Eine ganze Tankstelle für zwei Busse in zwei Städten

Bis zu acht Busse kann die neue Wasserstofftankstelle in Wiesbaden versorgen. Doch bisher konnten nur zwei Testfahrzeuge in die Region geliefert werden. Sie kommen bald in Wiesbaden und Mainz zum Einsatz.

Eine ganze Tankstelle für zwei Busse in zwei Städten

Rund 2 Millionen Euro haben die Länder Hessen und Rheinland-Pfalz in den Bau einer Wasserstofftankstelle auf dem Betriebsgelände der ESWE Verkehr gesteckt. Das dazugehörige Kompetenzzentrum liegt auf der anderen Rheinseite bei der Mainzer Mobilität. „Ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen den beiden benachbarten Landeshauptstädten“, findet die Mainzer Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne). Denn nicht nur das zuständige Technikteam sitzt in Mainz, dort wird auch der Wasserstoff gewonnen, der in Wiesbaden in die Bustanks fließt.

„Es ist ein Witz, dass wir jetzt nur zwei Busse haben.“ - Andreas Kowol, Verkehrsdezernent

Auch die Busse, die an der neuen Anlage betankt werden, sollen in beiden Städten unterwegs sein — wenn sie denn kommen. Denn so ganz hat der Aufbau des Fuhrparks bisher noch nicht funktioniert. „Es ist ein Witz, dass wir hier eine moderne Tankstelle schaffen, und jetzt nur zwei Busse dafür haben“, kommentiert der Wiesbadener Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne). Denn die bislang einzigen beiden Wasserstoffbusse, die bald durch Wiesbaden und Mainz fahren werden, sind nur geliehen.

Verspäteter Start

„Wir wissen noch nicht, welcher Antrieb sich langfristig durchsetzen wird.“ - Jörg Gerhard, ESWE Verkehr

Grund dafür sei ein „fortgesetzter Lieferverzug“ bei der Lieferantenfirma, erklärt Jörg Gerhard, Geschäftsführer der ESWE Verkehr. Umso glücklicher seien er und seine Kollegen von der Mainzer Mobilität, dass zwei Fahrzeuge für ein Jahr geliehen werden konnten. „Wir wissen noch nicht, welcher Antrieb sich langfristig durchsetzen und Dieselbusse endgültig ersetzen wird. Mit den Wasserstoffbussen und E-Bussen wollen wir uns breit aufstellen“, so Gerhard.

Derzeit verfügt die ESWE Verkehr über zehn Elektrobusse in ihrer Flotte. Mehr seien derzeit nicht möglich, weil die passende Ladeinfrastruktur in Wiesbaden noch fehle. Anders sieht es jetzt mit den Wasserstofffahrzeugen aus. Die neue Tankanlage kann bis zu acht Busse im laufenden Betrieb versorgen, ursprünglich wurden für die Region elf Busse geordert (wir berichteten). Ob und wann die Flotte nach den Lieferproblemen bei der ersten Bestellung aufgestockt wird, stehe aber noch nicht fest.

Zwei Testfahrzeuge unterwegs

Immerhin soll ein blau-grünes Testfahrzeug ab März in Wiesbaden unterwegs sein. Es soll auf den Linien 16 und 17 eingesetzt werden. Mit Distanzen vom Südfriedhof bis nach Naurod und von Klarenthal bis Bierstadt zählen sie zu den längsten Linien der ESWE Verkehr. Die Mainzer Mobilität will ihren schwarzen Wasserstoffbus vor allem auf den gemeinsamen Linien einsetzen, „denn wenn die Busse nach Wiesbaden fahren, können sie dort direkt getankt werden“, erklärt Jochen Erlhof, Geschäftsführer der Mainzer Mobilität.

In Mainz erwarte die Mainzer Mobilität derweil auch Busse mit Batterieantrieb. Sie sollen im März auf die Straßen kommen. Bisher sei es auf der anderen Rheinseite vor allem die Straßenbahn, die den Anteil des ÖPNV mit Elektroantrieb auf rund 35 Prozent bringt. „Es wird Zeit, auf mehr emissionsfreien ÖPNV umzusteigen. Hätte die Elektrifizierung schon früher begonnen, hätten wir jetzt vielleicht keine Probleme mit dem Dieselfahrverbot auf der Rheinachse“, sagt Eder. „Weil das auch die Theodor-Heuss-Brücke mit einschließt, muss ein Dieselverbotsschild wohl leider auch auf Wiesbadener Boden aufgestellt werden.“ (ts)

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