Biebricher Ladenbesitzer lehnen Citybahn ab

Mit Plakaten und Stickern machen in Biebrich viele Geschäftsinhaber ihren Standpunkt zur Citybahn deutlich: Sie lehnen das Projekt ab. Sie fürchten um die Existenz ihres Ladens, wenn die Bahn durch den Ortskern rollt.

Biebricher Ladenbesitzer lehnen Citybahn ab

Wenn die Kinder in die Kita gebracht sind, oder der Arzttermin erledigt, geht es für viele Biebricher am Vormittag noch zum Bäcker, in die Drogerie, zur Post und danach auf ein zweites Frühstück ins Café oder zum Teeladen in der Galatea-Anlage - so läuft der Alltag im Stadtteil seit Jahren und wird derzeit lediglich durch die Corona-Maßnahmen blockiert. Den Stadtteil verlassen müssen die Biebricher für alltägliche Erledigungen normalerweise kaum, denn rund um die Robert-Krekel-Anlage und die Rathausstraße gibt es viele Geschäfte.

Doch was auffällt: An den meisten Geschäften zwischen Rheinufer und Herzogsplatz prangen große Plakate und Banner, die ganz offen zeigen: Die Ladenbesitzer lehnen die Citybahn in ihrem Stadtteil ab.

Entwicklung ohne Citybahn

So auch Ute Wehnert, Inhaberin der „Teeperle“. Sie kennt die meisten ihrer Kunden persönlich, viele müssen ihren Tee gar nicht bestellen, die Geschäftsfrau weiß, wem sie was servieren oder einpacken muss. „Wir sind hier mitten im Einkaufszentrum von Biebrich“, erklärte sie bereits vor der vorübergehenden Schließung wegen Corona. Auch über die Citybahn spreche sie ganz offen mit ihren Kunden. Sie kennt die Galatea-Anlage, in der sie seit 41 Jahren ihren Laden führt, noch ganz anders. „Ich bin mit als erste Mieterin hierher gezogen. Vorher war auf diesem Gelände noch das Straßenbahndepot“, erinnert sie sich.

In den vergangenen 40 Jahren habe sie seit dem Umbau gut beobachten können, wie sich Geschäftszentren und Treffpunkte im Stadtteil verschoben haben. „Als die Schienen weg waren, wurden die Gehwege breiter und es entstanden mehr Parkplätze. Genau diese waren für viele ein Grund, einen Laden in einer bestimmten Adresse zu eröffnen“, sagt sie.

Angst um Parkplätze

„Wenn die Citybahn nach ihren aktuellen Planungen kommt, dann fallen viele Parkplätze an den jetzigen Positionen weg. Für einige Geschäftsinhaber wäre das eine Katastrophe“, sagt Spruch, Inhaber von „Next-Wash“. „Wir sind ein Waschsalon. Wer uns besucht, hat in der Regel viel Gepäck dabei. Etwa ein Drittel unserer Kunden kommt deshalb mit dem Auto“, schätzt er. Parken würden seine Kunden dann auf den Stellplätzen rund um die Robert-Krekel-Anlage. Wenn diese durch den Bau der Citybahn wegfallen würden, würde es für viele seiner Kunden unbequem.

„Ich begrüße jede Form von Infrastruktur, doch wenn ein neues Projekt entsteht, muss es zum Stadtteil passen und auch Rücksicht nehmen auf andere Verkehrsmittel“, sagt er. Inzwischen überlege er bereits, ob er seinen Mietvertrag überhaupt verlängern soll, wenn es zum Bau der Citybahn kommen würde. „Wir leben nicht von Laufkundschaft. Wer eine Waschgelegenheit braucht, kommt in den Salon, egal in welcher Straße er liegt. Wir könnten also auch in einem anderen Gebäude einige Straßen weiter eröffnen“, sagt er.

Über das Problem mit den Parkplätzen haben auch die Planer nachgedacht. Oberstes Ziel des Projektes sei es, mehr Menschen in weniger Einzelfahrzeugen durch den Stadtteil zu bewegen. „Dass dafür wenige Parkplätze unmittelbar an der Strecke für Autos wegfallen und in der näheren Umgebung neu entstehen, ist ein Zugeständnis an ein solches Großprojekt“, so Christian Giesen, Pressesprecher der CityBahn GmbH.

Unpassend für den Stadtteil?

Dass auch öffentliche Verkehrsmittel die Kundenströme in Biebrich lenken, weiß auch Wehnert von der „Teeperle“. „Ohne die Bushaltestelle vor der Galatea-Anlage würden mir viele Kunden wegbrechen. Allein schon in der Zeit der Baustelle könnte es zu viel zu hohen Einbußen bei mir kommen. Schließlich muss ich für den Laden ja auch Miete zahlen“, erklärt sie. Sie hält die Planungen der Citybahn für überstürzt. „Ich kann verstehen, dass es im Moment viele Fördergelder für das Projekt gibt. Aber muss es denn deshalb so eilig gebaut werden und in den Stadtteil reingezwängt? Schließlich hat man sich vor 40 Jahren doch bewusst gegen eine Straßenbahn entschieden.“

Auch Spruch stimmt dem zu. „Ich hätte mir gewünscht, dass es von der Stadt ein ganzheitliches Verkehrskonzept gibt – eine Art weißes Blatt auf dem alles neu geplant wird, was in den kommenden 20 Jahren entstehen soll. Von Fußgängerzonen, über Radschnellwege bis zum Busnetz und einer Straßenbahn“, sagt er.

Die Bedenken sind auch den Planern bekannt. „Grundsätzlich verstehen wir natürlich alle vorgebrachten Argumente der Gewerbetreibenden in Biebrich“, sagt Giesen. „Unser Ziel ist es Wiesbaden und die Region mit dem Straßenbahnprojekt CityBahn zukunftsfähiger zu machen. In der Bauzeit eines Großprojektes kommt es zu Behinderungen und Einschränkungen im Bereich der Baustelle“, gesteht er zu. „Die Landeshauptstadt Wiesbaden hat sich im Grundsatz dafür ausgesprochen, ein zielgerichtetes Entschädigungsmanagement aufbauen, was Ausfälle von Geschäftsleuten ausgleichen soll.“

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