Können sich Radfahrer und Fußgänger einen Gehweg teilen?

Wenn in einer Straße kein Radweg zur Verfügung steht, müssen sich Fahrradfahrer laut Straßenverkehrsordnung die Fahrbahn mit den Autos teilen. Damit auch ein Gehweg für Radfahrer freigegeben wird, muss er einige Kriterien erfüllen.

Können sich Radfahrer und Fußgänger einen Gehweg teilen?

Nicht nur die Großbaustelle, die sich aktuell durch die Äppelallee in Biebrich zieht, zeigt: An vielen Orten in Wiesbaden entstehen Fahrradwege. Dafür werden oft Radschutzstreifen neben den Fahrbahnen eingerichtet. So können Radfahrer direkt neben den Autos auf der asphaltierten Fahrbahn fahren und kommen mit Fußgängern erst gar nicht in Berührung.

Dabei gibt es durchaus Gehwege in Wiesbaden, die sich für eine Kombinutzung durch Fußgänger und Radfahrer anbieten würden, findet Merkurist-Leser Michael Fuhr. In einem Snip hat er ein Beispiel für einen solchen Weg vorgestellt.

Empfohlene Breiten

So zeigt er die Steinern Straße in Mainz-Kastel. „Radfahren ist auf dem abgetrennten Fußweg nicht erlaubt, Radfahrer müssen den gefährlichen Weg über die viel befahrene Straße nehmen“, kritisiert er.

Ähnlich schätzt er auch die Ludwig-Wolker-Straße ein, eine Querstraße der Steinern Straße. Auch der Gehweg in der Ludwig-Wolker-Straße in Kastel wäre problemlos zusätzlich für Radfahrer nutzbar. Ob sich Radfahrer und Fußgänger einen Gehweg aber tatsächlich teilen lassen, geht aus den „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“ (ERA) hervor. Dort heißt es, dass ein gemeinsam genutzter Weg innerorts mindestens 2,50 Meter breit sein muss, gibt es einen Radstreifen auf dem Weg, so muss allein dieser eine Mindestbreite von 1,50 Meter haben. Wenn die Radfahrer den Streifen in beide Richtungen nutzen sollen, sogar 2,40 Meter. Dadurch soll sichergestellt werden, dass genügend Platz für entgegenkommende Radfahrer besteht und Fußgänger genügend Platz haben, auch wenn sie mit einem Kinderwagen oder einer Gehhilfe unterwegs sind.

Ein Blick in das Radverkehrskonzept der Stadt, das bereits 2015 aufgesetzt wurde und seitdem Schritt für Schritt umgesetzt wird, spielt der gesamte Stadtteil Kastel eine nicht allzu wichtige Rolle. Die Begründung: „Aufgrund des bereits heute relativ breiten Angebots an Radverkehrsanlagen im Bereich von Mainz-Kastel und Mainz-Kostheim gibt es auch weniger Streckenmaßnahmen, die hier der Prioritätsstufe A zugewiesen worden sind.“ Weil die beiden Stadtteile also nicht als Problemgebiete für Radfahrer eingestuft wurden, steht der Um- und Ausbau von Radwegen also im Moment anderswo ganz oben auf der Dringlichkeitsliste.

Schwerpunkt: Hauptverkehrsachsen

Stattdessen hat die Stadt vor wenigen Monaten bereits 360.000 Euro in eine neue Beschilderung der Radwege in Kastel investiert. Dadurch sollen vor allem wichtige Verbindungsstraßen den Weg zur Innenstadt und einigen Zwischenzielen anzeigen. Wenn die Hauptrouten im gesamten Stadtgebiet einmal fahrradfreundlich ausgebaut sind, könnte es weitere Prüfungen von kleineren Straßen innerhalb der Orte geben. Allerdings sehen alle Richtlinien, die den Verantwortlichen vorliegen, dabei auch vor, dass nicht nur Radfahrer vor Autos geschützt werden, sondern auch Fußgänger ihre Bereiche haben, in denen sie sich gefahrlos bewegen können.

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