Im Jahr 2026 jährt sich die Einweihung der ehemaligen Synagoge in der Wiesbadener Schwalbacher Straße zum 200. Mal. Wie die Stadt mitteilt, erinnert Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) aus diesem Anlass an ein bedeutendes Kapitel der jüdischen Geschichte vor Ort.
Noch vor der Synagoge am Michelsberg, deren ehemaligen Standort die Gedenkstätte für die ermordeten Juden Wiesbadens (Foto) markiert, wurde die Synagoge in der Schwalbacher Straße am 24. Februar 1826 eingeweiht. Der Bau der neuen Synagoge unterlag damals strengen staatlichen Auflagen. So durfte das Gebäude im Stadtbild nicht auffallen. Einen öffentlichen Umzug mit den Thorarollen zur Einweihung untersagte das Staatsministerium, da Juden kein öffentlicher Auftritt gestattet war. Im Herzogtum Nassau galten sie zu dieser Zeit als sogenannte Schutzjuden und hatten nicht die gleichen bürgerlichen und politischen Rechte.
„Sichtbarkeit muss selbstverständlich sein“
Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende erklärt dazu: „Die Einweihung der Synagoge im Jahr 1826 markiert einen weiteren Schritt auf dem langen Weg der Gemeinde zu einer angemessenen gesellschaftlichen Sichtbarkeit. Sie macht auch deutlich, welchen Widerständen und Einschränkungen Jüdinnen und Juden damals ausgesetzt waren.“ Erst mit der späteren Synagoge am Michelsberg sei es gelungen, jüdisches Leben in der Stadt sichtbar zu verankern. „Mir ist es wichtig, an diesen Weg zu erinnern – auch angesichts der Shoah und der systematischen Vernichtung jüdischen Lebens in Deutschland. Sichtbarkeit muss selbstverständlich sein und wir alle tragen Verantwortung dafür, dass sie geschützt wird.“
Die Synagoge in der Schwalbacher Straße wurde bis 1869 genutzt. Wegen der wachsenden Gemeinde und neuerlicher baulicher Anforderungen wurde sie durch einen Neubau am Michelsberg ersetzt. Diese von 1865 bis 1869 errichtete Synagoge galt als wichtiges Symbol für das jüdische Selbstverständnis und als Ergebnis des langen Weges zur Emanzipation im Herzogtum Nassau, teilt die Stadt mit.