Wiesbadener empört wegen Entfernung illegaler Straßen-Markierung

Die Stadt Wiesbaden entfernt 170 illegale Straßenmarkierungen. Verkehrsdezernent Dahlen war bei den Arbeiten vor Ort und traf auf einen empörten Anwohner, der um seine Einfahrt fürchtet.

Wiesbadener empört wegen Entfernung illegaler Straßen-Markierung

Selbst gemalte Parkplätze, private Sperrflächen oder falsche Zebrastreifen: Die Stadt Wiesbaden hat rund 170 nicht genehmigte Markierungen im Stadtgebiet erfasst und will diese nun entfernen (wir berichteten). Bei einem Pressetermin am Donnerstag (22. Oktober) in der Eltviller Straße informierte Verkehrsdezernent Marc Dahlen (CDU) über die Aktion, während im Hintergrund bereits die Fräsmaschine lief – zum Ärger eines Anwohners.

„Manche Bürgerinnen und Bürger sind ausgesprochen kreativ, wenn es darum geht, sich einen Parkplatz vor der eigenen Haustür zu sichern“, erklärte Dahlen. Doch was für den Einzelnen praktisch sein mag, ist für die Allgemeinheit ein Problem. „Solche Markierungen sind nicht erlaubt. Sie können andere Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer irritieren, die Verkehrssicherheit beeinträchtigen und anderen Menschen rechtmäßig nutzbare Parkplätze wegnehmen.“

Die Bandbreite reicht von weißen Linien für private Stellflächen bis hin zu kuriosen Eingriffen. Gegenüber Merkurist schildert Dahlen den gefährlichsten Fall: ein Zebrastreifen wurde mitten in einen Kreisverkehr gemalt. „Das klingt auf den ersten Blick vielleicht amüsant. Tatsächlich können solche Eingriffe aber gefährlich werden“, so Dahlen. Ein solcher Streifen schaffe eine falsche Sicherheit für Fußgänger. Der Appell des Dezernenten ist daher eindeutig: „Sparen sie sich die Farbe, sparen sie sich den Weg zum Baumarkt. Wir haben die Markierungen auf dem Schirm und werden es wieder entfernen.“

„Ich fürchte, es wird wieder Ärger geben“

Wie viel Ärger die Aktion auslösen kann, zeigte sich direkt vor Ort. Während die Arbeiter eine weiße Markierung vor einer Einfahrt mit einer Betonfräse abschliffen, trat ein Anwohner auf die Straße. „Das ist meine Ausfahrt“, erklärte der Elektriker, der nach eigenen Angaben seit 40 Jahren in dem Haus wohnt. Die Markierung sei schon Jahrzehnte da, um die Zufahrt für sein Arbeitsfahrzeug freizuhalten. „Ich hab meine Werkzeuge da drinnen. Ich muss Material ein- und ausladen.“

Obwohl er sichtlich verärgert war, blieb er im Gespräch mit den Bauarbeitern höflich. Seine Sorge ist nun, dass sein Problem zurückkehrt: „Ich fürchte, dass die Leute noch mehr vor meinem Haus und vor meiner Einfahrt parken. Es wird wieder Ärger geben, ich muss wieder abschleppen lassen.“

Teure Entfernung und Schäden am Asphalt

Die Mitarbeiter des Verkehrsdezernats sprachen den mutmaßlich Verantwortlichen nicht an. Verkehrsdezernent Dahlen erklärte, es gehe ihm weniger um Bußgelder als darum, ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen. Die Entfernung der illegalen Farbe ist aufwendig und kostspielig. Besonders bei Kopfsteinpflaster müsse die Farbe per Hand entfernt werden, was Kosten im vierstelligen Bereich verursachen könne. Zudem kann der Straßenbelag beschädigt werden, was später zu Schlaglöchern führen kann.

Entdeckt wurden die rund 170 Markierungen bei der systematischen digitalen Erfassung des Wiesbadener Straßennetzes. Innerhalb der nächsten sechs Monate sollen sie nun verschwinden, beginnend in Stadtteilen wie Biebrich, Kastel und Dotzheim. Dahlen appellierte an die Bürger, sich bei Bedarf an die Stadt zu wenden, anstatt selbst aktiv zu werden. „Farbeimer und Pinsel sind dafür der falsche Weg.“