenn man sich anschaut, wer die Riesenschnitzel bestellt, sind das meistens Menschen im Alter 50 plus.“ Für diese Generation habe lange der Grundsatz gegolten, dass man beim Essen gehen möglichst das maximale aus dem Preis herausholen sollte, meint Zehner. Dass diese günstigen Preise jedoch häufig mit minderwertiger Qualität einhergehen, würde die meisten nicht stören.

Ähnlich sehe es laut Zehner bei „All-you-can-eat“-Buffets aus: „Die Gäste versuchen da, so viel zu essen, dass sie am Ende mit einem „Plus“ herauskommen, was bei den günstigen Einkaufspreisen aber kaum schaffbar ist“, so der Experte.

„Junge Menschen wollen wissen, wo das Essen herkommt und zahlen dafür auch gerne mehr.“ - Bernd Zehner

Bei jungen Menschen sei das aber ganz anders, so Zehner: „Das hat alles so 2014 mit dem Street-Food-Trend angefangen. Junge Menschen wollen wissen, wo das Essen herkommt und zahlen dafür auch gerne mehr.“ Natürlich seien auch klassische Gerichte wie Schnitzel weiterhin gefragt, hier gehe der Trend aber auch klar in Richtung hochwertiger Ware. Für Zehner gehe die Zeit der XXL-Restaurants dem Ende entgegen: „Die jungen Leute, die mehr auf ihre Ernährung achten, geben das Ganze ja an ihre Kinder weiter.“ (js)

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