Westend Ortsvorsteher: „Das ist einmalig in Deutschland“

Im ersten Teil unseres Interviews mit Volker Wild haben wir über Vorurteile, schlechte Erfahrungen und Lösungsansätze gesprochen. Im zweiten Teil geht es um die Waffenverbotszone, Platzprobleme und um Dinge, die das Westend lebenswert machen.

Westend Ortsvorsteher: „Das ist einmalig in Deutschland“

Laut, dreckig, kriminell: Wenn man die Wiesbadener nach ihrem Eindruck vom Westend fragt, zeichnen viele Menschen ein eher negatives Bild von dem Stadtteil. Andere schwärmen von den Bars und Restaurants und dem sozialen und kulturellen Miteinander. Im Gespräch mit Volker Wild, Ortsvorsteher des Westends, wollten wir wissen, wie er selbst seinen Stadtteil sieht.

Seit einem guten Jahr gibt es die Fußgängerzone in der Wellritzstraße. Wie ziehen Sie Bilanz?

Das ist eine sehr gute Sache, finde ich — dass man versucht, den Verkehr aus dieser Straße herauszunehmen und auch das Schaufahren und Posen einzudämmen. Und das man zum anderen versucht, die Straße anders zu beleben. Der Wellritzhof ist dort, da können die Kinder mal raus, es ist eine Möglichkeit für die Gastronomie, sich dort besser darzustellen und sich auch für andere Besuchergruppen zu öffnen, vielleicht aus der Innenstadt. Das sollten wir auf jeden Fall aufrecht erhalten und wenn möglich auch noch ausweiten.

Gibt es schon Bereiche, wo man sich vorstellen kann, das auszuweiten?

Das einfachste wäre, den nächsten Abschnitt noch dazu zu nehmen. Wir hatten ursprünglich geplant, die Fußgängerzone von der Schwalbacher Straße aus beginnen zu lassen. Aber das ließ sich dann wegen der Firma „Auto Neu“, die ja mit Neuwagen beliefert werden muss, nicht verwirklichen. Jetzt wäre es ja möglich, den weiteren Bereich bis zur Wallramstraße zu nehmen. Das würde allerdings dazu führen, dass der Verkehr neu geführt und die Einbahnstraßenregelung eventuell verändert werden müsste.

Wäre es denkbar, auch die Waffenverbotszone auszuweiten, sie etwa weiter ins Westend auszudehnen?

Nein, das glaube ich nicht. Die Schwerpunkte, das wurde durch eine Menge an Zahlen und Fakten belegt, sind nicht weiter im Westend. Die Notwendigkeit ist eindeutig um den Platz der Deutschen Einheit und vielleicht noch teils in der Helenen- oder Hellmundstraße. Jedenfalls ein sehr enger Bereich und ich glaube nicht, dass das vorgesehen ist.

Der Parkplatzdruck ist immens, der Platz ist begrenzt: Kann man das Parkproblem im Westend überhaupt lösen? Und wenn ja, wie?

Ich würde sagen, dass das Verkehrsproblem das größte Problem im Westend ist. Legaler Parkraum ist knapp, wenn man spätabends kommt, sucht man teils eine Stunde nach einem Parkplatz. Da werden dann Gehwege zugeparkt, weil der nächste legale Parkplatz erst am zweiten Ring zu finden ist. Es ist schon schwer und ein großes Problem. Aber wir müssen die Gehwege für die Fußgänger freihalten und es muss ordentlich durchgegriffen werden.

Am besten wäre es, das Problem baulich zu lösen, also Poller zu setzen. Auch wenn das viele nicht gerne sehen, aber wenn da als Alternative ein Auto steht, gibt es auch Probleme. Mit einem Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen kommt man an vielen Stellen nicht mehr durch, weil die Leute sich einfach rücksichtslos auf die Kreuzung stellen. Es ist wie eine Flut, die man mit einem Deich eindämmen muss. Und wenn man irgendwo ein Loch lässt, dann kommen die Autos immer weiter durch. Ich bin viel in Deutschland unterwegs, aber so etwas habe ich noch in keiner anderen Stadt gesehen.

Jetzt haben wir viele negative Punkte besprochen – was sind denn die positiven Seiten des Stadtteils?

Ich finde das Westend hat sehr viel Positives. Gerade durch die dichte Bebauung hat man kurze Wege. Man kann seinen gesamten Bedarf zu Fuß decken. Man muss nicht mit dem Auto los, sondern kann hier alles bekommen. Außerdem haben wir hier über 18.000 Einwohner auf 0,66 Quadratkilometern – das ist eine enorme Zahl, die glaube ich deutschlandweit einmalig ist.

Die Häuser haben Hinterhäuser, Seitenbauten, die hinter sehr schönen Fassaden versteckt sind, da gibt es so viel zu entdecken. Und in den Hinterhäusern wohnen dann auch Leute, die sich das Vorderhaus vielleicht nicht leisten können. Dort hat man es auch schön ruhig. Und es ist schön grün im Westend. Mit dem Programm „Grün in der Stadt“ sollen außerdem noch mehr Hausbesitzer ermutigt werden, in ihrem Hof etwas zu machen, damit es noch grüner wird.

Ein anderer toller Punkt: Es gibt viele Lokale. Dadurch entsteht hier als einziger Ort in Wiesbaden eine großstädtische Atmosphäre. Wir haben hier das lebendige Fünfeck, im Gegensatz zum historischen Fünfeck. Es haben zuletzt viele Cafés aufgemacht und ich hoffe, die können überleben. Da gibt es sehr hübsche und nette Lokale, das müsste aber auch alles noch mehr genutzt werden. Wir bräuchten auch noch viel mehr Studenten, gerade im Westend. (ab)

Zu Teil 1 des Westend-Interviews:

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