Nach Brand-Anschlag auf Testcenter: „Natürlich finden wir das beunruhigend“

In der Nacht zu Donnerstag zündelten Coronamaßnahmen-Kritiker in einer Teststelle und verursachten einen Sachschaden von 30.000 Euro. Die Betreiber wollen jetzt die Sicherheitsvorkehrungen ausbauen.

Nach Brand-Anschlag auf Testcenter: „Natürlich finden wir das beunruhigend“

Angekokelte Böden, völlig verrußte Kabinen und Arbeitsmittel, die nicht mehr brauchbar sind: Dieser Anblick bot sich dem Team von CoviMedical am Donnerstagmorgen. Bislang unbekannte Täter waren in der Nacht zuvor in die von dem Unternehmen betriebene Corona-Teststelle auf dem Parkplatz des XXXLutz am Äppelallee-Center eingebrochen (wir berichteten). Sie zündelten und hinterließen außer einem Chaos und einem Sachschaden von rund 30.000 Euro auch Flugblätter. Auf den Zetteln kritisieren sie die Corona-Maßnahmen und ziehen augenscheinlich Vergleiche zum Nationalsozialismus. Am Ende steht ein durchgestrichenes Hakenkreuz mit QR-Code, das wir hier zensiert haben:

Für CoviMedical, die deutschlandweit Testcenter betreiben, ist das leider kein Einzelfall und dennoch eine neu erreichte Größenordnung, sagt Gründer und Geschäftsführer Christoph Neumeier auf Merkurist-Anfrage. „Es gab bereits Vandalismus und auch Brandstiftung. Aber nicht in diesem Ausmaß.“ Und das sei kein gutes Gefühl. Dem Team gehe es zwar gut, es wurde niemand verletzt, aber: „Natürlich finden wir das beunruhigend“, sagt er. „Unternehmen wie wir werden zur Zielscheibe, weil wir mit Tests helfen wollen, die Pandemie zu kontrollieren.“

Er sei entsetzt und traurig darüber, dass Menschen zu solchen Mitteln greifen. „Es zeigt leider zudem wieder einmal, dass diejenigen, die die Corona-Regeln im Alltag umsetzen, oft am meisten gefährdet sind.“ Eine direkte Konsequenz des Vorfalls sei gewesen, dass Menschen, die nicht geimpft oder genesen sind und einen Termin in der Teststelle hatten, wegen der kurzfristigen Schließung nicht auf die Arbeit gehen konnten.

Kommen die Täter aus dem Querdenker-Milieu?

CoviMedical vermutet, dass die Täter aus dem Querdenker-Milieu stammen. Wie Polizei-Pressesprecher Andreas Hemmes am Freitag erklärt, sei es oft schwer, solche Taten direkt in Verbindung mit Gruppierungen zu bringen, wenn sich die Täter nicht als Mitglied zu erkennen geben. Klar sei aber, dass es sich um scharfe Kritiker der Corona-Maßnahmen handelt. „Es wurden viele Spuren gesammelt, die jetzt ausgewertet werden“, sagt Hemmes. Das könne einige Tage in Anspruch nehmen. Außerdem wolle man herausfinden, ob die Tat in Zusammenhang mit weiteren Flugblättern steht, die ebenfalls am Donnerstagmorgen in Schierstein gefunden wurden.

CoviMedical will jetzt seine Sicherheitsvorkehrungen ausbauen. Seit heute sei man auch wieder auf dem Parkplatz an der Äppelallee in Betrieb, allerdings in neuen Containern. „Wir wollten unsere Kapazitäten ohnehin ausbauen und hatten schon den Erweiterungscontainer bestellt“, sagt Neumeier. „Daher konnten wir uns so schnell umstellen.“ Termine können wieder wie gewohnt online vereinbart werden.

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