Ärger um ‚Großabfüller‘ an den Wiesbadener Laufbrunnen

Das Wasser aus den Laufbrunnen im Stadtwald ist bei vielen Wiesbadenern für seine Qualität bekannt. Viele zapfen sich dort einen großen Vorrat für Zuhause, was jedoch zum Teil zu großem Ärger an den Brunnen führt.

Ärger um ‚Großabfüller‘ an den Wiesbadener Laufbrunnen

Michael Fuhr liebt die Wiesbadener Wälder. Soweit es sein Arbeitsalltag erlaubt, spaziert, joggt oder walkt der Kasteler auf den Spazierwegen der Landeshauptstadt, etwa im Nerotal oder dem Goldsteintal. Mit dabei hat er immer eine leere Trinkflasche. Diese befüllt er auf seinen Touren an einem der Laufbrunnen entlang der Strecken. Dort fließt aus einem Hahn, angebracht in einem großen Stein, frisches Wasser aus den Wiesbadener Quellen.

Konflikte an den Brunnen

Doch das ist seit einiger Zeit gar nicht mehr so einfach, erzählt Fuhr. Immer wieder bilden sich lange Schlangen an den Brunnen. Menschen stehen mit großen Kanistern mit mehreren hundert Litern Fassungsvermögen an, um sich das kostenlose Quellwasser abzuzapfen. Da das Wasser auch nur mit wenig Druck und bleistiftdick aus dem Hahn läuft, kann das Ganze schon mal ein paar Stunden dauern. Wenn es zu lange dauert, fragt Fuhr manchmal einen der „Großabfüller“, wie er sie bezeichnet, ob man ihn mit seiner kleinen Flasche kurz vorlasse. „Häufig klappt das, aber es ist leider auch schon passiert, dass ich mit den Worten ‚Wer zuerst kommt, mahlt zuerst‘ unfreundlich weggeschickt wurde“, schildert Fuhr. Dazu komme, dass viele der ‚Großabfüller‘ mit ihren Autos direkt bis vor die Quellen fahren, was dazu führt, dass an den doch eher engen Wanderwegen kaum ein Durchkommen mehr ist.

„Das Wasser hier ist einfach viel sauberer als das, was ich zuhause habe.“ - Großabfüller

Einer dieser Großabfüller ist Jürgen (Name geändert). Schon in den frühen Morgenstunden macht er sich regelmäßig mit dem Auto auf den Weg zu dem Brunnen im Goldsteintal, um die großen Kanister in seinem Wagen zu füllen. Auch er hat schon etwas von den Konflikten an den Brunnen mitbekommen. „Natürlich ist es immer blöd, wenn man lange warten muss“, meint er, „ich lasse auch manchmal jemanden vor, aber zu oft geht das nicht, sonst werde ich ja nie fertig.“ Auf die Frage, warum er regelmäßig so viel Zeit und Mühen auf sich nehme, nur um ein paar Liter Wasser abzuzapfen, was er doch eigentlich auch bequem aus der Leitung in der eigenen Wohnung bekommen würde, hat er eine klare Antwort: „Das Wasser hier ist einfach viel sauberer als das, was ich zuhause habe“, meint er. Das Wasser verwende er sehr gerne zum Teekochen, da es dort keine Schleier auf der Oberfläche gäbe, wie es beim Leitungswasser passiert.

Verkalktes Wasser

40 Prozent des Wiesbadener Leitungswassers stammen laut dem Gesundheitsamt der Stadt aus dem hessischen Ried. Die Wasserstelle versorgt neben der Landeshauptstadt auch noch viele andere Haushalte im Rhein-Main-Gebiet, etwa in Darmstadt oder Frankfurt. Durch den immer stärker steigenden Bedarf ist das Ried häufig auf zusätzliches Wasser aus dem Rhein angewiesen. Dieses wird zwar, bevor es in den Umlauf kommt, aufbereitet, dennoch stehen viele Wiesbadener dem Riedwasser skeptisch gegenüber. Außerdem hat das Wasser aus dem Ried einen deutlich höheren Kalkgehalt als etwa das Wasser aus den Taunusstollen, wie es in den nördlichen Stadtteilen Wiesbadens durch die Leitungen fließt.

Auch Fuhr kennt das harte Riedwasser aus seiner Wohnung in Kastel, das manchmal unschöne Schleier auf seinem Kaffee zieht. „Ja, das Wasser hier aus der Leitung schmeckt einfach grauenhaft. Trotzdem kann es so wie jetzt an den Brunnen nicht weitergehen“, meint er. Zur Lösung des Problems müsste seiner Meinung nach die Stadt aber schnell Maßnahmen wie Abgabebegrenzungen und regelmäßige Kontrollen einführen, sonst sei das Projekt an der ‚Gratis-Mentalität‘ einiger gescheitert.

Wohin diese ‚Gratis-Mentalität‘ führen kann, lässt sich am Schläferskopfstollen beobachten. Der Brunnen oberhalb der Fasanerie war für viele Jahre der beliebteste Brunnen der Wiesbadener. Auch hier bildeten sich jede Woche lange Schlangen mit Menschen, die ihre Kanister mit dem kostenlosen Quellwasser füllen wollten. Wie bei den anderen Brunnen fuhren die Abfüller mit einem Auto direkt vor die Quelle, um ihre Kanister zu transportieren. Da sich der Stollen aber in einem Wasserschutzgebiet befindet, wo das Befahren mit Autos verboten ist, installierte der Betreiber Hessenwasser eine Schranke. Davon ließen sich aber wohl einige nicht abhalten und zerstörten die Schranke schon nach wenigen Tagen. Hessenwasser sah keinen anderen Ausweg, als den Brunnen stillzulegen, um weiteren Vandalismus zu verhindern.

Der Stadt Wiesbaden sind die Probleme rund um die Laufbrunnen bekannt. Gemeinsam mit Hessenwasser strebe man eine baldige Wiedereröffnung des Schläferskopfstollens an, auch um den erhöhten Andrang an den anderen Brunnen zu entlasten, wie der Wiesbadener Kurier berichtete. Um die Zapfer davon abzuhalten, direkt mit dem Auto vorzufahren, überlegt die Stadt in dem Boden versenkte Poller zu installieren. Hessenwasser zeigte sich zunächst noch skeptisch, den Brunnen wiederzueröffnen. Stattdessen regen sie an, Leitungen von den Stollen direkt in die Stadt zu verlegen, sodass die Bürger die Brunnen per Fuß erreichen können.

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