Peta fordert Aufhebung von Fütterungsverbot für Wiesbadener Tauben

Müssen Stadttauben wegen Corona hungern? Das zumindest befürchtet Peta und fordert die Stadt Wiesbaden auf, das bestehende Fütterungsverbot aufzuheben. Die Stadt sieht das allerdings kritisch - aus mehreren Gründen.

Peta fordert Aufhebung von Fütterungsverbot für Wiesbadener Tauben

Ganz gleich ob Dönerreste oder Brezelstücke, wählerisch sind die Tauben in der Wiesbadener Innenstadt nicht, wenn es ums Essen geht. Die Vögel tummeln sich mit Vorliebe an belebten Plätzen, in Bahnhöfen oder Einkaufsstraßen — eben dort, wo viele Menschen unterwegs sind und damit Essensreste abfallen. Doch volle Innenstädte gehören in Zeiten von Corona der Vergangenheit an. Und je leerer die Straßen sind, desto weniger Reste landen auf dem Boden.

Für die Tauben ist das eine gefährliche Situation — das zumindest befürchtet die Tierschutzorganisation Peta. Vielen Tieren drohe der Hungertod, da sie keine Nahrung mehr fänden. Ende März forderte Peta daher 78 Städte, darunter auch Wiesbaden und Mainz, dazu auf, bestehende Fütterungsverbote aufzuheben und kommunale Fütterungen zu organisieren.

Mehrere Taubenschläge in Wiesbaden

Doch die Stadt Wiesbaden sieht das kritisch. Denn: Ein isoliertes Fütterungsverbot — also ein Verbot ohne ausreichend betreute Schläge für Tauben — gibt es in Wiesbaden nicht. Stattdessen kümmert sich in Wiesbaden das Stadttaubenmanagement der Stadt um die Tiere. Dieses betreibt im Standesamt, im Europaviertel, auf dem Parkhausdach der Mauritiusgalerie sowie am Kranzplatz vier Taubenschläge.

An diesen Stellen bekommen die Tiere Futter und Wasser und werden bei Bedarf medizinisch versorgt. Gefüttert werden die Vögel außerdem auf dem Parkhausdach des Lili am Hauptbahnhof. So sollen sie an den Standort gewöhnt werden, da dort künftig ein weiterer Taubenschlag entstehen soll.

„Die Tatsache, dass sich der Verbrauch in den Schlägen erhöht hat, zeigt, dass die Tauben das Angebot annehmen“ - Ralf Wagner, Präventionsrat

„Die Tauben in Wiesbaden haben die Möglichkeit, in den Schlägen und an der Futterstelle ausreichend artgerechtes Körnerfutter zu erhalten“, erklärt Ralf Wagner, Geschäftsstellenleiter des Präventionsrates, gegenüber Merkurist. Wegen Corona hat die Stadt die Futtermenge an den Taubenschlägen bereits erhöht. „Die Tatsache, dass sich der Verbrauch in den Schlägen erhöht hat, zeigt, dass die Tauben das Angebot annehmen“, so Wagner.

Kein Fütterungsverbot? Negative Folgen für Tiere und Stadt

Würde die Stadt das Fütterungsverbot nun aufheben, hätte das laut Wagner verschiedene negative Folgen — sowohl für die Tiere, als auch für die Wiesbadener Bürger. Eine Fütterung außerhalb der Schläge würde die Tiere zum einen von diesen weglocken. „Die Schläge werden schlechter angenommen und es kann zu wilden, unkontrollierten Brutplätzen in der Nähe der Futterstellen kommen, denn Stadttauben brüten bevorzugt in der Nähe von Futterquellen“, erklärt Wagner.

„Bereits mit Fütterungsverbot wird viel an die Tiere verfüttert, was sie krank macht.“ - Ralf Wagner, Präventionsrat

Zum anderen sammeln sich an Stellen, an denen die Tauben regelmäßig gefüttert werden, große Schwärme. „Diese können die Belästigung und Verschmutzung der Umgebung erhöhen“, so Wagner. „Die Tauben in diesen Fressschwärmen gewöhnen sich an die Fütterung vor Ort und können sich nach Einstellung der Maßnahme nur schwer umgewöhnen.“ Die Tiere warten dann vergeblich auf ihr Futter. Zudem würden die Tauben ohne Fütterungsverbot vermutlich deutlich mehr schädliches Futter bekommen, so Wagner. „Bereits mit Fütterungsverbot wird viel an die Tiere verfüttert, was sie krank macht.“

Verstoß gegen Verbot kann teuer werden

Geregelt ist das Fütterungsverbot für Tauben übrigens in Paragraf 8, Absatz 1 der „Gefahrenabwehrverordnung über die Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung“ der Stadt. Wer sich darüber hinwegsetzt, muss tief in die Tasche greifen. Wie Wagner erklärt, handelt es sich bei einem Verstoß um einen Ordnungswidrigkeit. „Diese kann mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro geahndet werden.“

Für die Zukunft ist die Stadt indes weiterhin auf der Suche nach neuen Standorten für Taubenschläge, um die Taubenpopulation in Wiesbaden zu kontrollieren. Und es gibt noch weitere Pläne in punkto Stadttauben: „Für kranke oder verletzte Tauben und aufgefundene Jungtiere aus dem Wiesbadener Stadtgebiet ist der Bau einer Auffangstation in Planung“, erzählt Wagner. Dort solle es eine Krankenstation sowie mehrere Schläge und Volieren für die Vögel geben. (nl)

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