Wiesbadener Gastronomen kämpfen mit Corona-Auflagen

Seit der Wiedereröffnung müssen sich Gastronomen in Hessen an strenge Auflagen halten. Diese bedeuten zum einen weniger Kundschaft, zum anderen aber auch ein Mehraufwand an Arbeit im Alltagsgeschäft.

Wiesbadener Gastronomen kämpfen mit Corona-Auflagen

Eine Tasse Kaffee in der Mittagssonne oder ein leckeres Dinner mit Bedienung — die Vorzüge der Gastronomie haben viele Wiesbadener in den vergangenen Wochen vermisst. Seit Freitag sind Besuche in den Lokalen der Stadt wieder möglich, doch viele Wirte kämpfen mit den Auflagen, die jetzt Voraussetzung für eine Öffnung sind.

Begrenzte Plätze und Datenerfassung

Eine spontane Erfrischung ist zum Beispiel im Café Extrablatt in der Fußgängerzone derzeit nicht möglich. Wer dort etwas trinken will, muss auf eine Platzzuweisung durch das Personal warten und dann erst einmal seine Kontaktdaten angeben, damit eventuelle Infektionsketten später nachvollzogen werden können. „Viele finden das blöd“, sagt Geschäftsführerin Silke Kaifer. Sie musste am Sonntag mehreren Gästen versichern, dass die Daten nicht weitergereicht werden, sondern nach vier Wochen in den Schredder kommen.

„Statt 80 Gäste können wir auf der Terrasse im Moment nur noch 10 empfangen.“, Silke Kaifer, Café Extrablatt

Den Sonntagsdienst hat sie im Service alleine gemeistert. „Normalerweise sind wir an Sonntagen zu viert“, sagt sie. Doch aktuell kann das Café nur noch einen Bruchteil seiner Gäste empfangen. „Statt 80 Gäste können wir auf der Terrasse im Moment nur noch 10 empfangen. Im Innenbereich statt 200 nur noch 50“, nennt sie konkrete Zahlen. Die Höchstmenge an Gästen werde in Hessen dabei durch zwei Aspekte bestimmt: „Zum einen müssen die Tische so gestellt werden, dass immer 1,5 Meter Abstand besteht, zum anderen müssen jedem Gast 5 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen“, erklärt Kaifer. Wenn ein Tisch mit einer Gruppe besetzt wird, müssten andere Tische dabei frei bleiben — an der Obergrenze gebe es nichts zu rütteln, auch nicht, wenn die Gäste aus einem gemeinsamen Haushalt kommen.

Abstandsgebot im ganzen Haus

Auch am Dern’schen Gelände gibt es jetzt eine Obergrenze, erklärt Carsten Huth von „Les Deux Messieurs“. In den vergangenen acht Wochen blieb sein Café geschlossen, nur der Backshop durfte verkaufen. Die Eingänge zwischen Bäckerei und Café seien jetzt getrennt, und auch weitere Aspekte mussten Huth und sein Team vor der Wiedereröffnung berücksichtigen. „Wir mussten gucken, ob der Weg vom Gastraum zu den Toiletten breit genug ist“, nennt er ein Beispiel.

Obwohl sich in den vergangenen Wochen viele Kunden auf die Wiedereröffnung gefreut haben, sei der Andrang am Wochenende noch verhalten gewesen. „Viele haben sich dann doch nur etwas zum Mitnehmen aus dem Backshop genommen“, bedauert er. So habe er am Sonntag nur etwa ein Drittel des üblichen Umsatzes gemacht. Im Café Extrablatt, so Kaifer, seien es nur knapp über 20 Prozent gewesen.

„Für den Mehraufwand, den wir zum Beispiel mit der Platzzuweisung oder dem ständigen Desinfizieren haben, bräuchten wir eigentlich mehr Personal. Doch durch die Umsatzeinbußen können wir uns das im Moment nicht leisten“, sagt sie. Auch auf die meisten Hilfen, die es für Gastronomen gibt, habe sie keinen Anspruch. „Das Extrablatt wird als große Kette gesehen, obwohl wir am Standort eigenverantwortlich wirtschaften.“

Finanzieller Aufwand

„Wir konnten acht Wochen lang die Terrasse gar nicht nutzen.“ - Carsten Huth, Les Deux Messieurs

Viel Rechnerei habe es auch im „Les Deux Messieurs“ gegeben. „Wir konnten acht Wochen lang die Terrasse gar nicht nutzen. Trotzdem bekommen wir nur für einen Monat die Pacht erstattet“, sagt er. Der Grund dafür sei, dass sich die Schließung von Mitte März bis Mitte Mai gezogen habe, und er nur für den vollen Monat April von den Kosten befreit wird. „Und auch Musikstreaming, Miete für Kartenterminals und die Müllabfuhr mussten jetzt erst einmal auf die neuen Bedingungen umgestellt werden“, nennt er weitere Beispiele.

„Es ist wichtig, dass wir uns alle an die Vorgaben halten.“ - Silke Kaifer, Café Extrablatt

Ob sich der Betrieb unter den jetzigen Umständen wirtschaftlich rechnet, können beide Gastronomen nach dem ersten Wochenende noch nicht einschätzen. Kaifer hofft, dass es bald weitere Lockerungen für die Gastronomie gibt, um alle Mitarbeiter wieder voll bezahlen und aus der Kurzarbeit entlassen zu können. Doch trotz aller Widrigkeiten appelliert Kaifer an ihre Kollegen: „Es ist wichtig, dass wir uns alle an die Vorgaben halten — zum Schutz unserer Gäste und um zu verhindern, dass die Branche in Verruf gerät, oder Lokale sogar wieder schließen müssen.“ (ts)

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