Ukraine-Krieg: „Die Menschen haben Angst, Lebensmittel sind ausverkauft“

Der Schiersteiner Verein „Kamenez-Podolski e.V.“ leistet seit Jahren aktiv Hilfe in der gleichnamigen ukrainischen Stadt. Die Vereinsvorsitzende Maria von Pawelsz-Wolf erzählt, wie es den Menschen vor Ort geht und was sie jetzt brauchen.

Ukraine-Krieg: „Die Menschen haben Angst, Lebensmittel sind ausverkauft“

Über 100 Tote, mehr als 300 Verletzte und mindestens 100.000 Menschen, die sich auf der Flucht befinden – das ist die erste Bilanz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine in der Nacht zum Donnerstag. Vieles ist noch immer schwer zu verifizieren, auch die genaue Zahl der Opfer. Klar ist aber schon jetzt: Die Menschen vor Ort brauchen Hilfe, sagt Maria von Pawelsz-Wolf, Vorsitzende des Schiersteiner Partnerschaftsvereins „Kamenez-Podolski e.V“. Der Verein leistet seit Jahren aktiv Hilfe in der westukrainischen Stadt Kamenez-Podolski.

Verein sammelt Geldspenden

Der Partnerschaftsverein brauche jetzt Geldspenden, um möglichst schnell zu helfen. „Die Menschen haben Angst. Die Lebensmittel sind ausverkauft und vor den Geschäften sieht man lange Schlangen“, so Maria von Pawelsz-Wolf. Hilfstransporte mit Lebensmitteln und Sachspenden, die der Verein viele Jahre lang in die Ukraine geschickt hat, seien jetzt nicht mehr möglich.

„Damit können wir ein Zeichen wahrer, langjähriger Freundschaft geben und Mut machen.“ - Maria von Pawelsz-Wolf

„Wir hoffen darauf, dass die Wiesbadener Bevölkerung, die unsere Hilfs- und Aufbauarbeit seit 1991 unterstützt und gefördert hat, uns weiter unterstützt, damit die Menschen in Kamenez-Podolski und Umgebung sich nicht verlassen fühlen, sondern erkennen, wie viele Menschen in und um Wiesbaden sie in ihrer augenblicklichen Not unterstützen“, sagt die Vereinsvorsitzende. „Damit können wir ein Zeichen wahrer, langjähriger Freundschaft geben und Mut machen.“

Menschen fühlen sich verlassen

Aktuell fühlten sich die Menschen in der Ukraine alleingelassen. „Bei meinen Telefonaten mit den Freunden in Kamenez-Podolski habe ich die große Enttäuschung erfahren, dass die Menschen sich von uns verlassen fühlen“, erzählt von Pawelsz-Wolf. Sie hätten den Eindruck, dass sie ein Spielball zwischen den USA und Russland sind und könnten nicht verstehen, dass sie keine Hilfe aus Amerika und Deutschland bekommen. Außerdem sei es für sie unverständlich, dass Millionen von Russen Ukrainer bekämpfen, obwohl sie „doch eigentlich Brüder und Schwestern im Glauben“ seien.

„Offensichtlich hat Putin Angst, dass das Vorbild der ukrainischen Demokratie auf Russland übergehen könnte.“ - Maria von Pawelsz-Wolf

„Der russische Angriff auf die Ukraine erschreckt mich – wie wahrscheinlich alle unsere ukrainischen und deutschen Freunde – zutiefst“, sagt von Pawelsz-Wolf. Die von Präsident Wladimir Putin genannten Gründe für den Angriff sind für sie unverständlich. „Offensichtlich hat Putin Angst, dass das Vorbild der ukrainischen Demokratie auf Russland übergehen könnte. Damit wäre seine Macht am Ende.“

Bei vielen Besuchen in Kamenez-Podolski und Gesprächen habe die Vereinsvorsitzende erlebt, wie sich die Ukraine in den letzten Jahren zu einer Demokratie entwickelt hat. Der Verein habe diese Entwicklung auch unterstützt, beispielsweise, indem er Darlehen zur Gründung von Kleinbetrieben vergeben hat, damit die Menschen den Weg in die wirtschaftliche Selbständigkeit finden. Jetzt bräuchten die Menschen in der Ukraine mehr denn je Hilfe aus Deutschland.

Spendenkonto

Partnerschaftsverein Wiesbaden-Schierstein „Kamenez-Podolski e.V.

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