Wiesbadener AfD-Mitglied will mit Waffen gegen Migranten vorgehen

Recherchen des hr-Magazins „Defacto“ deckten auf, dass ein Mitglied des AfD-Kreisverbands in sozialen Netzwerken offen zu Gewalt an Flüchtlingen aufruft und plant, eine sogenannte Wehrsportgruppe zu gründen. Nun will die Partei den Mann loswerden.

Wiesbadener AfD-Mitglied will mit Waffen gegen Migranten vorgehen

Das Magazin Defacto des Hessischen Rundfunks hat am Sonntag über ein Mitglied des Wiesbadener AfD-Kreisverbands berichtet, das offen zu Gewalt gegen Muslime, Flüchtlinge und Politiker aufruft. Aleksej B. soll im Januar in die Partei eingetreten sein. Nun will die ihn wieder loswerden.

Bereits im November musste sich die Wiesbadener AfD aufgrund eines ähnlichen Vorfalls von ihrem politischen Referenten trennen. Er hatte, wie auch Aleksej B., via Facebook gegen Andersdenkende und Politiker gehetzt. „Wir ziehen viele Leute an, die nicht in Ordnung sind. Wenn man das aber dann erkennt, muss man sich auch konsequent trennen, wie wir es jetzt getan haben“, sagte damals Schatzmeister und Mitglied im Kreisvorstand der AfD,Robert Lambrou. Der aktuelle Fall sei aber nicht mit dem damaligen Referenten vergleichbar.

„Wir werden bald jedes Schwert brauchen.“ - Aleksej B.

Nun scheint es, als wäre erneut jemand in die Partei eingetreten, der "nicht in Ordnung" ist. Neumitglied Aleksej B. soll den Plan verfolgen, sogenannte Wehrsportgruppen zu gründen. Diese meist rechtsextremen Vereinigungen erkennen das staatliche Gewaltmonopol nicht an und wollen das Land auf eigene Faust „sicher“ machen. So stießen die hr-Reporter auf Aussagen des AfD-Mitglieds, Frankreich befinde sich im Bürgerkrieg und auch Deutschland stehe kurz davor. Deshalb ruft er nun in sozialen Medien ehemalige und aktive Militärs dazu auf, sich zu Sportclubs zusammenzutun. „Wir werden bald jedes Schwert brauchen“, so B. auf seinem mittlerweile gelöschtem Facebook-Profil.

„Der Krieg kommt näher, seid ihr bereit?“ - Aleksej B.

B., der selbst beim Militär war, lebt mittlerweile als praktizierender Arzt in einem Wiesbadener Vorort. „Der Krieg kommt näher, seid ihr bereit?“, fragt er auf Facebook. Von dort hat er sich mittlerweile wieder entfernt. Beiträge, in denen er fordert, den SPD-Kanzlerkandidaten Schulz „an die Wand“ zu stellen, waren dort trotzdem bis zur Löschung einsehbar. Im gleichen Stil führt er seine Hetze aber in dem russischen Netzwerk VK weiter.

Neumitglieder besser übeprüfen

„Seit dem Telefonat hatten wir keinerlei Kontakt mehr mit ihm.“ - Robert Lambrou

In einem Telefonat mit Aleksej B. forderte Robert Lambrou ihn zu einem freiwilligen Austritt aus der Partei auf, dem B. auch zugestimmt haben soll. Er sollte der AfD in einer Mail dies auch schriftlich bestätigen, was bis heute aber noch nicht geschehen sei. „Seit dem Telefonat hatten wir keinerlei Kontakt mehr mit ihm“, sagt Lambrou. Zwar sei das rund fünfminütige Gespräch ruhig und freundlich verlaufen, von seinen Ansichten lies sich das Neumitglied aber nicht abbringen. „Ich habe ihm erklärt, dass das Gewaltmonopol in Deutschland beim Staat liegt und wir uns dazu uneingeschränkt bekennen“, so Lambrou weiter.

Nun soll der AfD-Landesverband ein Parteiausschlussverfahren auf den Weg bringen, um das ungebetene Mitglied auszuschließen. Der Kreisverband will das noch am Montag in einem Beschluss auf den Weg bringen. Zwar ist sich Lambrou sicher, dass der Landesverband dem zustimmen wird, wie lange das Verfahren dauern wird, kann er aber nicht abschätzen.

Als Konsequenz aus dem Vorfall will die Partei dem Landesverband eine zentralisierte Prüfung von Neumitgliedern vorschlagen. „Wir haben im vergangenen Jahr etwa 30 neue Mitglieder gewinnen können und nur mit diesem Mann Probleme gehabt“, ärgert sich Lambrou darüber, dass seine Partei nun in einem schlechten Licht dasteht. „Es sind einige Wenige, aber es gibt sie. Und das muss sich verbessern.“ So soll in Zukunft noch gründlicher geprüft werden, wer in die Partei eintreten will und vor allem die Profile in den sozialen Netzwerken gründlicher geprüft werden.

Logo