Bettel-Banden in Wiesbaden: Wie konsequent die Stadt gegen sie vorgeht

Immer wieder sind in Wiesbaden bettelnde Menschen aus Osteuropa zu sehen. Einige von ihnen scheinen dabei in Banden organisiert zu sein. Wie die Stadt jetzt gegen sie vorgeht und was aggressiven Bettlern für Strafen drohen.

Bettel-Banden in Wiesbaden: Wie konsequent die Stadt gegen sie vorgeht

Viele sind in der Innenstadt oder auch mal am Bahnhof anzutreffen. Mittlerweile sind Bettler aber auch auf Supermarkt-Parkplätzen oder direkt vor Geschäften zu sehen. Andere ziehen augenscheinlich mit körperlichen Gebrechen durch die Fußgängerzone. Letzteres hat auch Leser Michael beobachtet. „Seit langer Zeit sieht man sie mit geknicktem Fuß an den Ampeln betteln“, schreibt er. Doch allem Anschein nach täuschen diese Bettler eine Behinderung nur vor, wie Michael meint. „Ich habe sie auch am Bahnhof stehen sehen, bei einer Kaffeepause, mit jonglierenden Krücken und bei bester Laune. Normal gehend, ohne irgendeine körperliche Einschränkung. Das ist organisiert“, kommentiert er.

„Bettler zentral in Stadt abgesetzt und wieder abgeholt“

Andere Leser haben teilweise ähnliche Beobachtungen gemacht: „Bei Globus in Nordenstadt auf dem Parkplatz betteln auch mehrere zusammen. Teilweise klopfen sie an den Scheiben der Autos, wenn da noch jemand drin ist. Oder stellen sich in den Weg.“ Vielfach erscheint das Vorgehen der Bettler dabei organisiert. Doch gerade das organisierte Betteln ist laut Verordnung in Wiesbaden untersagt.

Gleiches gilt für das aggressive Betteln (beispielsweise hartnäckiges Ansprechen von Personen) sowie das Betteln mit Kindern. Dass es in Wiesbaden speziell auch zu organisiertem Betteln kommt, hält die Stadt nicht für abwegig. So erklärte ein Stadtsprecher gegenüber Merkurist schon im letzten Jahr: „Da zumindest ein Teil der Bettler zentral mit Fahrzeugen in Wiesbaden abgesetzt und auch wieder abgeholt wird, liegt der Verdacht nahe, dass es sich um organisiertes Betteln handelt.“

Stadt geht gegen aggressive Bettler vor

Die Stadt Wiesbaden geht nun jedenfalls ganz konsequent in solchen Fällen vor. „Sofern der Stadtpolizei eine Häufung von Bettlern auffällt oder dieses uns von Bürgern gemeldet wird, wird die Stadtpolizei tätig und versucht durch intensive Kontrollen, die Bettler zu verdrängen.“ Das sei der Stadtpolizei seit der Einführung der Vereinbarung mit der Landespolizei bisher immer gut gelungen. Zuletzt habe es Ende November Meldungen über aggressives Betteln in der Fußgängerzone gegeben, teilt eine Stadtsprecherin mit. „Entsprechend des dargestellten Ablaufplans konnten die aggressiven Bettlerinnen und Bettlern innerhalb von zwei Wochen aus der Stadt verdrängt werden.“

Darüber hinaus seien der Stadtpolizei Bettler vor allem an der Kreuzung Gustav-Stresemann-Ring und der Frankfurter Straße bekannt. Zeitweise seien auch noch weitere Kreuzungen im Stadtgebiet betroffen, so die Sprecherin. Gleiches gelte für den Bereich der Kassenautomaten am Parkhaus Dern’sches Gelände. Übergriffe der Bettler auf Passanten seien bisher aber nicht bekannt. „Bürger können sich aber jederzeit bei der Stadtpolizei unter (0611) 31 44 44 melden, wenn sie von Bettlern bedrängt werden.“

Doch mit welchen Strafen müssen hartnäckige Bettler in Wiesbaden überhaupt rechnen? „Bei aggressivem Betteln werden die Daten aufgenommen und Platzverweise erteilt“, so ein Sprecher. Die Einleitung eines Bußgeldverfahrens gestalte sich in der Praxis allerdings schwierig bis unmöglich, da es sich meist um Personen aus Südosteuropa – insbesondere Rumänien – handele. Daher prüfe die Stadt, ob sie das erbettelte Geld in Zukunft als Sicherheitsleistung für ein nachfolgendes Bußgeld einziehen kann.

Weitere Infos und Hintergründe zum Thema, konkret auch zu Wiesbaden, bietet eine Reportage, die in der ARD-Mediathek abrufbar ist.

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