Aktivisten besetzen Schlossplatz in Wiesbaden

In der Luft hängend

Aktivisten besetzen Schlossplatz in Wiesbaden

Eine Gruppe von Aktivisten hat am Mittwochmittag den Schlossplatz vor dem Hessischen Landtag besetzt. Hintergrund ist der geplante Neubau eines Logistikgebiets auf einer Ackerfläche bei Neu-Eichenberg im Norden Hessens.

Die Aktivisten haben auf dem Platz Tripods aufgebaut, auf deren Spitzen sie teilweise sitzen. Auch Banner und Flaggen wurden gehisst, eines davon wurde sogar auf dem Dach des Landtags entrollt. Die Aussagen: „Bodenschutz ist und bleibt Handarbeit“ oder „Logistikzentrum bleib uns vom Acker“. Mehrere Stunden lang waren Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr vor Ort, um den Bereich abzusperren und Gefahren für die Öffentlichkeit und die Aktivisten auszuschließen.

Gegen 13.50 Uhr nahm die Polizei die Personalien von insgesamt neun am Boden stehenden Personen auf, acht von ihnen erhielten einen Platzverweis. Die vier in der Luft hängenden Aktivisten gingen erst gegen 16:40 Uhr wieder zu Boden. Eine Person konnte sich ausweisen und wurde vor Ort entlassen. Die übrigen drei wurden zur Identitätsfeststellung zum 1. Polizeirevier verbracht und nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen ebenfalls entlassen.

Hinter der Aktion steckt die Gruppe „Acker bleibt“, die sich für den Erhalt des Ackers im Werra-Meißner-Kreis einsetzt, der einem Logistikgebiet weichen soll. „Dort drohen 80 Hektar Ackerland (über 100 Fußballfelder) durch den Bensheimer Investor Dietz AG versiegelt zu werden“, schreibt die Gruppe auf einem Flyer, der am Mittwoch auch in Wiesbaden verteilt wurde.

Seit Anfang Mai besetzt ein Teil der Gruppe den besagten Acker, der noch von einer Gesellschaft des Landes Hessen gepachtet wird. An dieses richtet sich der Protest der Gruppe — denn die schwarz-grüne Landesregierung hat im aktuellen Koalitionsvertrag die „Sicherung von landwirtschaftlichen Flächen“ als wichtiges Ziel festgehalten.

„Wir sind heute hier in Wiesbaden, um die Situation deutlich zu machen: Dort drinnen tagt gerade der hessische Landtag, doch hier draußen ist die Bewegung“, so eine Aktivistin in einem Pressestatement. „Die völlig verfehlte Politik, ein klimaschädliches Logistikgebiet auf bestem Ackerboden zu bauen, zeigt einmal wieder deutlich, was grüne Versprechungen für mehr Klimaschutz eigentlich bedeuten.“

Luca Rosenberg, Pressebeauftragter von „Acker bleibt“, zog gegen 13:45 Uhr ein positives Zwischenfazit. „Zum Teil sind Abgeordnete in der Pause runtergekommen, um sich mit uns auszutauschen“, so Rosenberg gegenüber Merkurist. „Mit vielen Menschen kommt man gut ins Gespräch.“ Insgesamt 15 bis 20 Aktivisten seien in Wiesbaden vor der Landtag. Wie es vor Ort weitergeht und ob der Schlossplatz geräumt wird, ist noch unklar.

Weitere Informationen folgen.

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