Wie Fundsachen aus Wiesbaden online unter den Hammer kommen

Schnäppchen und seltene Gegenstände - das versprechen sich viele, die bei Auktionen von Fundbüros mitbieten. In Wiesbaden ist das nicht an feste Termine gebunden, stattdessen werden die Sachen im Internet versteigert.

Wie Fundsachen aus Wiesbaden online unter den Hammer kommen

Zwei Bieter kämpfen am Donnerstagvormittag um eine Marken-Herrenjacke in Größe S. Im Laden würde sie sicher mindestens 150 Euro kosten, kurz vor Ende der Auktion steht sie bei knapp unter 30. Das Kleidungsstück, auf das die beiden hoffen, stammt aus Wiesbaden. Irgendjemand hat es liegen lassen. Vielleicht im Park, am Bahnhof oder in einem Lokal? Egal von wo aus, es hat seinen Weg zum Fundbüro gefunden. Und von dort aus wird es jetzt weiterverkauft — an den Höchstbietenden.

„Gerne ersteigert werden Fahrräder, technische Geräte sowie Markenkleidung.“ - Ralf Wagner, Stadt Wiesbaden

„Gerne ersteigert werden Fahrräder, technische Geräte sowie Markenkleidung oder wertige Sonnenbrillen“, weiß Ralf Wagner, Leiter der Geschäftsstelle des Präventionsrates der Stadt Wiesbaden. Tatsächlich wird am Donnerstag auch ein türkisfarbenes Damenfahrrad angeboten. Fünf Euro lautet das Mindestgebot, wie teuer es am Ende wird, wird sich in den kommenden drei Tagen zeigen. Denn so lange läuft die Versteigerung noch — und zwar online.

Online-Versteigerungen

„Durchschnittlich ist mit einer Anzahl von zehn bis 15 Versteigerungen im Monat zu rechnen.“ - Ralf Wagner

Fundstücke aus dem Fundbüro werden in Wiesbaden nämlich seit 2016 nicht mehr vor Ort versteigert, sondern im Online-Auktionshaus des Zolls. „Durchschnittlich ist mit einer Anzahl von zehn bis 15 Versteigerungen im Monat zu rechnen“, erklärt Wagner. Jedoch gebe es auch Monate, in denen deutlich mehr oder nur wenige oder gar keine wertigen Fundsachen versteigert werden, nachdem die Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist. Bevor die Sachen verkauft werden, lagern die Mitarbeiter des Fundbüros sie nämlich erst einmal für sechs Monate ein. So lange hat der eigentliche Besitzer Zeit, um die Dinge dort abzuholen.

Die häufigsten Fundstücke sind laut Wagner Schlüssel, Geldbörsen und Handys. Sie geben meistens noch einen Hinweis auf den Besitzer. Wird ein Fundstück gebracht, versuche das Büro den Besitzer zu kontaktieren. Bei Ausweisdokumenten ist das am einfachsten, der Besitzer kann nämlich per Post angeschrieben werden. Schwieriger wird es beim Abholen für den Besitzer, wenn er nachweisen muss, dass ein Fundstück wirklich ihm gehört. Ein Kaufbeleg, Fotos vom Gegenstand oder ein Zweitschlüssel zum Abgleich mit einem verlorenen Schlüsselbund können dann helfen.

Gebühren und Finderlohn

Einfach mitnehmen darf der Besitzer seine Sachen dann trotzdem nicht. Um eine Versteigerung zu verhindern, muss er eine Bearbeitungsgebühr zahlen. Die Höhe richtet sich nach dem Materialwert des Gegenstands und reicht von 1,50 Euro bis 15 Euro. Finder, die einen Gegenstand ehrlicherweise abgeben, statt ihn selbst zu behalten, können bei hochwertigen Dingen auf einen Finderlohn hoffen — rund fünf Prozent des Wertes. Bei Fundsachen aus ESWE-Bussen, Zügen der Deutschen Bahn oder aus Behördengebäuden klappt das aber erst ab einem Warenwert von 50 Euro.

Bei der teuren Herrenjacke aus dem Online-Auktionshaus hätte es mit einem Finderlohn also auf jeden Fall geklappt. Bei anderen Gegenständen sei es gar nicht so einfach, den Wert zu ermitteln. Wagner erinnert sich zum Beispiel an einen kuriosen Fund aus dem vergangenen Jahr: Im Lager des Fundbüros musste Platz für einen Kajak geschaffen werden. Ob es seinen ursprünglichen Kapitän noch einmal findet, wird sich noch zeigen.

Hintergrund

Fundsachen, die nach sechs Monaten nicht beim Fundbüro abgeholt werden, werden entweder vernichtet oder im Online-Aktionshaus des Zolls versteigert. Neben dem Fundbüro Wiesbaden bieten hier auch bundesweit weitere Behörden Auktionen an. Kleinere Fundstücke aus Wiesbaden mit einem Wert von bis zu zehn Euro — darunter zum Beispiel Regenschirme oder Modeschmuck — kommen in den Direktverkauf des Büros in der George-Marshall-Straße 4. Sie können nach Absprache dort bezahlt und direkt mitgenommen werden. (lp)

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