Gedenkminute für verunglückte Arbeiter in Wiesbaden

Gewerkschaft fordert besseren Arbeitsschutz

Gedenkminute für verunglückte Arbeiter in Wiesbaden

Immer wieder verletzen sich Arbeiter in Hessen so schwer, dass sie berufsunfähig werden oder sogar sterben. Darauf will die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) in Wiesbaden zum Internationalen Workers’ Memorial Day am 28. April aufmerksam machen. Die Gewerkschaft ruft deshalb zu einer Schweigeminute auf und fordert strengere Maßnahmen im Arbeitsschutz.

6500 Arbeitsunfälle in Hessen in einem Jahr

„Ob im Home-Office oder auf der Baustelle: Um 12 Uhr sollte am Dienstag jeder kurz die Arbeit beiseitelegen und an die Menschen denken, die im Job tödlich verunglückt oder berufsunfähig geworden sind“, so IG BAU-Bezirksvorsitzender Karl-Heinz Michel.

Vor allem wer auf dem Bau oder in der Landwirtschaft arbeitet, habe ein besonders hohe Risiko, im Job einen Unfall zu haben oder krank zu werden. In der hessischen Baubranche sei es im vergangenen Jahr zu rund 6.500 Arbeitsunfällen gekommen – fünf davon mit tödlichem Ende. Gründe können ein Sturz von der Leiter, oder auch das Hantieren mit Asbest sein.

Asbest als Schwerpunkt des Gedenktags

Asbest ist auch der Schwerpunkt des diesjährigen Workers’ Memorial Day, der seit 1989 jährlich begangen wird. „Ob in der alten Fassade, im Nachtspeicherofen oder im Schuppendach – Asbest ist oft versteckt“, so Michel. „Gerade bei Sanierungen alter Gebäude kommt der giftige Stoff dann zum Vorschein. Das ist eine unsichtbare Gefahr für Handwerker.“ Wer den Stoff heute einatme, könne viele Jahre später Lungenkrebs bekommen, warnt der Gewerkschafter. 184 Neuerkrankungen im Zusammenhang mit Asbest gab es in Hessen allein im Jahr 2018, wie aus Zahlen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung hervorgeht. Innerhalb von zehn Jahren erkrankten im Bundesland rund 2.100 Menschen durch den Stoff.

Gewerkschaft fordert besseren Arbeitsschutz

Die IG BAU fordert in diesem Zusammenhang stärkere Anstrengungen beim Arbeitsschutz. „Jeder Unfall ist einer zu viel. Die Arbeitssicherheit ist keine lästige Pflicht, sondern ein Muss. Daran darf der Chef keinen Cent sparen“, sagt Michel.

In Zeiten von Corona sei das wichtiger denn je. Auf dem Bau hätten Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Außerdem müsse es genug Masken und Schutzhandschuhe, sowie Toiletten mit Wasseranschluss zum Händewaschen geben. In der Gebäudereinigung seien Desinfektionsmittel und Zeit nötig, um die Viren bekämpfen zu können. (js)

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