Was passierte mit Melanie Frank aus Klarenthal?

Vor rund 20 Jahren verschwand die damals 13-jährige Melanie Frank in Klarenthal. Jahrelang galt sie als vermisst, bis 2008 Knochen in einem Wald bei Kisselberg auftauchten. Gelöst wurde der Fall allerdings bis heute nicht.

Was passierte mit Melanie Frank aus Klarenthal?

Es ist der 16. Juni 1999, als Melanie Franks Mutter ihre Tochter gegen 20:30 Uhr nochmal nach Draußen schickt. Von der Wohnung in der Klarenthaler Graf-von-Galen-Straße soll die 13-Jährige zum Zigarettenautomaten in der Hermann-Brill-Straße laufen. Nur wenige Minuten zu Fuß liegen zwischen beiden Orten, und trotzdem: Melanie kommt an diesem Abend nicht mehr nach Hause. Eine Zeugin wird später aussagen, dass sie Melanie gegen 21 Uhr vor einem Haus in der Graf-von-Galen-Straße gesehen hat — rund 150 Meter von der Wohnung entfernt. Was danach passiert ist, ist bis heute nicht bekannt.

Nur eines ist mittlerweile klar: Melanie ist tot. Am 20. August 2008 entdeckten Waldarbeiter einen skelettierten menschlichen Schädel in einem Wald an der L214 bei Kisselbach im Rhein-Hunsrück-Kreis, rund 55 Kilometer von Melanies Zuhause entfernt. Kurz darauf fand die Polizei dort außerdem einen Oberschenkelknochen. Monatelang wurden die Funde rechtsmedizinisch untersucht, bis im Frühjahr 2009 feststand, dass es sich dabei um Melanies Knochen handelt. Für die Polizei ist damit klar: Das Mädchen wurde Opfer eines Verbrechens.

Doch vom Täter fehlt bis heute jede Spur. Und auch der Abend ihres Verschwindens gibt noch immer Rätsel auf. Denn niemand weiß, ob Melanie tatsächlich am Zigarettenautomat war. Laut der Zeugin, die sie nur 150 Meter von ihrem Wohnhaus entfernt gesehen haben will, wirkte das Mädchen, als würde es auf etwas oder jemanden warten, schaute immer wieder auf die Uhr. Auch nach dem Fahrer eines dunklen BMW, der mit dem Verschwinden zu tun haben könnte, sucht die Polizei bis heute.

Bekanntschaften am Kiosk?

Einen weiteren Punkt aus Melanies Alltag, der bis heute Fragen aufwirft, stellte das Hessische Landeskriminalamt (HLKA) 2005 in der ZDF-Serie „Aktenzeichen XY…ungelöst“ vor. Zu diesem Zeitpunkt galt Melanie noch als vermisst, von einem Verbrechen gingen die Beamten jedoch schon damals aus. Melanie ging regelmäßig bei Kiosken in der Umgebung einkaufen, machte Besorgungen für ihre Mutter oder kaufte sich Süßigkeiten.

„Wir haben die Vermutung, ihr war nicht bewusst, in welche Gefahr sie sich dadurch zeitweise begeben hat.“ - Monika Schmirl, Hessisches Landeskriminalamt

Vor allem der Kiosk am Einkaufszentrum in Klarenthal Nord war beinah täglich Ziel des Mädchens. Ein Ort, an dem sich laut HLKA auch oft trinkende Männer aufhielten. „Wir wissen, dass Melanie trotz ihres reifen Äußeren kein sonderlich großes Interesse an gleichaltrigen Jungs oder sogar Männern hatte“, sagte Monika Schmirl vom HLKA damals in der Sendung. „Sie war sehr vertrauensselig und wir haben die Vermutung, ihr war nicht bewusst, in welche Gefahr sie sich dadurch zeitweise begeben hat.“ Immer wieder habe sich das hilfsbereite Mädchen auch von Fremden ansprechen lassen.

Fragen, die noch heute auf Antworten warten

Hat sie so möglicherweise jemanden kennengelernt, der ihr Vertrauen später ausgenutzt hat? In der „Aktenzeichen“-Sendung von 2005 teilten die Ermittler mit, dass sie den Fall damals, rund fünf Jahre nach Melanies Verschwinden, neu aufgerollt und bewertet hätten. Das Ergebnis: Statt auf einen Zufallstäter gebe es nun vage Hinweise darauf, dass jemand Melanies Vertrauen gewonnen haben könnte. Damals fragten die Ermittler deshalb gezielt nach dem Umfeld der Schülerin, nach Personen, die mehr über Kontakte Melanies wissen oder die erklären können, warum Melanie so oft mit deutlicher Verspätung von der Schule — sie besuchte die August-Hermann-Franke-Schule — nach Hause kam. Fragen, die auch heute noch auf Antworten warten.

So sucht das HLKA in der noch immer öffentlichen Fahndung unter anderem nach Personen, die etwas über das Kind wissen und bisher nicht vernommen wurden, Spaziergängern, die verdächtige Personen oder Autos bei Kisselbach gesehen oder Kleidungsstücke des Mädchens entdeckt haben sowie nach einem dunklen 3er oder 5er BMW mit lauten Fahrgeräuschen, der nach Zeugenaussagen mit dem Verschwinden des Mädchens im Zusammenhang stehen könnte. Auch Hinweise auf bisher noch nicht angezeigte Sexualstraftaten gegen Kinder in Wiesbaden oder Kisselberg aus der damaligen Zeit könnten weiterhelfen.

Staatsanwaltschaft prüfte Zusammenhang mit anderem Fall

Im vergangenen Jahr kam — zumindest kurzzeitig — Bewegung in den Fall. Im Fall der achtjährigen Johanna Bohnacker, die knapp drei Monate nach Melanie in der Wetterau verschwand und 2000 tot aufgefunden wurde, startete der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter Rick J. im April 2018. Der Mann war im Oktober zuvor festgenommen worden — rund 18 Jahre nach der Tat.

„Ein Tatnachweis konnte jedoch nicht geführt werden.“ - Oliver Kuhn, Staatsanwaltschaft Wiesbaden

In dem Zusammenhang wurden auch zwei weitere Fälle verschwundener oder getöteter Mädchen aus der Umgebung wieder aufgegriffen — unter anderem Melanie Frank. Doch die Hoffnung auf den Durchbruch hielt nur kurz an. „Derzeit liegen keine neuen Erkenntnisse im Fall Melanie Frank vor“, so Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn von der Staatsanwaltschaft in Wiesbaden gegenüber Merkurist. Eine etwaige Täterschaft von Rick J. sei zwar geprüft worden. „Ein Tatnachweis konnte jedoch nicht geführt werden.“

Dennoch: Gerade der Fall Johanna Bohnacker zeigt, dass Verbrechen auch nach vielen Jahren aufgeklärt werden können. Angewiesen sind die Ermittler aber in vielen Fällen darauf, dass sich Zeugen oder sogar Mitwisser Jahre später doch noch äußern. Weil ihnen etwas von damals einfällt — oder weil sie einfach nicht mehr schweigen wollen.

Die vollständige Fahndung im ungeklärten Fall Melanie Frank findet Ihr hier. Hinweise nimmt das Landeskriminalamt in Wiesbaden entweder telefonisch unter der Rufnummer (0611)/838300, per Mail an hlka@polizei.hessen.de oder über das Hinweisformular auf der Fahndungsseite an.

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