Zerkratzte Autos in Wiesbaden – wer bezahlt?

Über 300 Autos wurden seit April in der Wiesbadener Innenstadt zerkratzt – und es werden mehr. Doch wer bezahlt eigentlich den Schaden und gibt es Schadensersatz, wenn der oder die Täter gefunden werden? Wir haben bei einem Rechtsanwalt nachgefragt.

Zerkratzte Autos in Wiesbaden – wer bezahlt?

Vor rund einer Woche teilte die Wiesbadener Polizei mit, dass seit April 300 Autos in der Innenstadt zerkratzt wurden. Seitdem sind weitere hinzugekommen (wir berichteten). Während die Polizei weiter nach den Tätern sucht, müssen sich die Betroffenen wohl oder übel um ihre Autos kümmern. Denn sind die Kratzer tief, können sie mit der Zeit rosten. Doch wer muss die Kosten für die Reparatur tragen und welche Ansprüche haben Betroffene?

Nur Vollkaskoversicherung greift

„Bei Schäden am Fahrzeug, die durch Vandalismus verursacht wurden, erstattet lediglich eine vorhandene Vollkaskoversicherung den Schaden“, erklärt Rechtsanwalt Christian Giloth von der Kanzlei Hobohm & Kollegen aus dem Rhein-Main-Gebiet. Allerdings müsse der Geschädigte je nach Höhe der Kosten eine Selbstbeteiligung zahlen und werde entsprechend in der Versicherung hochgestuft. „Die Teilkaskoversicherung greift nur, wenn durch Vandalismus eine Scheibe am Fahrzeug zu Bruch geht. Aber auch dann wird lediglich der Glasschaden ersetzt.“

Und was, wenn der oder die Täter gefasst werden? „Dann stehen die Geschädigten oftmals vor einer Reihe von Problemen“, sagt Giloth. Häufig werden der oder die Täter auf frischer Tat ertappt. Das erscheint zunächst positiv, aber: „Oftmals werden nur die Taten eingeräumt, bei denen die Täter unmittelbar beobachtet und identifiziert wurden“, erklärt Christian Giloth. Es sei dann oft schwer, andere Taten nachzuweisen.

Geschädigte müssen aktiv ihre Rechte einfordern

Kann der Schaden dem Täter zugeordnet werden, dann kann man als Geschädigter zivilrechtlich gegen ihn vorgehen und Schadenersatz verlangen. Oft stelle sich zwar heraus, dass der Täter überhaupt nicht genug Geld hat, um alle Schäden zu bezahlen. Aber: „Beruhigend ist, dass selbst im Falle einer Insolvenz des Täters, zumindest bei fachgerechter Geltendmachung und Anmeldung des Schadens, der Anspruch des Geschädigten erhalten bleibt.“

Deshalb sei es sinnvoll, sich in solchen Fällen Hilfe von einem Anwalt zu holen. „Der Rechtsanwalt kann Akteneinsicht beantragen und erhält die Akte des Geschädigten, sobald die Ermittlungen abgeschlossen sind“, sagt Giloth. „So erfährt man frühzeitig, wer der Schädiger war und kann Ansprüche schnellstmöglich geltend machen.“

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