Bis zu 200 Euro: Bewohnerparken könnte in Wiesbaden bald deutlich teurer werden

Nur etwa 3 Cent pro Tag kostet das Bewohnerparken in Wiesbaden. Das will der Verband der Automobilindustrie ändern und schlägt eine Erhöhung auf bis zu 200 Euro im Jahr vor. Auch der Wiesbadener Verkehrsdezernent unterstützt die Idee.

Bis zu 200 Euro: Bewohnerparken könnte in Wiesbaden bald deutlich teurer werden

Das Leben in Wiesbaden ist teuer. Mieten und Lebenshaltungskosten reihen sich im deutschlandweiten Vergleich ganz oben ein. Fast konkurrenzlos günstig ist aber das Bewohnerparken in Wiesbaden. Wer einen entsprechenden Ausweis beantragt, zahlt gerade mal 23,50 Euro für zwei Jahre. In der Nachbarstadt Mainz wäre für den gleichen Zeitraum fast das dreifache fällig.

Doch die Preise könnten bald drastisch ansteigen. Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags hatte kürzlich gegenüber der „Saarbrücker Zeitung“ vorgeschlagen, dass Städte künftig bis zu 200 Euro im Jahr für einen Bewohnerparkausweis verlangen dürfen. Bisher sind nur Beträge bis 30 Euro möglich. Dedy unterstützt damit ein Positionspapier des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Geschäftsführer Kurt-Christian Scheel hatte eine grundsätzliche Überarbeitung der Parkkonzepte in deutschen Städten gefordert.

Parkgebühren würden laut dem VDA häufig nur die Verwaltungskosten decken, daher sollen die Städte bei der Preisgestaltung mehr Spielräume bekommen. „Alle Lösungen müssen aber sozialverträglich sein, die persönliche Einkommens- und Vermögenssituation darf die Teilhabe an Mobilität nicht verhindern“, so der VDA-Geschäftsführer. Daher regt er an, dass die neuen Preise für Bewohnerparkausweise nach Einkommen gestaffelt werden sollten.

Kowol unterstützt Vorschlag

Dass sich der VDA als oberste Autolobby für neue Mobilitätskonzepte in deutschen Städten einsetzt, findet der Wiesbadener Verkehrsdezernent Andreas Kowol durchaus bemerkenswert: „Beim VDA hat hier offensichtlich ein Umdenken stattgefunden, und das begrüße ich erst einmal sehr.“ Auch Wiesbaden wolle, genau wie der VDA, eine effektivere Nutzung des öffentlichen Parkraums, wie es im Konzept zum Wiesbadener Parkraummanagement bereits geplant ist. Dazu gehöre etwa eine Lösung der Probleme, welche der Lieferverkehr jeden Tag verursache.

„Der Bewohnerparkausweis kostet derzeit in Wiesbaden 3 Cent am Tag — das ist faktisch zu wenig.“ — Andreas Kowol

Und auch beim Thema Bewohnerparkausweise stimmt Kowol den Vorstößen des VDA zu: „Der Bewohnerparkausweis kostet derzeit in Wiesbaden 3 Cent am Tag — das ist faktisch zu wenig, um die Kosten für die Bereitstellung zu decken, geschweige denn eine Lenkungswirkung zu erzielen.“ Dadurch würde der private Autobesitz aktiv durch die Stadt subventioniert. „Ob diese Subvention beibehalten werden soll oder ob wir in Zukunft andere Anreize setzen, muss zunächst durch das Stadtparlament diskutiert werden“, so Kowol. Man wolle der Wiesbadener Politik verschiedene Varianten aufzeigen. Möglich wäre etwa, zuerst in einigen begrenzten Parkzonen die neuen Preisstrukturen für einen begrenzten Zeitraum zu testen. (ts)

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