Die Finanzierung für das Bahn-Projekt „Wallauer Spange“ ist offenbar nicht gesichert. Das ergab laut Medienberichten eine Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine „Kleine Anfrage“. Der Wiesbadener Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Verkehrsdezernent Andreas Kowol reagieren darauf nach eigenen Angaben mit großem Unverständnis und Verärgerung.
„Diese Entwicklung wäre für dieses für das Rhein-Main-Gebiet so wichtige Bahnprojekt ein Schlag ins Gesicht tausender Pendlerinnen und Pendler, die auf einen verlässlichen Bahnverkehr angewiesen sind“, erklärt Mende. Nach jahrelanger Planung und wiederholten Zusagen der Bundesregierung käme dies einem Vertrauensbruch gleich. Die Stadt Wiesbaden fordere den Bund auf, die Finanzierung wie versprochen sicherzustellen und das Projekt ohne weitere Verzögerungen umzusetzen.
Verkehrsdezernent Kowol ergänzt, dass Fahrgäste in der Region schon jetzt in überfüllten Zügen reisen müssten. „Der Bau einer dritten, leistungsstarken Zugverbindung zwischen Wiesbaden und Frankfurt ist seit langem dringend erforderlich – für die Menschen und die Unternehmen in der Region“, so Kowol. Eine Streichung der Finanzierung wäre ein „fatales Signal“ für den Wirtschaftsstandort Rhein-Main.
Hintergrund
Mit der vier Kilometer langen Bahnstrecke „Wallauer Spange“ soll eine direkte Verbindung zwischen dem Wiesbadener Hauptbahnhof und der ICE-Schnellfahrstrecke Köln – Rhein/Main in Richtung Frankfurt Flughafen geschaffen werden. Die geplanten Hessenexpress-Linien sollen die Fahrzeiten nach Frankfurt und Darmstadt deutlich verkürzen und bestehende Verbindungen entlasten.
Zudem ist ein zusätzlicher Bahnhaltepunkt zwischen Delkenheim und Hofheim-Wallau geplant. Dieser soll den Osten von Wiesbaden besser an das regionale Schienennetz anbinden.
Ein Erörterungstermin zum Planfeststellungsverfahren, das vom 28. bis 31. Oktober 2025 geplant war, wurde vom Eisenbahn-Bundesamt abgesagt. Es soll zu einem anderen Zeitpunkt neu angesetzt werden.