Foto sucht Familie: Altes Bild aus Biebrich aufgetaucht

Eine Hamburgerin hat ein altes Foto gefunden, das zwei Mädchen aus Biebrich zeigt. Sie hofft, dass jemand die beiden erkennt und sie das Foto an die Familie der beiden zurückgeben kann.

Foto sucht Familie: Altes Bild aus Biebrich aufgetaucht

Sobald Grete ein bisschen Freizeit hat, sucht sie online nach alten Familienfotos, -Alben und Postkarten. Die Hamburgerin ist leidenschaftliche Hobby-Ahnenforscherin und versucht, verloren gegangene Fotos wieder mit ihren Familien zusammenzubringen. Eines davon zeigt zwei Mädchen aus Biebrich. Erst vor Kurzem hat sie das Foto auf ihrer Seite „Photos Without Families“ über Instagram und Facebook geteilt und hofft nun, dass jemand die beiden erkennt.

Margret und Ursel Eisenstuck

Die Rückseite des Fotos bietet glücklicherweise einige Informationen über die beiden Mädchen. Dort hat jemand handschriftlich die Namen und das Alter der beiden hinterlassen. Außerdem findet sich dort ein Datum. Demnach heißen die beiden Fotografierten Margret und Ursel Eisenstuck. Das Foto ist an Weihnachten 1931 entstanden. Zu diesem Zeitpunkt war Margret acht und Ursel sechs Jahre alt — die beiden wären heute also 96 und 94 Jahre alt. Ein Stempel verrät außerdem, dass das Porträt im Fotostudio „Willi Elnain“ in der Bahnhofstraße gemacht wurde.

Für Grete sind solche Informationen normalerweise Gold wert. Um mehr über die Fotografierten und ihre Nachkommen zu erfahren, nutzt sie Tools wie „Ancestry“. Auf der Onlineplattform kann man über 500 Millionen teils historische deutschsprachige Dokumente wie Geburts-, Sterbe- und Heiratsurkunden einsehen. Wenn ein Foto mit Namen und Datum versehen ist, hilft das Grete sehr bei ihrer Recherche.

Keine Informationen zu Nachkommen

„Leider habe ich aber nichts über die Mädchen herausfinden können.“ Grete, Photos Without Families

„Leider habe ich aber nichts über die Mädchen herausfinden können“, sagt Grete enttäuscht. Das Foto war Teil einer scheinbar zufällig zusammengestellten Fotosammlung, die sie auf Ebay gefunden hat. Eine solche Sammlung kann schon Mal über 40 Fotos enthalten. „Oft sind bei den Sammlungen mehrere Fotos einer Familie dabei, dann hat man mehr Chancen etwas herauszubekommen, das war in diesem Fall aber leider nicht so.“

Viele Menschen ohne Erinnerungsstücke

Woher die Aufnahmen stammen ist nicht immer klar, viele werden aber beispielsweise bei Haushaltsauflösungen gefunden und dann verkauft, sagt Grete. Andere können schon eine lange Reise hinter sich haben: „Es gibt Familien die gar keine Bilder mehr haben weil sie sie durch Krieg oder Umsiedlung verloren haben“, sagt Grete. „Deswegen sind vor allem auf Instagram viele Leute auch international auf der Suche nach Familienerinnerungsstücken.“ Mit „Photos Without Families“ will sie so viele Fotos wie möglich in Umkreis bringen — in der Hoffnung, dass sie jemand wiedererkennt.

„Sie wusste nicht, dass es die Postkarten überhaupt gegeben hat und hat sich sehr darüber gefreut.“ - Grete

Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ein Foto sieht und es auch zu seiner Familie zuordnen kann, ist zwar gering, drei Erfolge konnte Grete aber schon feiern. Einmal fand sie 20 Postkarten von drei Brüdern, die im Ersten Weltkrieg gekämpft hatten. Adressiert waren sie an die Familie der Brüder. Über Umwege fand Grete die Enkelin eines Bruders. „Sie wusste nicht, dass es die Postkarten gegeben hat und hat sich sehr darüber gefreut“, erzählt Grete. Ein anderes Mal machte sie die Urenkelin eines fotografierten Ehepaars ausfindig. Es stellte sich heraus, dass die Familie im Krieg aus dem Sudetenland umgesiedelt war und fast alle Familienfotos verloren hatte. Die Urenkelin lebt jetzt in Kanada. Grete konnte gleich ein ganzes Familienalbum an sie schicken: „Sie war natürlich sehr dankbar dafür.“

Nachfahren bitte melden

Ein solches Erlebnis würde sie sich auch für die Nachkommen von Ursel und Margret wünschen. Einen Tipp hat sie schon über Facebook bekommen: „In Wiesbaden-Biebrich wurde 1881 ein Friedrich Wilhelm Eisenstuck geboren, seine Frau Helene 1879“, schreibt ein Nutzer. „Vielleicht die Kinder dieser Familie?“ Weil Grete selbst aber von Hamburg aus trotz dieses Tipps keine Nachfahren der Familie finden konnte, hofft sie jetzt auf die Wiesbadener. Falls es noch Nachfahren der Familie gibt, würde sie sich freuen, wenn sie sich über Facebook oder Instagram bei ihr melden würden: „Ich kann nur hoffen, dass sie jemand erkennt.“ (ts)

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