Dürfen in der Innenstadt bald nur noch Bewohner parken?

Klimanotstand in Wiesbaden! Doch anstatt in Panik oder Lethargie zu verfallen, hat das Jugendparlament Vorschläge erarbeitet, dem Wandel entgegenzuwirken. Unter anderem ist die Rede davon, das Parken in der Innenstadt nur noch Bewohnern zu erlauben.

Dürfen in der Innenstadt bald nur noch Bewohner parken?

40 Prozent des innerstädtischen Verkehrs in Wiesbaden wird von Autofahrern verursacht, die nach einem Parkplatz suchen. An Adventssonntagen kann der Wert auch mal auf 90 Prozent anwachsen. Zu diesem Urteil kommen jedenfalls Verkehrsforscher. Ein Unding, wie das Wiesbadener Jugendparlament (JuPa) meint. Das überparteiliche Gremium fordert deshalb, dass Parkflächen in der Innenstadt künftig nur noch Bewohnern zur Verfügung stehen sollten. Das beschloss das JuPa einstimmig auf seiner jüngsten Vollversammlung.

Der Vorschlag betrifft den Verkehrsraum abgegrenzt von der Wilhelmstraße, Rheinstraße, Bahnhofstraße, Kaiser-Friedrich-Ring, Bismarckring, Drudenstraße, Emser Straße, Coulinstraße, Saalgasse und Taunusstraße. Am 3. September wird der Antrag im Ausschuss für Planung, Bau und Verkehr beraten und zur Abstimmung gestellt.

Freiraum und Fahrradwege

„Wir müssen unsere Lebensweisen auf den Prüfstand stellen.“ - Moritz Wimmer, JuPa

Entstanden sei die Idee, so das JuPa, in Anbetracht der Tatsache, dass Wiesbaden den Klimanotstand ausgerufen habe. „Wir müssen einige unserer Lebensweisen auf den Prüfstand stellen, ihre Notwendigkeit hinterfragen und sie im Klimakontext sowie im Kontext der Luftqualität neu bewerten“, fordert Moritz Wimmer, Vorsitzender des JuPas.

Die durch die wegfallenden Parkplätze eventuell freiwerdenden Räume könnten dabei alternativ genutzt werden. Denkbar wäre es, so Wimmer, die neu entstehenden Freiflächen langfristig zu nutzen, um Fahrradwege auszubauen und Neubepflanzungen vorzunehmen.

Parkhäuser günstiger machen

Um den Einzelhandel durch den Vorstoß nicht zu schädigen und gleichzeitig Autofahrern die Möglichkeit zu erhalten, auch weiterhin in der Innenstadt zu parken, sollen die Wiesbadener Parkhäuser günstigere Tarife anbieten. Damit soll die Fahrt in die City nicht zur teuren Angelegenheit verkommen.

Um Preissteigerungen zu vermeiden und Parkhäuser gegebenenfalls sogar günstiger zu machen, fordert das JuPa die Stadtverordneten auf, ihr Vorhaben, die Parkhäuser in städtische Hand zu bekommen, konsequent umzusetzen. Das dürfte sich aber schwierig gestalten: Viele Parkhaus-Betreiber haben lange Pachtverträge und die Häuser zum Teil noch bis 2055 in der Hand (wir berichteten).

Pacht-Problem mit Parkhäusern

„Unserer Parkhäuser sind ein gutes Geschäft.“ - Frank Rothardt, ‘PS Hüfner‘

Und die Verträge vorläufig aufzulösen, liegt keineswegs im Interesse der Betreiber: „Unsere Parkhäuser in Wiesbaden sind für uns ein gutes Geschäft“, erklärt Frank Rothardt, Geschäftsführer von „PS Hüfner“ gegenüber Merkurist. Das Unternehmen betreibt mit den drei Parkhäusern am Markt, Luisenplatz und Coulinstraße drei der am meisten genutzten Häuser in Wiesbaden. Auch trotz der Preiserhöhung auf 3 Euro die Stunde habe er keinen Nutzerrückgang bei seinen Parkhäusern feststellen können, so Rothardt. Eine vorzeitige Beendigung der Pacht komme für ihn nicht in Frage, auch da er eine langfristige Verantwortung gegenüber seinen Angestellten habe.

Um etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, hat das JuPa auch weitere konkrete Vorschläge erarbeitet, die in der Stadtverordnetenversammlung auf den Prüfstand kommen könnten. Darunter unter anderem die Idee, mehr öffentliche Wasserspender aufzustellen, um weniger Plastikflaschen zu verbrauchen oder der Vorschlag, Bushaltestellendächer zu begrünen. Doch auch letzteres ist nicht so einfach umzusetzen, wie ESWE Verkehr und das Umweltdezernat kürzlich gegenüber Merkurist erklärten. (ms)

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