Gastronomen und Selbstständige bangen um ihre Existenz

Kleine und mittelständische Betriebe in Wiesbaden kämpfen derzeit mit neuen Öffnungszeiten und leeren Auftragsbüchern. Hilfe gibt es im Moment wenig, aber einige Informationsangebote.

Gastronomen und Selbstständige bangen um ihre Existenz

Kein Abendbetrieb mehr in den Gaststätten, abgesagte Sportangebote und vorübergehende Schließungen von Einzelhandelsgeschäften — die Maßnahmen, die am Montagabend beschlossen wurden, um die Ausbreitung des Coronavirus’ zu verlangsamen, werden ab Mittwoch den Alltag vieler Wiesbadener verändern.

Angst in vielen Branchen

„Für viele Betroffene geht das an die Existenz.“ - Peter-Martin Cox, NGG

Dabei bangen jetzt viele auch um ihren Job. So etwa Servicekräfte und Küchenpersonal in der Gastronomie und in der Hotellerie, denn verkürzte Öffnungszeiten bedeuten weniger benötigte Arbeitskraft im Betrieb. „Die meisten Kellnerinnen, Köche und Hotelfachangestellten müssen jetzt zuhause bleiben“, macht Peter-Martin Cox von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Rhein-Main (NGG) die Auswirkungen deutlich. Zwar bekommen die Betroffenen derzeit Kurzarbeitergeld ausbezahlt, doch das entspreche nur 60 Prozent des eigentlichen Einkommens. „Für viele Betroffene geht das an die Existenz“, sagt Cox.

Auch viele Dienstleister kämpfen mit der aktuellen Situation. Sie dürfen zwar unter verschärften Hygienebedingungen auch ab Mittwoch weiter ihrer Arbeit nachgehen, doch für viele spezielle Berufe gelten andere Regelungen. So müssen etwa Anbieter von Trainings- oder Sportangeboten auf unbestimmte Zeit aussetzen. Andere Dienstleister bekommen schon seit einigen Wochen keine Aufträge mehr, etwa Eventfotografen oder Künstler aus der Unterhaltungsbranche.

Hilfe vom Land

Das Land Hessen, so Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Montag, will für die Existenzsicherung der Selbstständigen jetzt einen Nachtragshaushalt an den Start bringen. Insgesamt will das Land so eine Milliarde Euro an Soforthilfen bereitstellen, weitere fünf Milliarden für Kredite. „Aber ein Nachtragshaushalt braucht einen Beschluss“, dämmte Bouffier die Hoffnungen bei vielen schnell ein. Zwar seien bereits Beratungen im Gange, doch bis alle rechtlichen Grundlagen für die Finanzhilfen geschaffen sind, können noch Wochen vergehen.

„Wichtig ist jetzt, dass die zugesagten Gelder auch schnell fließen.“ - Sabine Meder, IHK

„Wichtig ist jetzt, dass die zugesagten Gelder auch schnell und unbürokratisch fließen, damit die Betriebe ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen können“, sagt Sabine Meder, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Wiesbaden (IHK). Auch dort melden sich derzeit viele Wiesbadener, die in Sorge um ihre berufliche Existenz sind. „Als Dienstleister für die Unternehmen sind wir derzeit besonders gefragt“, sagt Meder. Beratungen seien derzeit begehrt, doch in Wiesbaden musste auch die IHK selbst ihren Besuchsbetrieb bis zum 19. April vorerst einstellen. Dennoch wolle man für Hilfesuchende da sein. „Damit wir handlungs- und arbeitsfähig bleiben und nicht weiter zur Verbreitung des Virus beitragen, haben wir entschieden, komplett auf digitale und telefonische Beratung umzustellen“, sagt sie.

Infos für Betroffene

Infos rund ums Thema — für allem für kleinere und mittlere Betriebe — hat die IHK außerdem online zur Verfügung gestellt. Auch die NGG hat eine Reihe von Tipps und Informationen für Berufstätige im Gastronomie- und Hotelleriebereich zusammengestellt. (nl)

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