Superblock-Sonntag: Was lernt Wiesbaden daraus?

Der Superblock-Sonntag kam bei vielen Wiesbadenern gut an. Wie geht die Stadt mit diesem Ergebnis um? Wird sich durch diese positive Erfahrung etwas im Stadtbild verändern und sind weitere Superblock-Sonntage geplant?

Superblock-Sonntag: Was lernt Wiesbaden daraus?

„Mit der Umsetzung des Superblock-Sonntags sind wir sehr zufrieden“, sagt Marie Kristionat, Vorsitzende des Wiesbadener Jugendparlaments (JuPa). Alle Akteure hätten tolle Arbeit geleistet, das Engagement der Bürger habe sie besonders gefreut. Dem JuPa ist es zu verdanken, dass der autofreie Sonntag überhaupt stattfand. Die Mitglieder des Parlaments hatten die Aktion bereits vor einigen Jahren angeregt, um auf den 2019 ausgerufenen Klimanotstand aufmerksam zu machen und zu zeigen, was man für den Klimaschutz tun kann.

Was lernt die Stadt aus dem Superblock-Sonntag?

Die Aktion kam gut an. Laut Stadt hielten sich insgesamt bis zu 10.000 Menschen in den Straßen im inneren Rheingauviertel, Dichterviertel und in Mitte auf, in denen sonst Autos das Stadtbild dominieren. Auch das Umweltamt, das den Tag veranstaltete, ist zufrieden mit dem Verlauf und den Reaktionen der Wiesbadener. Wird sich nach dieser positiven Erfahrung etwas im Wiesbadener Stadtbild verändern? Könnten die am Wochenende gesperrten Straßen vielleicht sogar für immer gesperrt bleiben?

„Denkbar wäre, dass geeignete Straßen oder Straßenabschnitte analog der Gerichtsstraße zu Fußgängerzonen oder verkehrsberuhigten Straßen umgewidmet werden.“ - Roland Petrak, Umweltamt

„Eine dauerhafte Sperrung dieser Straßen für den Autoverkehr erscheint zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich“, sagt Roland Petrak vom Umweltamt auf Merkurist-Anfrage. „Denkbar wäre aber, dass geeignete Straßen oder Straßenabschnitte analog der Gerichtsstraße zu Fußgängerzonen oder verkehrsberuhigten Straßen, etwa durch Einbahnstraßenregelungen, umgewidmet werden.“ Auch das JuPa hält es nicht für umsetzbar, die Straßen vom Superblock-Sonntag komplett zu sperren. Es sei auch ganz klar nicht das Ziel, Menschen, die auf ein Auto angewiesen sind, davon abzuhalten, ihr Auto zu nutzen, erklärt Marie Kristionat. Viel mehr müssten gute Alternativen geschaffen werden, der ÖPNV, das Laufen, Radfahren und Carsharing attraktiver gemacht werden.

Akteure sprechen über mögliche Wiederholung

Die Erfahrungen des Superblock-Sonntags sollen den Anstoß dafür geben. „Wir fordern, dass sich jetzt, in der Evaluierung des Superblocks aktiv und vor allem pragmatisch mit dem Thema Verkehrswende beschäftigt wird“, sagt Marie Kristionat vom JuPa. Stadt, JuPa, Ortsvorsteher und die Hochschule RheinMain wollen die Veranstaltungsergebnisse auswerten und dann über eine mögliche Wiederholung und weitere Maßnahmen entscheiden. Erst danach könne man ein umfassendes und fundiertes Fazit zur Veranstaltung ziehen, so Roland Petrak vom Umweltamt.

„Wir hoffen, dass die Bürger:innen am Sonntag hautnah erleben konnten wie sich das Leben in einem Wiesbaden anfühlt, das nicht von Autos dominiert wird.“ - Marie Kristionat, Jugendparlament

Für das JuPa ist bereits klar: „Wiesbaden muss eine weniger Auto-affine Stadt werden, denn das Auto als Statussymbol ist mit Blick Richtung Klimakrise lange überholt.“ Es brauche gänzlich neue Modelle und Möglichkeiten. „Wir hoffen, dass die Bürger:innen am Sonntag hautnah erleben konnten wie sich das Leben in einem Wiesbaden anfühlt, das nicht von Autos dominiert wird und dass die Stadtpolitik weiterhin daran arbeitet, allen Bürger:innen die Chance zu geben auch einfach auf ein Auto verzichten zu können.“ Das JuPa will sich auf jeden Fall dafür einsetzen, dass weitere Superblock-Sonntage stattfinden.

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