Citybahn: Unmut in Mainz und Taunus wegen Wiesbadener Bürgerentscheid

In wenigen Monaten dürfen die Wiesbadener Bürger entscheiden, ob in ihrer Stadt eine Straßenbahn gebaut wird. Nicht abstimmen dürfen die Bürger in Mainz und im Rheingau-Taunus-Kreis - obwohl die Bahn auch dorthin fahren soll.

Citybahn: Unmut in Mainz und Taunus wegen Wiesbadener Bürgerentscheid

Es ist eines der größten Verkehrsprojekte, das in Wiesbaden je geplant wurde: Mit der Citybahn soll erstmals seit den 1950er Jahren wieder eine Straßenbahn quer durch die hessische Landeshauptstadt fahren. Seit Beginn der Planungen sorgt das Projekt für intensive Diskussionen, denn nicht alle Wiesbadener sind von der Idee begeistert. Um Klarheit zu schaffen, will die Stadt daher im Sommer 2020 einen Bürgerentscheid durchführen, ob die Wiesbadener eine Straßenbahn bekommen oder nicht.

Doch die Bahn soll nicht nur durch Wiesbaden fahren, sondern mit Mainz sowie Bad Schwalbach und Taunusstein auch Nachbargemeinden anbinden. Während in Wiesbaden noch abgewartet werden muss, ob die Bahn überhaupt gebaut wird, haben sich die anderen Gemeinden schon für das Projekt entschieden. Diese Ungewissheit sorgt in den beiden Gemeinden für keine gute Stimmung.

Mainz

„Wir haben momentan eine Hängepartie, weil wir nicht wissen, ob Wiesbaden das Projekt durchkriegt.“ - Katrin Eder, Mainzer Verkehrsdezernentin

„Wir haben momentan eine Hängepartie, weil wir nicht wissen, ob Wiesbaden das Projekt durchkriegt“, so beschreibt Katrin Eder, Verkehrsdezernentin aus Mainz, die Situation rund um die Citybahn in ihrer Stadt. Daher ruhen die Pläne für die genaue Verkehrsführung in Mainz. Sicher ist bisher nur, dass die Straßenbahn von der Theodor-Heuss-Brücke kommend bis zum Mainzer Hauptbahnhof fahren und sich dann mit der Mainzelbahn verbinden soll, welche bis zur Hochschule fährt. „In Mainz sind wir quasi an dem Punkt, zu entscheiden, ob die Strecke durch die Ludwigsstraße oder die Große Bleiche führen soll“, so Eder.

Für Eder ist die Citybahn eines der wichtigsten Verkehrsprojekte in der Region. Ein Nein aus Wiesbaden hätte daher weitreichende Folgen: „Ein verengter Blick à la ‘Oh, da fallen ein paar Parkplätze vor meiner Haustür weg’ wäre fatal. Denn wenn sich die Wiesbadener gegen die City-Bahn entscheiden, dann ist das Projekt tot“, so die Dezernentin. Den Schritt, die Bürger über die Straßenbahn entscheiden zu lassen hält sie für mutig, da ähnliche Projekte in Deutschland bisher schlecht geendet hätten.

„Wir werden alles dafür tun und wenn ich persönlich in Wiesbaden von Haus zu Haus gehen muss.“ - Katrin Eder

Die Wiesbadener für die Bahn zu motivieren sei laut Eder ein sehr ambitioniertes Ziel: „Wir werden alles dafür tun und wenn ich persönlich in Wiesbaden von Haus zu Haus gehen muss. Die Citybahn wäre ein großer Gewinn, definitiv.“

Rheingau-Taunus-Kreis

Nicht nur in Mainz, auch im Rheingau-Taunus-Kreis wartet die Politik ungeduldig auf die Entscheidung aus Wiesbaden. Hier ist geplant, die Bahn von der Wiesbadener Starthaltestelle an der Hochschule Rhein-Main über die ehemalige Aartalbahn nach Taunusstein und Wiesbaden zu verlängern. Um den Zustand der seit vielen Jahren stillgelegten Bahn zu prüfen, wurden Anfang Februar an der Eisernen Hand Teile der Strecke von Gestrüpp befreit. „Wir benötigen den Freischnitt, um die Strecke begehbar zu machen“, erklärte der Verkehrsdezernent des Kreises Günter Döring die Maßnahme.

„Zwischen 3.400 und 5.000 Fahrten aus Taunusstein nach Wiesbaden könnten durch die CityBahn entfallen.“ - Sandro Zehner, Taunussteiner Bürgermeister

Sowohl für Döring als auch den Taunussteiner Bürgermeister Sandro Zehner sei die Citybahn ein wichtiges Mittel, um den Autoverkehr nach Wiesbaden zu entlasten. „Zwischen 3.400 und 5.000 Fahrten aus Taunusstein nach Wiesbaden könnten durch die CityBahn entfallen. Dadurch erfolgt eine Reduzierung des Verkehrsaufkommens auf dem 1. und 2. Ring in Wiesbaden“, erklärt Zehner. Auch aus ökologischen Gründen sei die Bahn, sowohl für Wiesbaden als auch das Umland, sehr wichtig. „Wer saubere Luft - gerade auch in Wiesbaden - haben will, muss die Region mit in Betracht ziehen. Schließlich leistet der Rheingau-Taunus-Kreis mit seinen Wäldern einen wichtigen Beitrag für eine saubere Luft“, so Döring. (ms)

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