Warum es in Igstadt keinen Supermarkt gibt

Nachdem in Igstadt innerhalb kurzer Zeit der Bäcker und der Metzger dichtmachten, gibt es in dem Stadtteil fast keine Einkaufsmöglichkeiten mehr. Die Stadt Wiesbaden ist aber bemüht, nachzubessern.

Warum es in Igstadt keinen Supermarkt gibt

Der beschauliche Stadtteil Igstadt im Wiesbadener Osten bietet eigentlich perfekte Lebensbedingungen. Fernab der lauten Innenstadtstraßen kann man die vorortliche Ruhe genießen, ist aber doch nah an der Stadt. Mit der Ländchesbahn ist der Hauptbahnhof nur wenige Minuten entfernt und auch die Autobahnen sind schnell zu erreichen.

Dennoch gibt es einen wichtigen Punkt, der viele Igstädter an den Vorteilen ihres Stadtteils zweifeln lässt: Es gibt quasi keine Einkaufsmöglichkeiten in dem 2000 Einwohner großen Ort. Das bemerkte auch Merkurist Leser Björn:

Metzger und Bäcker geschlossen

Tatsächlich war 2018 kein gutes Jahr für den Igstädter Einzelhandel. Innerhalb weniger Monate schlossen zuerst die die Bäckerei Debo und kurz darauf die Metzgerei Diefenbach. Und auch der kleine Kiosk in der Hauptstraße stand kurz vor dem Aus. Erst im letzten Moment konnte Inhaberin Kimberley Back einen Nachmieter für ihr Geschäft finden. Als Merkurist im November über die Situation des Kiosks berichtete, klagten viele Bewohner, die Einkaufssituation in ihrem Stadtteil hätte sich sehr schlecht entwickelt. Besonders ältere Bewohner - 20 Prozent der Igstädter sind 65 Jahre und älter- haben häufig nicht die Möglichkeit, die Supermärkte in den benachbarten Stadtteilen anzufahren.

Merkurist Leser Björn wollte deshalb wissen, ob es von Seiten der Stadt Bestrebungen gibt, die Geschäftswelt in Igstadt wiederzubeleben. „Aus Sicht der Stadtplanung wird jede Aktivität und Investition bezüglich neuer Einkaufsmöglichkeiten grundsätzlich ausdrücklich begrüßt, unterstützt und auch begleitet“, sagt Baudezernent Hans-Martin Kessler. Und auch das Wirtschaftsdezernat sieht die fußläufige Versorgung der Wiesbadener Bewohner als einen wichtigen Punkt. Um genau zu prüfen, wie gut es um die Versorgung der einzelnen Stadtteile bestellt ist, führt die Stadt alle fünf Jahre eine Prüfung durch die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) durch, zuletzt im Jahr 2015. Diese bescheinigte der Stadt eine fast lückenlose Versorgung.

Lücke in der Versorgung

Zu den wenigen Lücken gehört auch das kleine Igstadt: „Nach Aussage der Investoren und Marktbetreiber ist das Einwohnerpotential in Igstadt mit 2248 Einwohnern sowie Heßloch mit 689 und Rambach mit 2200 Einwohnern zu gering, um einen Markt wirtschaftlich betreiben zu können“, erklärt eine Sprecherin des Dezernats. Anders sieht es in den umliegenden östlichen Vororten aus. In Naurod gibt es einen Tegut und in Auringen einen Edeka, beide Stadtteile haben nur wenige Einwohner mehr als Igstadt.

Trotzdem versucht das Wirtschaftsdezernat, diese Lücken zu schließen: „Sowohl in Igstadt als auch in Medenbach gab es in den vergangenen Jahren seitens der Wirtschaftsförderung Bestrebungen, Versorger anzusiedeln“, so die Sprecherin. Neben dem fehlenden Willen der Investoren bereitet auch die Standortsuche dem Wirtschaftsdezernat Probleme. In Igstadt konnte die Stadt bisher keine geeignete Fläche finden. In Medenbach habe man zwar eine geeignete Fläche gefunden, die momentan jedoch nicht zum Verkauf stehe. (lp)

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