Ärger um Blitzer in Ludwig-Erhard-Straße

Seit einem halben Jahr gilt in einem Abschnitt der Ludwig-Erhard Straße 50 anstatt zuvor 70. Jetzt führte die Verkehrspolizei dort erstmals eine Radarkontrolle durch, was viele Betroffene als Abzocke wahrnehmen.

Ärger um Blitzer in Ludwig-Erhard-Straße

Merkurist-Leser Michael ist verärgert. Wie so oft fuhr er in der vergangenen Woche mit Tempo 70 auf der Ludwig-Erhard-Straße von Dotzheim in die Innenstadt. Als er aber das grelle Licht einer Radarkontrolle bemerkte, war er verwundert:

Tatsächlich finden sich in der Straße keine Tempo 70 Schilder mehr — von einem 50-Schild ist aber auch nichts zu sehen. Diese Änderung wurde von der Stadt Wiesbaden jedoch nicht erst kürzlich vorgenommen, sondern besteht schon seit über einem halben Jahr. Schon damals zeigten sich viele Autofahrer über die Änderungen verwundert (wir berichteten). „Es gilt die grundsätzliche Regelung der Straßenverkehrsordnung, wonach innerorts Tempo 50 gilt“, erklärte das Verkehrsdezernat damals, weshalb die niedrigere Höchstgeschwindigkeit nicht mit neuen Schildern angezeigt wurde.

Vorwurf der Abzocke

Wirklich geärgert über die Änderung hatte sich bisher aber kaum jemand, was sicherlich auch daran lag, dass dort bisher keine Radarkontrollen durchgeführt wurden. Nach den ersten Kontrollen in den vergangenen Tagen kommen aber Vorwürfe, die Stadt würde dort Abzocke betreiben. Insgesamt fanden in den letzten Tagen zwei Kontrollen in der Straße statt, von der Landes- sowie von der Verkehrspolizei. Dass die kommunale Verkehrspolizei mit der Kontrolle die Autofahrer abzocken will, weist Winnrich Tischel, Leiter des Straßenverkehrsamtes, entschieden zurück: „Wir haben über ein halbes Jahr gewartet, bis wir dort erstmals kontrollieren. Bis dahin sollte jedem Autofahrer die Änderung bekannt gewesen sein.“

Auch, dass die Kontrolle nachts in der Zeit von 20 bis 3 Uhr durchgeführt wurde, sei für Tischel ein klares Signal, dass man den Fahrern nicht unnötig das Geld abknöpfen wolle. Vielmehr sei es der Verkehrsbehörde um die Einhaltung des Lärmschutzes gegangen. Zwar befinden sich unmittelbar an der Fahrbahn der Ludwig-Erhard-Straße keine Gebäude, bei zu hohen Geschwindigkeiten schalle der Verkehrslärm aber in die umliegenden Dotzheimer Wohngebiete.

Heftiges Ergebnis

Das Ergebnis der etwa achtstündigen Kontrolle fällt heftig aus. Über 600 Fahrzeuge seien in der Nacht zum Sonntag zu schnell unterwegs gewesen. Bei 429 davon stellte die Verkehrspolizei eine eher geringe Geschwindigkeitsüberschreitung von bis zu 20 km/h fest. 174 müssten mit einem Bußgeld rechnen und 58 sogar mit einem Fahrverbot. Der traurige Spitzenreiter sei mit 117 km/h unterwegs gewesen.

„Diese Ergebnisse zeigen für mich deutlich, dass Tempo 50 dort richtig ist“ - Winnrich Tischel

„Diese Ergebnisse zeigen für mich deutlich, dass Tempo 50 dort richtig ist“, meint Tischel. Denn das Tempo-70-Schild sei aus seiner Sicht für einige Fahrer ein Grund gewesen, ordentlich Gas zu geben. Das sehe man auch daran, dass viele der Überschreitungen auch bei dem alten Tempolimit ein Bußgeld zur Folge gehabt hätten.

Neben dem Lärmschutz war die Maßnahme auch Teil des Wiesbadener Luftreinhalteplans zur Verhinderung des drohenden Dieselfahrverbots. Zwar wurde das Verbot erfolgreich abgewendet, Tischel spricht sich aber klar für eine Beibehaltung von Tempo 50 in der Ludwig-Erhard-Straße aus. Dazu sei er schon mit dem Dotzheimer Ortsbeirat in Gesprächen.

Tischel appelliert an die Wiesbadener, genau auf die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten zu achten, denn Kontrollen wie die am Wochenende sollen in Zukunft häufiger vorkommen: „Wir sind fest entschlossen, dass Thema Geschwindigkeitsüberschreitungen in Wiesbaden intensiver anzugehen. Wir haben hier einiges vor.“ (js)

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