Axt-Angriff: Warum der mutmaßliche Täter auf freiem Fuß ist

Nachdem ein Mann mit einer Axt erst auf eine Scheibe und dann einen Mann einschlagen wollte, wurde er von der Polizei mit einem Platzverweis belegt und nach Hause gebracht. Das sorgt für Unverständnis.

Axt-Angriff: Warum der mutmaßliche Täter auf freiem Fuß ist

Eine Polizeimeldung sorgte am Samstag für Entsetzen und Unverständnis: Ein polizeibekannter Mann hatte - mit einem Gipserbeil bewaffnet - zunächst versucht die Scheibe eines Restaurants in der Wellritzstraße einzuschlagen (wir berichteten). Ein Restaurantmitarbeiter, der den Mann beruhigen wollte, war das nächste Ziel des 45-Jährigen. Glücklicherweise konnte der Mitarbeiter ausweichen und dem Tatverdächtigen sein Gipserbeil abnehmen. Die Polizei stellte die Axt im Anschluss sicher, sprach einen Platzverweis gegen den Mann aus und der Fall war erledigt.

Der Verlauf der polizeilichen Maßnahmen stößt bei den Merkurist-Lesern auf Unverständnis. „Nur nach Hause gebracht?“, „Was, wenn er nächstes Mal mit der Axt trifft?“ und „Warum kommt so jemand wieder auf freien Fuß?“ sind nur einige der Kommentare, die via Facebook abgegeben wurden. Und auch Christian Hill, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Ortsbeirat Westend, versteht die Welt nicht mehr.

„Das heißt also, dass ein potentieller Axt-Mörder hier in der Stadt frei herumläuft.“ - Christian Hill, CDU Westend

„Das heißt also, dass ein potentieller Axt-Mörder hier in der Stadt frei herumläuft. Oder wie habe ich das zu verstehen?“, fragt Hill in einer Presseerklärung. „So jemanden laufen lassen ist in keiner Weise nachvollziehbar. Die Bürger werden dadurch verunsichert und verlieren das Vertrauen in den Rechtsstaat“, so der CDU-Fraktionsvorsitzende.

„Keinem Menschen darf einfach so die Freiheit entzogen werden.“ - Michaela Plock, Polizei Westhessen

Doch genau dieser Rechtsstaat hat hier vorschriftsmäßig gearbeitet, erklärt Michaela Plock, Sprecherin der Polizei Westhessen. „Grundsätzlich darf keinem Menschen einfach so die Freiheit entzogen werden. Die persönliche Freiheit gehört zu den wichtigsten Grundrechten. Und wenn der Staat und seine Beamten in dieses Grundrecht eingreifen, dann braucht es eine Rechtsgrundlage“, sagt sie.

Wann eine Person in Untersuchungshaft genommen werden darf, regelt die Strafprozessordnung. In Paragraph 112 sind vier Haftgründe aufgelistet. Wenn auch nur einer davon zutrifft, kommt eine Person in Haft. Das geschieht etwa, wenn Fluchtgefahr besteht, der Tatverdächtige zum Beispiel über keinen festen Wohnsitz verfügt. Ein weiterer Haftgrund ist die Verdunklungsgefahr, wenn also befürchtet wird, dass Zeugen beeinflusst oder Beweismittel vernichtet werden. Untersuchungshaft wird außerdem beim Verdacht der Schwerkriminalität (zum Beispiel Mord) oder Wiederholungsgefahr angeordnet.

Keine Haftgründe

Im Fall des Axt-Angriffs in der Wellritzstraße habe jedoch keiner der vier Haftgründe vorgelegen, sagt Plock. „Somit wurde der Festgenommene keinem Haftrichter vorgeführt und keine Untersuchungshaft angeordnet.“ Stattdessen habe man aufgrund einer möglichen psychischen Erkrankung des Mannes einen Arzt hinzugezogen. Dieser habe aber von einer Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung abgesehen.

„Somit erhielt der Mann einen Platzverweis und wurde nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen nach Hause gefahren“, erklärt Plock. Straffrei kommt er aber natürlich nicht davon: Er muss sich nun in einem Ermittlungsverfahren wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten. (mo)

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