Dieser Facebook-Post berührt Tausende Nutzer

Noch immer macht viele die Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof fassungslos. Die Mainzer Verlegerin Karin Schmidt-Friderichs hat die Attacke vor Ort mitbekommen - und äußert sich in einem bewegenden Facebook-Post.

Dieser Facebook-Post berührt Tausende Nutzer

Was am Montag am Frankfurter Hauptbahnhof geschah, wird vielen noch lange nachgehen (wir berichteten). So auch der Mainzer Verlegerin Karin Schmidt-Friderichs. Sie war im Frankfurter Hauptbahnhof, als ein Mann ein achtjähriges Kind und dessen Mutter vor einen ICE schubste. In einem Facebook-Post, der mittlerweile fast 12.000 mal geteilt worden ist, schildert sie ihre Eindrücke.

Die Mainzerin war nach eigenen Angaben nicht weit von der Unglücksstelle entfernt. „Der entsetzliche Schrei klingt nach. Und das Erlebnis, wildfremde Menschen fest in den Arm zu nehmen, weil sie sichtlich Schockreaktionen zeigen“, schreibt Schmidt-Friderichs. Sie habe erlebt, „dass direkt im Anschluss weintrinkende Menschen auf reservierte Plätze in Ersatzzügen bestehen, aber auch, dass Menschen ihre Koffer öffnen, saubere Kleidung auf den Boden legen, damit verstörte Menschen ihre Füße hochlegen können. Wenn etwas Schlimmes passiert, zeigt sich fratzenhaft der wirkliche Charakter. Gute Züge (im Menschen) werden besser, schlechte schlechter.“

„Es ist immer sehr einfach, zu schimpfen. Zu verurteilen.“

Und die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels warnt, dass so manche Reaktion aus der Gesellschaft nicht auf alle Menschen mit Migrationshintergrund pauschal übertragen werden dürfe. Und auch dafür, dass so mancher genervt reagiert habe, zeigt die Verlegerin wenig Verständnis. „Viele Züge fielen aus oder hatten Verspätung. Ja, das nervt, ABER die Bahn hat megaschnell und hervorragend reagiert. Bahnsteige und Züge mussten geräumt und evakuiert werden, Menschen psychologisch betreut, der Täter gefasst. In weniger als fünf Minuten waren mehr als fünfzig Helfer, Sanitäter, Polizisten am Gleis. Reisende halfen einander. Es ist immer sehr einfach, zu schimpfen. Zu verurteilen. Und Gewalt gehört verurteilt. Immer. Egal, von wem sie ausgeht und wie die Hautfarbe und Herkunft ist.“ Man werde über Sicherheit nachdenken müssen und über die Frage, woher „derart widerwärtige Aggression kommt“. „Die Wahrheit ist komplex. Und immer komplexer als rechte Idioten sie jetzt ausschlachten.“

Abschließend fasst Schmidt-Friderichs ihre Gedanken noch einmal in deutliche Bilder: „Ich höre den Schrei noch und wünschte, ich könnte ihn vergessen. Ich spüre aber auch, dass das Gute heute am Frankfurter Hauptbahnhof etwas besser war. Und ich wünsche mir so, dass wir auch das sehen. Kultivieren. Ausbauen. Irgendwo in einem Krankenhaus in Frankfurt liegt eine Mutter, die - selbst ins Gleisbett geschubst - ihr Kind sterben sah. Das Schlimmste, was ein Mensch erleben kann. Ich bin nicht gläubig, aber jetzt vor dem Einschlafen werde ich beten. Für die Frau, die zehn Meter von mir entfernt ihr Kind verlor. Und ich werde bitten, dass die Tatsache, dass der Idiot, der das tat, Eriträer war, das Klima in Deutschland nicht weiter vergiftet...“

Fast 4000 Kommentare sammelten sich unter ihrem Facebook-Post, fast 23.000 Reaktionen gab es. „Vielen Dank für diesen Text. Die Hetze über Flüchtlinge ist unerträglich“, schreibt etwa eine Nutzerin. Ein anderer User kommentiert: „Danke für diesen bewegenden und ehrlichen Beitrag und ich hoffe Sie werden den Schrei irgendwann immer leiser und dann gar nicht mehr hören.“ Für diese zahlreichen Reaktionen bedankt sich die Mainzer Verlegerin in einem weiteren Post: „Ich wünsche mir nichts mehr, als dass die teilweise fragwürdigen Kommentare unter meinem Post nicht ernst genommen werden. Wer sich positioniert, riskiert rassistische und sonstwie fragwürdige Antworten. Ich kommentiere sie nicht. Und manche mag ich auch nicht lesen. Ich danke aber ausdrücklich für die einfühlsamen Anmerkungen...“ (js)

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