Neue App für Wiesbaden: Verschenken statt wegwerfen

Was für den einen nutzlos geworden ist, kann für den anderen genau das Richtige sein. Die Wiesbadener App wishare will das Verschenken gebrauchter Gegenstände einfacher machen – lokal, kostenlos und ohne Feilschen.

Neue App für Wiesbaden: Verschenken statt wegwerfen

Was im Keller, auf dem Dachboden oder in der Garage ungenutzt herumsteht, kann für jemand anderen noch wertvoll sein. Genau hier setzt die neue Wiesbadener App „wishare“ an. Sie will Menschen in der Region zusammenbringen, die Dinge verschenken möchten, und diejenigen, die gerade etwas gebrauchen können.

Hinter der Idee steht ein sechsköpfiges Gründerteam um Sabrina Lichtenberg und Asgard Federspiel. Die Idee entstand bereits vor rund zehn Jahren: Sabrina Lichtenberg war mit ihrem heutigen Mann zusammengezogen und plötzlich mit doppelten Haushaltsgegenständen konfrontiert – von Bügeleisen und Bügelbrettern bis hin zu einer kompletten Küche.

„Es gibt halt einfach Dinge, da ist mir der Aufwand zu groß“, erzählt sie im Gespräch mit Merkurist. Über lokale Facebook-Gruppen fand sie schließlich Abnehmer für verschiedene Gegenstände. Besonders eine alte blaue Hochglanzküche blieb ihr dabei im Gedächtnis: Innerhalb weniger Tage meldete sich jemand, baute die Küche selbst ab und nahm sie mit. Für beide Seiten eine gute Lösung.

Die Erfahrung brachte sie zu einer Frage: Warum gibt es keine einfache Plattform, die genau auf das Verschenken ausgerichtet ist?

Eine App nur fürs Verschenken

Aus der zunächst lange schlummernden Idee entwickelte sich gemeinsam mit weiteren Mitstreitern schließlich „wishare“. Die App ist nicht als weiterer Marktplatz gedacht, auf dem Preise ausgehandelt werden. Bei „wishare“ geht es ausschließlich darum, Dinge kostenlos weiterzugeben oder gezielt danach zu suchen.

„Bei uns ist Verschenken keine Nebenfunktion“, erklären die Gründerinnen. Das soll die Nutzung von klassischen Kleinanzeigenportalen oder sozialen Netzwerken unterscheiden. Statt sich durch zahlreiche Gruppen zu klicken, können Nutzer Gegenstände direkt nach Kategorien und in einem bestimmten Umkreis suchen.

Wer beispielsweise ein Bügeleisen benötigt, kann gezielt danach suchen und sehen, ob in der Umgebung eines angeboten wird. Wie weit man für einen Gegenstand fahren möchte, lässt sich über den Radius bestimmen. Die Idee dahinter: Die Dinge sollen möglichst lokal den Besitzer wechseln – ohne zusätzlichen Versand und möglichst ohne unnötige Autofahrten.

Künstliche Intelligenz hilft beim Einstellen

Auch das Verschenken selbst soll möglichst wenig Aufwand machen. Dafür setzt „wishare“ unter anderem auf künstliche Intelligenz. Ein Foto soll ausreichen, damit die Anwendung den Gegenstand erkennt, ihn einer Kategorie zuordnet, seinen Zustand einschätzt und einen Beschreibungstext vorschlägt. Das soll eine Hürde beseitigen, die viele kennen: Man möchte etwas loswerden, hat aber keine Lust, erst eine ausführliche Anzeige zu formulieren.

Neben dem klassischen Verschenken können Nutzer auch eigene Wünsche einstellen. Das Prinzip funktioniert damit in beide Richtungen: Jemand bietet einen Gegenstand an, während jemand anderes konkret danach sucht. Auch Organisationen wie Kindergärten, Schulen oder Hilfsorganisationen können die Plattform nutzen.

Aus Wiesbaden in die Welt

Gestartet ist „wishare“ zunächst als Pilotprojekt in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis. Die sharries UG, die hinter der App steht, wurde 2025 gegründet und bezeichnet „wishare“ als digitales Startup aus dem Bereich Kreislaufwirtschaft.

Nach Angaben des Teams soll das Konzept aber nicht auf die Region begrenzt bleiben. Langfristig wollen die Gründer „wishare“ deutschlandweit und perspektivisch sogar international etablieren. Erste Schritte über die ursprüngliche Pilotregion hinaus gibt es bereits: Auch in Mainz funktioniert die App inzwischen.

Dass das Konzept auf Interesse stößt, zeigte sich auch beim Gründungspreis Rheingau-Taunus 2025. Dort erreichte „wishare“ den dritten Platz in der Kategorie „Beste Gründung aus dem Rheingau-Taunus-Kreis“. Die Jury lobte den Ansatz einer KI-gestützten Community-App.

„Karmapunkte“ fürs Verschenken

Eine Besonderheit der Plattform sind die sogenannten „sharries“. Wer etwas verschenkt, sammelt diese kryptobasierten Karmapunkte. Die Idee dahinter ist, freiwilliges Teilen sichtbar zu machen und langfristig einen Kreislauf zu schaffen.

Noch ist das vor allem Teil der Vision des Start-ups. Künftig könnten die gesammelten Punkte beispielsweise bei Partnerunternehmen eingesetzt werden. Wer also Dinge weitergibt und damit etwas für Nachhaltigkeit und Gemeinschaft tut, könnte dafür irgendwann auch eine kleine Gegenleistung erhalten – etwa einen Kaffee bei einem teilnehmenden Partner.

Finanzierung und Vision

Die grundlegende Nutzung der App soll dagegen kostenlos bleiben. Das Team sieht verschiedene Möglichkeiten, „wishare“ langfristig zu finanzieren – unter anderem über Werbepartner und Kooperationen mit Unternehmen. Auch für Firmen mit Überproduktionen oder Produkten, die nicht mehr anderweitig verwendet werden, könnten sich nach Vorstellung der Gründer neue Möglichkeiten ergeben.

Für die Gründerinnen geht es bei „wishare“ allerdings um mehr als nur eine digitale Plattform. Sie wollen Menschen miteinander verbinden und gleichzeitig den Blick auf den Wert bereits vorhandener Dinge verändern. Denn nicht alles, was im eigenen Haushalt keinen Nutzen mehr hat, muss deshalb wertlos sein. „Der nachhaltigste Gegenstand ist der, der bereits existiert“, lautet entsprechend einer der Grundgedanken des Teams.