Mende: „Autofahrer profitieren von der Citybahn!“

Die Vertreter aus Mainz, Wiesbaden, sowie dem Rheingau-Taunus-Kreis haben sich für den Bau der Citybahn stark gemacht. Dabei übten sie auch scharfe Kritik an der Rhetorik der Citybahngegner.

Mende: „Autofahrer profitieren von der Citybahn!“

In etwas mehr als zwei Monaten steht in Wiesbaden die wichtigste politische Entscheidung des Jahres an. Dann entscheiden die Bürger, ob zwischen dem Rheingaut-Taunus-Kreis, Wiesbaden und Mainz eine Straßenbahn gebaut werden soll. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz unterstrichen der Wiesbadener Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende, sein Mainzer Kollege Michael Ebling (beide SPD) sowie der Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, Frank Kilian (parteilos), die hohe Bedeutung des Projekts für die Region.

Verbindendes Projekt

„Die Citybahn ist ein Jahrhundertprojekt und notwendiger Bestandteil der Lösung unserer unstreitbaren Verkehrsprobleme.“ Gert-Uwe Mende

Die Citybahn sei ein die Regionen verbindendes Projekt, so Mende. Mehr als die Hälfte der Menschen, die in Wiesbaden arbeiten, würden täglich in die Stadt pendeln. „Die Citybahn ist ein Jahrhundertprojekt und notwendiger Bestandteil der Lösung unserer unstreitbaren Verkehrsprobleme“, stellt der Oberbürgermeister fest. Mende wehrt sich gegen den Vorwurf, die Bahn sei schlecht für den Autoverkehr: „Im Gegenteil, Autofahrer profitieren von der Citybahn.“ Durch Umsteiger auf die Schiene sowie reduzierter Busse, könne die Bahn zu einer Entspannung des Autoverkehrs sorgen.

„Die Erwartungen an die Bahn wurden nicht nur erreicht, sondern weit übertroffen.“ - Michael Ebling über die „Mainzelbahn“

Wie gut eine neu gebaute Straßenbahn funktioniere, könne man nicht nur in vielen französischen Städten sehen, die gerade neue Projekte umsetzen. Auch die Nachbarstadt Mainz sei ein gutes Beispiel, so Ebling, wo mit dem Bau der Mainzelbahn 2016 das Straßenbahnnetz erfolgreich erweitert wurde. „Die Erwartungen an die Bahn wurden nicht nur erreicht, sondern weit übertroffen“, so der Mainzer Oberbürgermeister. Schon weit vor dem geplanten Ziel habe man in Mainz die erwarteten Fahrgastzahlen erreicht. Auch habe man zeigen können, dass sich viele Kritikpunkte der Projektgegner nicht bewahrheitet hätten. Die Buslinie 6 zwischen Mainz und Wiesbaden sei jetzt schon an ihrer Kapazitätsgrenze, so Ebling. Um die Region weiter zu vernetzen, sei die Bahn daher der beste Weg.

Dass die Bahn die Region mit den Städten besser verbinden könne, sieht auch Kilian so, der die Citybahn als größtes Verkehrsprojekt für seinen Landkreis beschreibt. „Sie bietet 70.000 Bewohnern in der Region ein komfortables Mobilitätsangebot zur Schule, Hochschule zur Arbeit oder zum Einkaufen.“ Vielen Menschen aus dem Kreis würde durch die Bahn der tägliche Weg zur Arbeit in Wiesbaden und Mainz deutlich erleichtert werden. Zudem stehe mit der stillgelegten Aartalbahnstrecke die Infrastruktur für die Citybahn schon größtenteils zur Verfügung.

Kritik an Gegnern

Um das Projekt zu verwirklichen, werben alle drei Politiker jetzt dafür, dass am 1. November die Mehrheit der Wiesbadener der Citybahn zustimmt. Bis dahin sei aber noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Viele Bürger seien entweder zu wenig oder falsch informiert, so Mende. Argumente der Bahngegner, wie etwa, dass eine Bahn nicht in das Wiesbadener Stadtbild passe, halte er schlicht für falsch: „Viele Häuser in Wiesbaden wurden zu einer Zeit gebaut, wo es weder Straßenbahn noch Autos gab.“ Auch dem sich weiterhin hartnäckig haltenden Gerücht, dass für die Bahn zu viele Bäume abgeholzt werden müssten, tritt Mende entgegen. „Der Erhalt der Wiesbadener Alleen war immer Teil der Planung.“

Scharfe Kritik äußert der Oberbürgermeister an der Rhetorik einiger Citybahn-Gegner. Diese hatten auf Plakaten sowohl Mende als auch Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) persönlich angegriffen. Auch wurden Befürworter der Bahn indirekt als „dumm“ bezeichnet. Mende bezeichnete die Formulierungen als „unterirdisch und diskreditierend.“ Wer solche Plakate aufhänge, zeige keinerlei Bereitschaft für einen Dialog.

Um die Bürger weiter über die Citybahn zu informieren, hat die Stadt seit Mittwoch wieder die DialogBox vor dem Rathaus errichtet. Am 5. September folgt ein „Townhall-Meeting“ sowie mehrere Informationsveranstaltungen in den Stadtteilen. Ab dem 25. September können Bürger dann per Briefwahl sowie in den Wahlbüros in der Innenstadt und den Ortsverwaltungen ihre Stimme abgeben. Am 1. November ist dann die letzte Chance zur Stimmenabgabe. (ts)

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