Runder Tisch diskutiert über Zukunft von Wiesbadener Festen

Die Corona-Maßnahmen zwingen viele Veranstalter in Wiesbaden in die Knie. Weil nicht jede Veranstaltung durch eine virtuelle Alternative ersetzt werden kann, wollen sie jetzt „um jedes Fest kämpfen“.

Runder Tisch diskutiert über Zukunft von Wiesbadener Festen

Nicht nur Schausteller, auch Vereine trifft das Veranstaltungsverbot in der Straßenfestsaison 2020 hart. Denn hinter Feiern wie dem Schiersteiner Hafenfest, dem Pfingstturnier im Biebricher Schlosspark und dem Taunusstraßenfest stecken Vereine und Ehrenamtliche, die sich um die Organisation kümmern.

Dass in diesem Sommer keine Bierzelte und Bühnen mehr aufgestellt werden können, ist inzwischen klar, denn in einem Treffen der Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin wurde beschlossen, keine Straßenfeste bis Ende Oktober stattfinden zu lassen. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) begründete die Entscheidung damit, dass auf Straßenfesten zum einen kaum Abstand gehalten werden kann, und es zum anderen unmöglich sei, alle Besucher und Teilnehmer schriftlich festzuhalten.

Einschnitt ins Vereinsleben

Vertreter von Vereinen haben sich jetzt mit der Wiesbaden Congress & Marketing GmbH zusammengesetzt, um über die Zukunft der Veranstaltungen in der hessischen Landeshauptstadt zu diskutieren und sich auszutauschen. Das bestehende Veranstaltungsverbot für Großveranstaltungen – auch darin stimmten die Teilnehmer am „Runden Tisch“ überein - stelle einen „tiefen Einschnitt ins Vereinsleben“ dar. Die Auswirkungen der Veranstaltungsverbote und massiven Einschränkungen von Veranstaltungen im Freien während der Corona-Krise seien zudem nicht nur bei Vereinen, Institutionen und in der Stadtgesellschaft spürbar, sie erstreckten sich auch auf die Wiesbadener Wirtschaft.

„Die Besucher von Veranstaltungen sorgen auch für Umsätze in Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel.“ - Wirtschaftsdezernent Oliver Franz

Wirtschaftsdezernent Oliver Franz (CDU) erklärt die Folgen durch mangelnde Besucher in der Stadt. „Die Besucher von Veranstaltungen sorgen auch für Umsätze in Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel“, sagt er. Doch auch für die Wiesbadener selbst seien die zahlreichen Absagen hart. „Die Veranstaltungen bilden einen wichtigen Bestandteil der kulturellen Vielfalt in der Stadt und sind wichtig für den Zusammenhalt in der Gesellschaft und stellen ein wichtiges Fundament des Vereinslebens dar“, erklärt Martin Michel, Geschäftsführer der Wiesbaden Congress & Marketing GmbH.

Ständig neue Regeln

Beim Treffen beklagten viele Vereine vor allem, dass die sich ständig ändernden Verordnungen zu großen Unsicherheiten führten. „Die Ungewissheit, ob und unter welchen Auflagen Feste durchgeführt werden dürfen und wie es im nächsten Jahr weitergeht, treibt uns alle um: die Stadt, die Veranstalter großer Events wie dem Fastnachtsumzug oder dem Pfingstturnier ebenso wie die Ausrichter von Kranzplatzfest, Taunusstraßenfest, dem Schiersteiner Hafenfest, den Kerbeveranstaltungen in den Stadtteilen und viele andere“, sagte Franz. Um der Unsicherheit bezüglich der Genehmigungsvorgaben entgegenzuwirken, wird die Stadt aus den kontinuierlich aktualisierten Verordnungen die Bestimmungen herausfiltern, die für die Veranstalter von mehrtägigen Festen im Außenbereich relevant sind und den Partnern zur Verfügung stellen, so das Ergebnis des ersten Treffens.

Veranstaltungen sollen in der kommenden Saison nicht vorschnell abgesagt werden, vielmehr soll um jedes Fest „gekämpft“ werden, waren sich die Initiatoren einig. Gleichzeitig betonten die einzelnen Vertreter, wie wichtig es sei, dass die Sponsoren, ohne deren finanzielles Engagement Feste nicht zu realisieren sind, mit den Veranstaltern an einem Strang ziehen. Der Pandemie geschuldete modifizierte Feste wie eine „Kerb to go“ oder virtuelle Events seien derzeit kreative Alternativen, die jedoch nie ein echter Ersatz für ein Outdoor-Event sein können, dass durch seine Gäste und von der Atmosphäre lebt, betonten die Gipfelteilnehmer.

Im Herbst wollen sich die Vertreter erneut zusammensetzen um über die aktuellen Entwicklungen und weitere Ideen zu diskutieren. Dabei befinden sich unter den Teilnehmern auch das Ordnungsamt, der Wiesbadener Schaustellerverband und die Wiesbadener Wirtschaftsförderung. (ms)

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