Aartalbahn-Reaktivierung: Das ist der aktuelle Stand

Sie ist die Hoffnung nach dem „Nein“ zur Citybahn: Als Auto-Alternative für Pendler könnte die Aartalbahn den Verkehr in Wiesbaden entlasten. Wie ist der aktuelle Stand der Reaktivierungspläne und wie steht es um die Museumsfahrten auf der Strecke?

Aartalbahn-Reaktivierung: Das ist der aktuelle Stand

Nachdem im November 2020 klar war, dass keine Citybahn durch Wiesbaden und den Rheingau-Taunus-Kreis fahren wird, rückte eine Frage wieder in den Vordergrund: Wäre es nicht sinnvoll, eine Schienenverbindung, die es schon gibt, zu reaktivieren? Die Aartalbahn wurde wieder zum großen Thema.

Schon vor dem Citybahn-Aus waren Gutachten geprüft worden, es gab Nutzen-Kosten-Untersuchungen und sogar eine Machbarkeitsstudie für den Teil zwischen Bad Schwalbach und Diez. Dann wurden die Überlegungen zunächst beiseite gelegt, unter anderem wegen der Citybahn-Planungen, aber auch weil die Bahn nach damaligem Stand nicht hätte wirtschaftlich betrieben werden können. Nachdem die Citybahn dann abgelehnt wurde, bat die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat aber darum, die Reaktivierung der historischen Aartalbahn zu prüfen.

Jetzt seien die Voraussetzungen besser, sagte Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) im vergangenen Jahr. Es gebe wegen der steigenden Bevölkerung und der ebenfalls steigenden Zahl an Arbeitsplätzen mehr potenzielle Fahrgäste. Außerdem stünden den Fahrgästen jetzt attraktivere Anbindungen von der Strecke aus in die Städte und das Umland zur Verfügung. Die Strecke könnte Pendler aus dem Kreis also dazu bewegen, vom Auto auf die Bahn umzusteigen und dafür sorgen, dass der Wiesbadener Innenstadtverkehr entlastet wird.

Ergebnisse der Machbarkeitsstudie im Laufe des Jahres

Im Dezember 2021 haben der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), die Stadt Wiesbaden und der Rheingau-Taunus-Kreis deshalb damit begonnen, den Südabschnitt der Aartalbahn von Wiesbaden nach Bad Schwalbach zu untersuchen. „Die Untersuchung soll darüber Aufschluss geben, welche technischen Maßnahmen notwendig wären, um dort wieder planmäßig Personenzüge anzubieten“, hieß es dazu vom RMV. Sie schließt damit an die bereits abgeschlossene Machbarkeitsstudie für den Teil zwischen Bad Schwalbach und Diez an. Aus den Ergebnissen ergeben sich dann unter anderem das nötige Investitionsvolumen und die Förderfähigkeit des Projekts. Ende 2021 teilte der RMV mit, dass die Ergebnisse im Laufe des neuen Jahres vorliegen werden. Wie das Unternehmen auf Merkurist-Anfrage mitteilt, habe sich an dem Plan nichts geändert. Weitere Details zum aktuellen Stand gab der RMV aber nicht bekannt.

Und wie geht es dann weiter? „Wenn im Winter 2022/23 erste Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorliegen, werden sich eine Vielzahl von Akteuren über die weiteren Schritte verständigen müssen“, heißt es dazu von ESWE Verkehr. Wenn das Projekt machbar ist, sollen dann die weiteren Planungen starten. Es müssten unter anderem das erforderliche Baurecht geschaffen und weitere Genehmigungen erteilt werden. „Wenn dies schnell geschieht, könnte die Aartalbahn in etwa fünf Jahren wieder fahren.“

Museumsfahrten geplant

Das heißt aber nicht, dass es bis dahin gänzlich ruhig auf der Strecke bleibt. Zwar nicht im Alltag aber dafür als Freizeitattraktion am Wochenende, soll die Aartalbahn schon in diesem Jahr wieder auf einem Teilabschnitt fahren. Der Verein Nassauischen Touristik-Bahn (NTB) will Museumsfahrten mit den historischen Zügen zwischen dem Wiesbadener Hauptbahnhof und dem Bahnhof Dotzheim anbieten. Im vergangenen Herbst bekam der Verein die Finanzierungszusage und eine erste Genehmigung für die Strecke zwischen Wiesbaden-Ost und dem Haltepunkt Landesdenkmal auf Höhe der Sektkellerei Henkell. Jetzt bereitet sich der Verein auf die nächste Hürde, die Wiederinbetriebnahme-Genehmigung, vor. Weitere Anträge, zunächst bis zum Haltepunkt Waldstraße, sollen dieses Jahr folgen.

„Der Zuspruch hat uns positiv überrascht, an jedem Tag kamen um die 20 Helferinnen und Helfer.“ - Marcus Giebeler, ATB

Schon seit der Finanzierungszusage arbeitet der Verein daran, die Strecke vorzubereiten. „Wir haben im vergangenen Herbst begonnen, die Strecke in ehrenamtlicher Arbeit vom Dornenwuchs freizuschneiden und eine Reihe von aufwändigen Kleinarbeiten begonnen“, erklärt Marcus Giebeler, kaufmännischer Geschäftsführer der Aartalbahn Infrastruktur gGmbH (ATB), Betriebsgesellschaft der NTB. Es werden unter anderem Signaltafeln aufgestellt, Entwässerungsgräben ausgebaggert und einige Brückengeländer repariert. „Diese Arbeiten sind weit fortgeschritten und stehen kurz vor dem Abschluss“, sagt Giebeler. An vier Aktionstagen konnten sich auch freiwillige Helfer melden. „Der Zuspruch hat uns positiv überrascht, an jedem Tag kamen um die 20 Helferinnen und Helfer.“

Zum Jahreswechsel wurde ein kurzer Abschnitt in Höhe der Sektkellerei Henkell generalsaniert. Außerdem wurden die Brücken und Gleise begutachtet und Maßnahmenpakete festgelegt. „In den kommenden Wochen sollen beide Maßnahmenpakete in Ausschreibungen gegossen und diese dann veröffentlicht werden. Danach werden dann die Aufträge vergeben und abgearbeitet“, kündigt Giebeler an.

Erster Zug soll im Spätsommer oder Herbst fahren

Wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind, sollen endlich wieder Züge über die Strecke rollen. „Wir hoffen, noch im Spätsommer oder Herbst 2022 den ersten Zug auf der Aartalbahn begrüßen zu können“, sagt Giebeler. Das sei aber von freien Kapazitäten bei den Baufirmen abhängig, „was sich derzeit bekanntlich nicht immer einfach darstellt“. Bis dahin wird die Strecke weiter freigeräumt. Der nächste und vorerst letzte Aktionstag im Frühjahr für freiwillige Helfer wird am 26. März stattfinden. Interessierte können sich unter aktionstag@aartalbahn.de anmelden.

Weitere Informationen und Antworten auf die meist gestellten Fragen zur Aartalbahn-Reaktivierung, findet ihr auch auf der Website von ESWE Verkehr.

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