Hinter den Kulissen der Flaschenpostinsel

Im Juli beginnen die Dreharbeiten zu „Die Flaschenpostinsel“, dem ersten Wiesbadener Kinofilm für Kinder. Das ehrenamtliche Filmteam hat bereits jetzt viel Zeit und Arbeit in das Projekt investiert.

Hinter den Kulissen der Flaschenpostinsel

Am Mittwochabend gleicht die Stimmung in der Wiesbadener Schauspielschule Scaramouche Academy der auf einem Klassentreffen. Heute tagt hier das Filmteam der Flaschenpostinsel. Auf dem Tisch stehen Getränke, Brezeln und Kekse und die Teammitglieder plaudern miteinander. Als Corinna van Eijk das Meeting um 20 Uhr eröffnet, verstummen die Privatgespräche und das eben noch so ausgelassene Filmteam widmet sich mit professionellem Ernst dem Projekt.

800 Seiten Notizen

In dem Film Die Flaschenpostinsel geht es um Laini, deren Eltern aus Afrika stammen. Gemeinsam mit ihren Freunden Michael und Paul begibt sie sich auf eine Entdeckungsreise durch Wiesbaden und in ihre Vergangenheit.

Die Idee hatte van Eijk, Leiterin der Scaramouche Academy, im Herbst 2014: „Ich hatte etwas im Kopf, das die Themen Akzeptanz, Toleranz und Entwicklung aufgreift und vor allem Kinder und Jugendliche anspricht.“ Toni Kurtin, der in Mainz Zeitbasierte Medien studiert und an der Scaramouche Academy unterrichtet, war der Erste, den sie für ihren Plan ins Boot beziehungsweise auf die Insel holte.

Er wird Regie führen und hat gemeinsam mit Theresia Dittrich und Luise Köhler das Drehbuch geschrieben. „Drehbücher sind für mich emotionale Konstrukte, die intuitiv entstehen, gleichzeitig muss man pragmatisch und realisierbar denken“, erklärt er seine Arbeit. „Sobald man die Schauspieler hat, verändert sich nochmal alles.“

„Wichtig ist es, dass die Kinder den Film verstehen können.“ - Theresia Dittrich, Drehbuch und Regieassistenz

Laut Mediendramaturgin Theresia Dittrich umfassen die Änderungen und Änderungsvorschläge mittlerweile etwa 800 Seiten, denn eine geänderte Szene wirke sich auch auf alle Übrigen aus. „Wichtig ist es, nichts Verwirrendes einzubauen, damit die Kinder, die den Film sehen, auch gedanklich mitkommen.“

Wie viel Zeit sie mittlerweile in Die Flaschenpostinsel gesteckt haben, wissen Dittrich und Kurtin nicht. „Das hier ist ein Herzblutprojekt. Wenn ich etwas gerne mache, hänge ich mich rein und das bleibt im Kopf, auch wenn ich eigentlich frei habe“, sagt Kurtin und Theresia findet: „Es ist viel Arbeit, wir haben hohe Ansprüche und viel Druck, gleichzeitig macht es aber auch sehr viel Spaß.“

Analoge und digitale Detailarbeit

Mit dabei ist auch Angelique Böhm, seit Anfang des Jahres Teil des Ausstattungsteams. „Wenn beispielsweise Szenen in einem Kinderzimmer gedreht werden, überlegen wir, wie der Charakter lebt und schauen, ob es ein vorhandenes Kinderzimmer gibt, das wir umgestalten und nutzen können, oder ob wir einen Raum komplett selbst einrichten“, erklärt sie.

Zu ihrer Arbeit gehören aber auch die kleinen Details wie das alte Fotoalbum mit verblichenen Bildern, das im Film eine wichtige Rolle spielt.

Für Details der anderen Art ist Simon Fischer verantwortlich: Er kümmert sich in der Postproduktion um die visuellen Effekte.

„Es ist wichtig, schon vorher gut zu planen.“- Simon Fischer, Visual Effects

Seine Arbeit fängt allerdings schon während des Drehs an: „Es ist wichtig, schon vorher gut zu planen. Ich werde bei den wichtigen Szenen dabei sein und auf eventuelle Fehler hinweisen.“

Für Kameramann Felix Harjans beginnt die eigentliche Arbeit an diesem Wochenende. Dann dreht er den Trailer für Die Flaschenpostinsel und muss dafür in einen Taucheranzug steigen. „Wir werden Unterwasseraufnahmen machen, die Atmosphäre aufbauen und einfangen.“

„Wenn man 15 Stunden am Tag unterwegs ist, ist man irgendwann durch. „ - Felix Harjans, Kameramann

Er freue sich auf den Dreh - auch wenn er anstrengend werde: „Wenn man 15 Stunden am Tag unterwegs ist, ist man irgendwann durch. Dann kommt es auf Disziplin und Konzentration an.“

Unterstützer gesucht

Auch wenn das komplette Team neben Studium oder Beruf ehrenamtlich arbeitet, kostet das Projekt
neben Zeit auch viel Geld. Ausstattung, Catering, Hotelzimmer für die erwachsenen Darsteller sind nur drei der zahlreichen Kostenpunkte, weswegen das Team Förderpartner aus der Region sucht. Für den 27. Mai plant das Team zudem eine Taschenbörse im Hof der Scaramouche Academy, deren Erlös in das Projekt investiert werden soll.

Informationen über den Film und das Team gibt es auf der Homepage des Films und bei Facebook.

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